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Geilenkirchen: Sprachstörungen: „25 Prozent der Kinder auffällig”

Geilenkirchen : Sprachstörungen: „25 Prozent der Kinder auffällig”

Logos = das Wort. Pädeuein = erziehen. Vielen Kindern fehlen heute Wörter und Grammatik, also müssen sie erzogen werden. Von einem Logopäden. Und es werden immer mehr. 25 bis 30 Prozent der Kinder sind in ihrer Sprachentwicklung gestört.

Dies beklagt die in Geilenkirchen und Wassenberg niedergelassene Logopädin Barbara Ophey. Im Gespräch mit unserer Zeitung geht sie auf die Ursachen ein, gibt aber auch Tipps, wie solche Fehlentwicklungen vermieden werden können.

Bereits im frühkindlichen Bereich stellen Logopäden Störungen der Sprachentwicklung fest. Mit welchen Störungen werden Sie am häufigsten konfrontiert?

Ophey: Da gibt es eine ganze Bandbreite von einfachen Lautbildungsfehlern wie Lispeln oder K-T-Verwechslungen bis hin zum fehlenden Satzbau. Bei manchen Kindern ist der Wortschatz nicht altersgemäß entwickelt. Andere Kinder entwickeln keine grammatische Struktur. Wieder andere entwickeln ein falsches Schluckmuster, welches dann kieferorthopädisch und logopädisch behandelt werden.

Man muss unterscheiden: Wenn ein zwei Jahre altes Kind lispelt, ist das nicht auffällig. Wenn aber ein Kind mit zwei Jahren nur über einen Wortschatz von 20 Wörtern verfügt, ist Behandlungsbedarf da. Und da sollten sich Eltern nicht scheuen, frühzeitig den Arzt aufzusuchen.

Wo liegen die Ursachen?

Ophey: Es gibt viele Ursachen. Viele Eltern haben wenig Zeit und bieten den Kindern zu wenige Sprechgelegenheiten. Gemeinsames Tun und gemeinsame Aktivitäten führen aber zur Sprachentwicklung. Die Sprache ist der Gipfel der Feinmotorik, deshalb ist auch Bewegung sehr wichtig für Kinder. Je feiner ich die Bewegungen ausdifferenziere, desto besser entwickelt sich die Mundmotorik. Daraus ergibt sich das Sprechen. Es gibt aber natürlich auch organische Ursachen, wie Hörschäden, Wahrnehmungsstörungen, Spastik...

Kann man solche frühkindlichen Störungen im Kindesalter vermeiden?

Ophey: Ja. Und zwar durch sprachanregendes Verhalten der Eltern, Erzieher, des ganzen Umfeldes. Man kann sich gegenüber dem Kind sprachfördernd oder sprachhemmend verhalten. Ganz wichtig ist, gemeinsam mit dem Kind aktiv zu sein und diese Aktivitäten mit kurzen Sätzen sprachlich zu begleiten.

Haben diese Störungen in den vergangenen Jahren zugenommen?

Ophey: Eindeutig ja! Nach 25-jähriger logopädischer Tätigkeit muss ich heute feststellen, dass etwa 25 bis 30 Prozent der Kinder heute auffällig sind. Das hat auch mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Früher gab es in den Großfamilien viel mehr Gelegenheiten zum Gespräch. Wenn Mama nicht da war, war Oma da. Heute aber sind viele Häuser von 8 bis 17 Uhr leer, weil beide Elternteile arbeiten müssen. Der Lebensmittelpunkt der Kinder verlegt sich heute in die Kindertagesstätte. Die Kita erhält eine immer größere Bedeutung.