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Geilenkirchen/ Übach-Palenberg: Stundenplan gegen den Speck: Was sagen Lehrer?

Geilenkirchen/ Übach-Palenberg : Stundenplan gegen den Speck: Was sagen Lehrer?

Die Deutschen sind zu fett. Um das Heer der nachwachsenden „Pfundskerle” zu minimieren, will Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt die Schulen im Kampf gegen den Körperspeck einbinden. Ernährung und Fitness sollen auf den Stundenplan. Und wie sehen dies die Schulleiter?

Für Klaus Braun, den Leiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen, birgt der Vorstoß aus Berlin „nichts Neues”, schließlich schreibe der aktuelle Lehrplan bereits den dreistündigen Sport-Unterricht pro Klasse pro Woche fest.

„Aber die Umsetzung scheitert daran, dass wir uns die Dreifach-Sporthalle mit den anderen Schulen in der Stadt teilen müssen, mit dem Ergebnis, dass wir zumindest auf zwei Stunden Sport kommen.” Personal? Nun ja, im Moment kein Problem. „Aber”, so blickt Braun etwas bange in die Zukunft, „bald werden zwei Sportlehrer pensioniert, und man weiß nicht, ob wir uns ein paar neue angeln können.”

Gesundheit, damit auch Ernährung sind bei der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule quasi Programm, so Braun: Denn die Einrichtung ist eine so genannte Opus-Schule, die sich das körperliche und seelische Wohlergehen der Pennäler und auch des Lehrer-Kollegiums auf die Fahnen geschrieben haben. Das gesundheitliche Denken und Handeln wird den Jugendlichen nicht nur im Unterricht eingeimpft, auch in schulischer Eigeninitiative werden manche Fitness-Aktionen angestoßen.

Dicksein ist ein gesellschaftliches Problem, bei dem die Schule allein keine Abhilfe schaffen kann, sagt Klaus Braun, und sagt auch sein Kollege Johannes Nelißen, Rektor der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Übach-Palenberg. Sport, schön und gut, meint er. Doch auch er muss sich mit dem Umstand herumplagen, dass die GHS keine eigene Turnhalle hat, der Antrag laufe bereits seit zwei Jahren. „In einigen Klassen wird drei Stunden Sport in der Woche gegeben”, erläutert Nelißen, muss aber einräumen, dass es zu einem personellen Engpass käme, sollte die Disziplin der Leibesübungen zeitlich ausgebaut werden.

Viele Kinder sind zu fettleibig - das ist eine deprimierende Erkenntnis, die auch die GHS macht und die deshalb schon seit längerem ihr Scherflein dazu beiträgt, die Pfunde zu reduzieren. Nelißen: „In unserem Bistro werden gesunde Sachen zum Frühstück angeboten, um zu verhindern, dass die Kinder Chips essen.” „Wir weisen auch im Biologie- und Hauswirtschafts-Unterricht auf eine ausgewogene Ernährung hin, wir bieten Schwimmen, Tanzen oder Tauchen an.”

Aber letztendlich werde der Grundstein für ein gesundheitsbewusstes Verhalten im Elternhaus gelegt. Nach Ansicht Nelißens kann die Schule nicht Regulativ für alle gesellschaftlichen Unebenheiten sein: Was die Bedarfslage angeht, könnten die Schulen „auch zehn weitere Fächer anbieten, die wichtig sind”. Aber die Schule sei eine Bildungsanstalt und weiß Gott keine Anstalt für alle Fälle.

Christoph Esser, Rektor der Grundschule Breberen, bestätigt die Aussagen seiner Kollegen: „Bereits jetzt fließt die Erziehung der Kinder zu einem gesunden Verhalten in den Lehrplan ein.” Zudem erhalten in Breberen alle übergewichtigen Jungen und Mädchen einen speziellen Sportförderunterricht.

Am Carolus-Magnus-Gymnasium (CMG) in Übach-Palenberg findet nur in der Oberstufe der dreistündige Sport-Unterricht statt, in der Unter- und Mittelstufe sind es zwei Stunden - bedauert Erwin Berkemeier. Der Oberstudiendirektor ist allerdings der Ansicht, dass der Sport eh nur „die Symptome kuriert”.

„Wenn man ein richtiges Essverhalten vermitteln will, und das für ein Leben lang, ist es wichtig, Öffentlichkeit und Eltern entsprechend aufzuklären”, betont er. Es sei Besorgnis erregend, feststellen zu müssen, wie viele Schüler mit kalorienreichen Getränken und Süßkram bepackt seien.

Das Gymnasium unterstütze den Kampf gegen die Pfunde und habe die „Ernährungslehre dort eingebunden, wo sie hingehört, in den modernen Biologie-Unterricht”. Der Pädagoge warnt vor einer überbordenden Aufgabenflut: „Was sollen die Schulen denn noch alles leisten?!”