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Übach-Palenberg: Stimmungsbild aus dem Flügel gezaubert

Übach-Palenberg : Stimmungsbild aus dem Flügel gezaubert

Gleich zu Beginn des neuen Jahres präsentierten die Kammermusikfreunde Übach-Palenberg und das evangelische Bildungswerk ihrem Publikum einen echten Knüller.

Mit Professor Ilja Scheps konnte ein international renommierter Pianist für ein Klavierkonzert in der Marienberger Hütte der Begegnung gewonnen werden.

Über 100 Besucher

Ilja Scheps wurde am Moskauer Konservatorium ausgebildet und konzertierte ab 1982 zehn Jahre lang als Solist der Moskauer Philharmonie. 1992 siedelte er nach Deutschland über und lehrt seit April 2003 an der Kölner Musikhochschule, Abteilung Aachen. Zahlreiche Konzerttourneen durch nahezu alle Kontinente brachten ihm große Erfolge und internationale Anerkennung ein.

Mehr als 100 Konzertbesucher, darunter auch zahlreiche Aachener Schüler von Ilja Scheps, hatten sich in der Hütte der Begegnung eingefunden, um diesem besonderen musikalischen Ereignis beizuwohnen. Zu Beginn stand die Klaviersonate B-Dur KV 281 von Mozart auf dem Programm.

Das 1774 entstandene Werk zählt sicher zu den technisch anspruchsvollsten der frühen Sonaten des Salzburger Meisters. Da die Klaviere des 18. Jahrhunderts völlig anders klangen als ein moderner Flügel, ist es zuweilen kein leichtes Unterfangen, ein solches Werk überzeugend zu realisieren.

Aber Ilja Scheps erwies sich sogleich als Meister seines Faches und zauberte aus dem von den Kammermusikfreunden bereitgestellten Flügel ein prachtvoll-galantes Stimmungsbild hervor, das dem Rokoko-Charakter dieses Werkes in jeder Hinsicht gerecht wurde.

Von souveräner Filigrantechnik zeugten die perlenden Zweiunddreißigstel des ersten Satzes; ebenso überzeugend auch das zartbewegte „Andante amoroso” und das abschließende brilliante Rondo-Finale. Weiter ging es dann mit zwei Werken des großen polnischen Komponisten und Virtuosen Frédreric Chopin.

Zunächst erklang die „Berceuse” (zu deutsch: Wiegenlied) op.57, ein wundervoll tiefsinniges Stück, das den „lyrischen” Chopin offenbart. Bei den hochliegenden Arpeggien im Schlußteil entlockte Ilja Scheps seinem Flügel unwirklich zarte Töne, die geradezu an klingende Kristallkugeln erinnerten und zog die Zuhörer derart in seinen Bann, dass man die berühmte Stecknadel auf den Boden hätte fallen hören können.

Wilde Klänge

In scharfem Kontrast dazu erwies sich das dämonisch auftrumpfende Scherzo Nr.2 b-moll op.31 als Werk von typisch romantischem Pathos, dessen wilde, leidenschaftliche Klänge nur vorübergehend Entspannung in einem besänftigenden Trio-Teil fanden.

Rasante Läufe und stürmische Akkordkaskaden stellen höchste Ansprüche an den ausführenden Interpreten. Aber Ilja Scheps meisterte auch hier selbst die schwierigsten technischen Klippen mit spielerischer Leichtigkeit und zugleich großartiger musikalischer Agogik und vollbrachte auch hier eine echte Meisterleistung.

Der zweite Teil des Konzertes war den „Jahreszeiten” op.37 des russischen Meisters Tschaikowky gewidmet. In diesem Klavierzyklus werden die Monate des Jahres in Form von zwölf Charakterstücken vorgestellt. Den einzelnen Stücken hat Tschaikowsky Zitate verschiedener russischer Dichter als programmatische Erläuterung vorangestellt.

Das hierzulande bis heute wenig bekannt gewordene Werk erreicht bezüglich seiner musikalischen Substanz allerdings nicht ganz die Höhe der Werke aus dem ersten Konzertteil.

Dies wurde jedoch mehr als wettgemacht durch die wiederum hervoragende Interpretation von Ilja Scheps, der dem Publikum auf dieser musikalischen Reise durch das Jahr immer wieder neue faszinierende Klangeffekte bescherte.