Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Spielplatz-Vandalismus: Scherben im Sand und zersägte Geräte

Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Spielplatz-Vandalismus: Scherben im Sand und zersägte Geräte

Sie sind sauber. Die Geräte sind intakt. Ihr Sand ist frei von Scherben, Zigarettenstummeln und Hinterlassenschaften von Hunden. Dieser schöne Eindruck entsteht, wenn man an einem späten Montagnachmittag stichprobenartig Geilenkirchens Spielplätze aufsucht. Allerdings hat diese Nachricht einen wenig erfreulichen Hintergrund.

Die Spielplätze sehen nur so aus, weil die Stadt viel Arbeit hineinsteckt. Arbeit, die meist überflüssig sein könnte — und außerdem selbstverständlich bezahlt werden muss.

Einfach die Sprossen abgesägt: 500 Euro kostete diese Form der Freizeitgestaltung die Stadt und ihre Bürger. Foto: Stadt Geilenkirchen

„Vor und nach den Wochenenden gehen wir auf Mülltour“, berichtet Helmut Görtz, Spielplatzwart bei der Stadt. „Wir“, das sind er selbst sowie zwei Mitglieder der Grünkolonne. Nach und nach fahren sie die 56 öffentlichen sowie die zwei nicht-öffentlichen Spielplätze im Stadtgebiet sowie den Vororten ab. „Und am Dienstag sieht dann manchmal alles wieder genauso aus wie vorher.“

Der Sandkasten als Aschenbecher

Das ist natürlich frustrierend. Und manches Mal kann Görtz nur noch den Kopf darüber schütteln, was er und seine Kollegen wieder mal so vorgefunden haben. Quasi zum traurigen Standard gehören Zigarettenkippen, die genau da ausgedrückt werden, wo Kinder spielen. Neulich erst lasen Görtz und seine Kollegen direkt vor einer Rutschbahn die Scherben zerschlagener Glasflaschen auf. In so einem Fall muss natürlich der ganze Sand durch ein Reinigungsgerät, um sicherzustellen, dass wirklich alle Splitter weg sind. „Nachts setzen sich da die Jugendlichen mit dem Sixpack hin. Und wenn die genug intus haben, werden die Flaschen natürlich auch gleich vor Ort zerdeppert“, schimpft Görtz.

Und dies sind lediglich die Fälle von Verunreinigung. Doch auch Vandalismus gibt es zuhauf. So wurden in der Ruhrstraße die Sprossen aus einer Holzleiter herausgesägt. Ein Schaden, den die Stadt eilig beheben ließ. Noch zu besichtigen ist indes das Werk eines Unbekannten auf gleich zwei Spielplätzen in Lindern — Bolleber und Südkamp —, der auf die merkwürdige Idee kam, Rutschbahn und Karussell anzustreichen. Das Gesellenstück eines Lackierers wurde daraus allerdings nicht gerade.

Vielmehr wurden die Geräte mit roter, weißer und schwarzer Farbe regelrecht besudelt. Weil hieraus keine Gefährdung resultiert, entfernte Görtz die Farbe nicht. Er wollte nicht noch mehr Kosten zulassen als unbedingt notwendig. Die nämlich sind ohnehin hoch genug. Die zerstörte Sprossenleiter kostete die klamme Stadt 500 Euro, eine von einem Turm entfernte Kette 250 Euro. Ein zersägtes Karussell am Falkenweg schlug laut Petra Höpken vom Tiefbauamt mit gleich 1630 Euro zu Buche. Hinzu kommen natürlich die Personalkosten.

Das Problem besteht seit langem, der Eindruck von Spielplatzwart Görtz jedoch ist, dass es immer mehr zunimmt. Zufall? Möglich. Allerdings bestätigt auch Gottfried Mannheims von der Stadt Übach-Palenberg die traurige Entwicklung. Und die Erfahrungen, die der Leiter des Technischen Betriebs von den 35 Spielplätzen der Nachbarstadt schildert, gleichen denen von Görtz auch sonst fast aufs Wort genau.

Die Entfernung der Hinterlassenschaften von Grillabenden, die offenbar besonders in der Blumenstraße häufiger steigen, wie von Spaziergängen mit dem Hund gehöre für seine Leute „mittlerweile zum Tagesgeschäft“. Abgerissen hat die Stadt Übach-Palenberg bereits eine Grillhütte im Naherholungsgebiet. Diese war wiederholt angezündet worden. Jedes Mal auf Steuerzahlers Kosten eine neue hinzustellen, kam für Mannheims nicht in Frage. Auch solche Vorkommnisse seien der Grund, dass die Stadt das Naherholungsgebiet nachts abschließt.

Görtz indes hat Verständnis dafür, dass nicht jeder sich traut, Jugendliche bei ihrem alkoholbedingten Rückfall ins Sandkastenalter zur Rede zu stellen. „Wir haben Angst, dass uns nachher die Scheiben eingeschmissen werden“, habe ihm die Anwohnerin eines der Geilenkirchener Spielplätze anvertraut. Trotzdem wünscht Görtz sich, dass die Allgemeinheit ein wenig mehr auf ihr Hab und Gut achtet, insbesondere dann, wenn dieses für die Kleinsten gedacht ist.

Im Falle des zersägten Karussells am Falkenweg immerhin hat das geklappt. Die Übeltäter wurden damals von Anwohnern bei ihrer Freizeitgestaltung gefilmt.