Geilenkirchen-Gillrath: Straßensperrung in Gillrath: Leere Geschäfte und sinkender Umsatz

Geilenkirchen-Gillrath: Straßensperrung in Gillrath: Leere Geschäfte und sinkender Umsatz

„Das ist doch einfach kacke“, sagt die Kundin, die das Blumenhaus Katja gerade betritt, und der Satz klingt, als komme er direkt aus ihrem Herzen. Gemeint ist die Sperrung der Karl-Arnold-Straße, die derzeit Dorfgespräch Nummer eins in Gillrath ist.

Ob beim Bäcker, auf dem Weg zur Schule oder an der Tankstelle: Für die Gillrather und verwirrte Autofahrer gibt es kaum ein anderes Thema. Seit gut eineinhalb Wochen ist die Ortsdurchfahrt nun schon gesperrt, und Katja Hoffmanns, Inhaberin vom Blumenhaus Katja, versteht die Welt nicht mehr: „Wir haben von dieser Baustelle ein paar Tage vorher aus der Zeitung erfahren. Niemand hat uns informiert, bis heute nicht. Wir konnten uns nicht vorbereiten, nichts planen, und nun ist die Situation einfach nur grausam.“

„Die lassen uns hier im Regen stehen“, meint Katja Hoffmanns (links), Inhaberin vom Katja Blumenhaus. Aber auch bei Beate Smers in der Bäckerei Vogel ist während der Baumaßname in Gillrath nicht viel los: „Wir bleiben auf unseren Brötchen sitzen.“ Foto: Simone Thelen

Schon jetzt mache sie mehr als 50 Prozent weniger Umsatz, dabei liegt ihr Blumenladen an dem Abschnitt der Baustelle, der derzeit noch angefahren werden kann. Und je länger es dauert, desto kritischer wird es. „Was soll ich machen, wenn meine Kunden an Allerheiligen nicht bis zu mir durchkommen? Darüber macht sich niemand Gedanken. Die lassen mich hier einfach im Regen stehen.“

„Die lassen uns hier im Regen stehen“, meint Katja Hoffmanns (links), Inhaberin vom Katja Blumenhaus. Aber auch bei Beate Smers in der Bäckerei Vogel ist während der Baumaßname in Gillrath nicht viel los: „Wir bleiben auf unseren Brötchen sitzen.“ Foto: Simone Thelen

Sowohl bei der Stadt als auch bei Straßen NRW hat sich Katja Hoffmanns beschwert. „Man hat mir gesagt, ich soll froh sein, dass die Straße nicht aufgebaggert wird, dann wäre ich auch noch an den Kosten beteiligt worden. Die Unannehmlichkeiten müsse ich eben in Kauf nehmen.“ Auf einen Rückruf von Bürgermeister Georg Schmitz wartet sie noch.

„Im Moment macht es keinen Spaß, Bürgermeister zu sein“, meint indessen Schmitz, der nicht nur Katja Hoffmanns, sondern noch zahlreiche weitere Gillrather auf seiner Rückrufliste stehen hat. „Ich komme einfach nicht nach. Alle rufen bei mir an. Ich werde teilweise böse beschimpft, dabei habe ich damit gar nichts zu tun. Ich gebe allen die Nummer von Straßen NRW und bitte sie, sich dort zu beschweren.“ Das habe er selbst auch schon getan: „Eine solch schlechte Planung habe ich noch nie gesehen. Die Stadt wurde überhaupt nicht einbezogen. Ich selbst habe aus der Zeitung erfahren, wann die Baustelle beginnt. Da hätte man doch vorher mal drüber sprechen können.“

Über ein solches Gespräch hätte sich auch Diana Engels, Stationsleiterin der Star-Tankstelle in Gillrath gefreut: „Die gesamte Organisation und Planung ist eine Katastrophe. Bis heute hat uns niemand informiert. Wir werden komplett im Stich gelassen, dabei zahlen wir doch Gewerbesteuer.“ Hätte Engels früher von der Sperrung erfahren, hätte sie anstehende Ausbesserungsarbeiten terminiert, für die die Tankstelle geschlossen werden muss. „Nun kriegen wir so schnell keine Handwerker mehr.“

Ein zusätzliches Ärgernis: Die Beschilderung der Baustelle und der Umleitung sei irreführend. „Niemand weiß, wie weit er überhaupt noch fahren kann.“ Darum hat sich Diana Engels mit den übrigen Gewerbetreibenden zusammengetan und in Eigenregie und auf eigene Kosten ein Schild drucken lassen, um darauf hinzuweisen, dass ihre Geschäfte noch angefahren werden können. Wie lange das nun noch gilt, ist unklar.

Denn schon in den nächsten Tagen soll der nächste Bauabschnitt beginnen. Dann wäre eine Zufahrt wohl nicht mehr möglich, auch nicht zur Bäckerei Vogel (früher Mertens), die die Filiale an der Karl-Arnold-Straße zeitgleich mit dem Baubeginn geöffnet hat. Beate Smers ist dort Filialleiterin. „Es ist einfach nichts los. Jetzt haben wir ein so tolles Sortiment, und niemand kommt. Wir bleiben auf unseren Brötchen sitzen.“

Darum hat die Bäckerei auch schon Maßnahmen ergriffen. Die Öffnungszeiten wurden verkürzt — nachmittags nur noch bis 14 Uhr — und Aushilfen mussten auf andere Filialen verteilt werden. „Zum Glück war das möglich“, meint Smers. „Aber über solche Dinge macht sich wohl niemand Gedanken. Wer diese Baumaßnahme geplant hat, hat keine Ahnung. Und es interessiert ihn nicht, dass davon auch Existenzen abhängen.“

Willi Horrichs ist Bauüberwacher beim Landesbetrieb Straßen NRW und als solcher auch für die Baumaßnahme in Gillrath zuständig. Den Ärger der Geschäftsleute kann er zwar verstehen, aber über die Planungen im Vorfeld der Maßnahme nicht viel sagen. „Das ist auch nicht meine Aufgabe. Trotzdem beschweren sich die Leute alle bei mir.“

Nicht verstehen könne Horrichs jedoch, dass der Bürgermeister meint, nichts gewusst zu haben. „Selbstverständlich waren alle beteiligten Stellen informiert. Das beginnt bei den Verkehrsbetrieben über die beteiligten Städte bis hin zu Feuerwehr und Rettungsdienst. Mein Mailverkehr beweist eindeutig, dass die Stadt alle nötigen Informationen bekommen hat.“ Zudem habe die Stadt auch die Möglichkeit gehabt, im Vorfeld Bedenken zu äußern oder Vorschläge zu machen, sagt Horrichs weiter. „Wir machen hier nichts geheim.“

Eine komplette Umplanung der Maßnahme, etwa indem die beiden Fahrspuren nacheinander saniert würden, sei in Gillrath nicht möglich. „Es gibt Bestimmungen, die das verbieten. Der nötige Sicherheitsabstand könnte nicht eingehalten werden.“ Um die Baumaßnahme aber zu beschleunigen, habe man bereits den Ablauf optimiert. „Wir ziehen in beiden Bauabschnitten die Asphaltarbeiten auf der Fahrbahn vor und machen erst im Anschluss die Pflasterarbeiten an den Rändern und den Querungshilfen. Dadurch wird die Straße zumindest für die Anlieger schneller wieder befahrbar.“

Die Sorgen der Anwohner der Karl-Arnold-Straße, ihre Häuser vorübergehend nicht mit dem Pkw erreichen zu können, kann Horrichs verstehen, allerdings sei ein Durchkommen für Feuerwehr und Rettungsdienst im Notfall jederzeit gewährleistet. „Natürlich müssen Anlieger die ein oder andere Unannehmlichkeit in Kauf nehmen. Das lässt sich nicht ändern.“

Ab Mitte kommender Woche seien die Arbeiten im ersten Bauabschnitt abgeschlossen und die dritte Querungshilfe werde gebaut. „Mit den Geschäften, die im zweiten Bauabschnitt liegen, werden wir reden. Wenn das Wetter mitspielt, sind wir in ca. dreieinhalb Wochen mit den Asphaltarbeiten fertig.“ Das wäre dann deutlich früher als angekündigt.

Diese Nachricht dürfte auch Katja Hoffmanns vom Blumenhaus freuen. Dennoch bleibt sie kämpferisch: „Ich betreibe mein Geschäft nun schon seit 34 Jahren. Es ist mein Leben. Ich bleibe hartnäckig, und wenn ich mich persönlich auf den Schreibtisch des Bürgermeisters setzen muss.“ Des Weiteren will sie sich auch rechtlich beraten lassen. „Vielleicht gibt es ja eine Entschädigung.“

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