Geilenkirchen - Sexuell genötigt: 19-Jährige gegen ihren Willen geküsst

Sexuell genötigt: 19-Jährige gegen ihren Willen geküsst

Von: Markus Bienwald
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Geilenkirchen. Es sei „ein bisschen dumm gelaufen”, kommentierte ein 28-jähriger Angeklagter aus Übach-Palenberg das Geschehen im Juli 2007. Damals sah er eine junge Frau vom Geilenkirchener Stadtzentrum aus in Richtung Loherhof gehend, hielt an und stieg aus. Das Resultat: Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Er ging zu der damals 19-Jährigen und verwickelte sie in ein Gespräch. Doch nicht deswegen stand der verheiratete Mann vor dem Schöffengericht. Unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Anselm Pütz musste er sich wegen des Tatvorwurfs verantworten, er habe die Frau gegen ihren Willen küssen wollen.

Sexuelle Nötigung ist das laut Rechtslage, doch der Mann stellte dies völlig anders dar. Vielmehr habe er die Frau angesprochen, sich zwischen 20 und 30 Minuten nett mit ihr unterhalten, Handynummern getauscht und sich zum Tanzen verabredet. Am Ende dieses nach Darstellung des 28-Jährigen einvernehmlichen Gespräches hätten er und die junge Frau freundschaftliche Wangenküsse getauscht, aus denen ein Kuss auf den Mund entstanden sei.

Im krassen Gegensatz standen die Schilderungen der mittlerweile 20-jährigen Geschädigten. Sie gab an, der Mann habe ihr zugehupt, sein Auto kurzerhand am Fahrbahnrand geparkt und zu ihr gelaufen. Dann habe er sie zunächst mit einem anderen Namen begrüßt, wobei die Frau zunächst davon ausging, dass er sie mit einer anderen Person verwechselte. Während des Gespräches, das ihr aufgezwungen wurde und nur zwei bis maximal fünf Minuten gedauert habe, wurden keine Nummern getauscht.

Auch habe sie der Mann plötzlich gepackt, sie an Kopf und Rumpf zu sich gezogen und versucht, sie zu küssen. Dazu sei es aber nicht gekommen, betonte die 20-Jährige vor Gericht. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen und rannte weg. Danach habe sie sofort sein Autokennzeichen notiert und sei zur Polizei gegangen.

Unter Schock und nach mehrfachem Übergeben schilderte sie den Beamten den Vorfall. Von einer weiteren Person, dem nach eigenen Angaben ebenfalls 28-jährigen Bruder des Angeklagten, bemerkte sie aber nichts. Hingegen schilderte dieser Bruder im Zeugenstand, dass er gesehen habe, wie der Angeklagte sich nett mit der jungen Frau unterhalten habe.

Allerdings waren seine Angaben derart widersprüchlich, dass Staatsanwalt Bodden ihn vorsorglich auf mögliche Folgen eines vor Gericht geleisteten Meineids hinwies. „Mein Bruder hat sie nicht angepackt”, fuhr der Zeuge fort, „und jeder Mann, wenn er eine hübsche Frau sieht, macht sie an”, schloss er.

Für Staatsanwalt Bodden stand der Sachverhalt wie in der Klageschrift geschildert eindeutig fest. „Das Ganze war einfach erstunken und erlogen”, kommentierte er die Aussage des Bruders. Seiner Forderung, die Strafe auf zehn Monate mit Bewährung festzulegen, folgte das Gericht. Zudem muss der 28-Jährige noch 1000 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlen.

Auch für Richter Pütz und die Schöffen stand zweifelsfrei fest, dass der Mann, wie in der Anklage beschrieben, gehandelt hat. Und er fragte schließlich auch den Angeklagten, was er zu der jungen Frau gesagt hat. „Was haben Sie denn gesagt? Etwa: „Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und spreche auf offener Straße am helllichten Tag einfach fremde junge Frauen an?” Natürlich verneinte der Angeklagte dies.

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