Spritknappheit an den Tankstellen in Geilenkirchen

Leere Tankstellen: „Zurzeit freue ich mich über jeden Liter“

Bei den hiesigen Tankstellen laufen die Tanks trocken. Große Besorgnis herrscht noch nicht, aber zeitnahe Besserung ist nicht in Sicht. 

Als Sebastian Nickel, Pächter der Tankstelle SB Tank an der Geilenkirchener Haihover Straße in Geilenkirchen, am Montagmorgen sein Kassenhäuschen aufschloss, wollte er den Tag eigentlich ruhig angehen. Erst einmal den Verkaufsständer mit Motoröl ausräumen und sich gelassen auf das Tagesgeschäft  vorbereiten. Um 8 Uhr öffnet er üblicherweise die Tankstelle, und dann kommen meist auch schon vereinzelt die ersten Kunden. „Um 7.50 Uhr hatte ich schon eine Autoschlange auf dem Gelände, bis 20 Uhr hielt der Kundenandrang an“, sagt Nickel. Exakt 812 Kunden hatte er am Montag, das seien 40 Prozent mehr als üblich, erklärt er.

Grund für den Andrang ist die derzeit herrschende Benzin- und Dieselknappheit. „Der Rhein hat zu wenig Wasser, vor Wochen schon fuhren die Tankschiffe nur zu einem Drittel gefüllt. Jetzt fahren keine Schiffe mehr, und die Regierung musste einen Teil der Sondervorräte freigeben“, sagt Nickel. Während er in seinem Kassenhäuschen sitzt, klingelt häufig das Telefon. „Viele Kunden rufen an und fragen, ob es bei mir noch Benzin oder Diesel gibt.“

So wie ihm ging es in den vergangenen Tagen offenbar fast allen Tankstellenbetreibern im Heinsberger Südkreis: Am Montagabend beispielsweise waren bei PM an der Sittarder Straße einige der Zapfpistolen abgeklebt. Etwa zur gleichen Zeit musste Sebastian Nickel den Verkauf von E10 einstellen. Gestern setzte die Misere sich fort.

Die Lieferungen schrumpfen

Die Haihover Straße in Geilenkirchen am Montagabend um 19.30 Uhr: E10 ist aufverkauft. Foto: zva/Jan Mönch

Üblicherweise rollen jeden zweiten Tag Tankzüge an der Haihover Straße an, jetzt kommen sie nur noch jeden dritten oder vierten Tag. 60.000 Liter Benzin und 60.000 Liter Diesel verkauft Nickel üblicherweise in der Woche. Wie viel Benzin und Diesel in den nächsten Tagen angeliefert werden, weiß er nicht. „Mal kommt ein Tanklastzug mit 15.000 Litern, mal nur mit 6000. Zurzeit freue ich mich über jeden Liter.“

Besserung, so glaubt der Pächter der Tankstelle, die einer Tochtergesellschaft von Shell angehört, sieht er in den nächsten Tagen nicht. „Es muss sehr viel regnen, damit die Schiffe wieder fahren können. Die Vorräte könnten noch knapper werden. Erste Tankstellen, beispielsweise in Wegberg und Eschweiler, haben bereits geschlossen“, hat er gehört.

„Zurzeit noch E10 und Ultimate“

An der Jet-Tankstelle an der Roermonder Straße in Übach-Palenberg-Boschelngab es bislang es noch keine Engpässe. „Wir können noch alles liefern“, sagt Michael Schwartz, Mitarbeiter des Unternehmens, am Dienstag auf Nachfrage. Die Problematik sei natürlich bekannt, aber bisher habe man es, möglicherweise durch vorausschauende Planung, geschafft, die Tanks nicht leer laufen zu lassen. „Wie sich das entwickelt, müssen wir abwarten“, meint Schwartz, aber „ich bin da sehr zuversichtlich“.

Solche Stimmen blieben am Dienstag jedoch die absolute Ausnahme. Auch in der Aral-Tankstelle von Claudia Nock, gelegen an den Geilenkirchener Verkehrsachsen Heinsberger Straße und Berliner Ring, waren die Tanks am Dienstag in der Mittagszeit teils trocken gelaufen. „Wir haben zurzeit noch E10 und Ultimate“, sagte Geschäftsführer Markus Schenitzki um Punkt 12.30 Uhr zu unserer Zeitung.  „Heute Abend werden wir neu beliefert.“

 Offenbar ist jedoch nicht nur der Fluss von Benzin und Diesel akut gestört, sondern auch der von Informationen. „Die Mineralölgesellschaften halten sich auf unsere Nachfragen hin sehr bedeckt“, klagt Schenitzki. Er wisse immer nur, wann er mit der nächsten Lieferung rechnen darf, wie es danach weitergeht jedoch nicht. Der Konkurrenz gehe es da wohl nicht viel besser. Geht man davon aus, dass nicht nur Schenitzki, sondern auch sämtliche anderen Geschäftsleiter von Tankstellen in der Region und darüber hinaus den Gesellschaften in den Ohren liegen, kann man sich leicht ausmalen, dass die Telefone dort nicht stillstehen.

 Die Aufregung ist also groß, Besorgnis scheint sich aber noch nicht breit zu machen – was wiederum damit zu tun hat, dass die Tankstellen nahezu flächendeckend betroffen sind. „Gestern haben Shell und PM nichts mehr gehabt, da haben wir mehr verkauft. Jetzt ist es eben für ein paar Stunden umgekehrt“, sagt Schenitzki und klingt dabei ganz gelassen. Er sagt aber auch: „So etwas haben wir noch nicht erlebt.“

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