Geilenkirchen: Sekundar- oder Gesamtschule? Menschen vor Ort sollen entscheiden

Geilenkirchen: Sekundar- oder Gesamtschule? Menschen vor Ort sollen entscheiden

Sekundarschule oder Erweiterung der bestehenden Gesamtschule? Welcher Weg ist der beste für Geilenkirchen? Eine Empfehlung wollte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) nicht abgeben: „Sie werden von mir nicht zu hören bekommen, was Sie in Geilenkirchen tun sollen.”

„Wir beschreiben nur die Möglichkeiten”, erklärte die stellvertretende Ministerpräsidentin. „Die Entscheidung trifft die Kommune selbst. Die Menschen vor Ort wissen besser, was gut für sie ist.”

„Schulkonsens in NRW - eine Chance für Geilenkirchen”. Unter dieser Überschrift hatten Geilenkirchens Grünen-Chef Jürgen Benden und Dr. Joachim Möhring, Vorsitzender der Geilenkirchener SPD, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Norbert Spinrath, den Vorsitzenden der SPD im Kreis Heinsberg, und Klaus Lange, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Kreis Heinsberg, zu einer Podiumsdiskussion ins Berufskolleg eingeladen.

Möhring begrüßte rund 80 Gäste, unter ihnen Stadtverordnete, Schulleiter, Lehrer, Eltern und Landrat Stephan Pusch. Benden beschrieb nochmals die Situation: Rückläufige Anmeldezahlen in der Realschule und in der gemeinsam mit Gangelt betriebenen Hauptschule, während die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Jahr für Jahr Schüler abweisen muss. „Was spricht für eine Sekundarschule. Was für eine erweiterte Gesamtschule? Wir wollen die Ängste und Sorgen der Eltern hören, damit wir die richtige Entscheidung treffen”, sagte er.

In ihrem kurzen Statement gab Sylvia Löhrmann keine Empfehlung ab. „Die Landespolitik liefert die Blumen, die Floristen müssen vor Ort die Sträuße binden”, sagte sie und wies auf die Ziele der Bildungskonferenz im vergangenen Jahr hin: Ein sozial gerechtes Schulsystem sollte gefunden werden, in der bessere Leistungen erzielt werden.

Eines aber stehe fest: „Die Hauptschule wird nicht mehr gefragt. Die Nachfragequote ist von 55,9 Prozent im Jahr 1970 auf 12,3 Prozent im Jahr 2010 gesunken. Und diese Tendenz ist weiter sinkend.” Dies habe aber nichts mit der Landesregierung zu tun. „Das größte Hauptschulsterben haben wir in Bayern.” Auch die Sekundarschule biete gymnasialen Standard, habe aber keine eigene Oberstufe, sondern müsse mit einer oder mehreren Schulen mit Oberstufe kooperieren.

Die Stadt Geilenkirchen müsse jetzt bei den Eltern der Grundschulkinder den Bedarf abfragen, 75 Anmeldungen seien für die Einrichtung einer Sekundarschule erforderlich.

Entscheidend für die Einrichtung einer Sekundarschule oder Erweiterung der bestehenden Gesamtschule seien der Elternwille, die Schülerzahl und der regionale Konsens. „Die Schülerzahlen gehen überall zurück. Wir befinden uns in allen Kommunen in einer Phase der Veränderung”, erklärte die Schulministerin.

„Das längere gemeinsame Lernen entspricht unseren Vorstellungen von einem gerechten und modernen Schulsystem. Der Ganztagsbetrieb ist aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aber auch zur Optimierung der Lernbedingungen unverzichtbar”, erklärte anschließend Norbert Spinrath. Im Gegensatz zur Schulministerin gab er eine Empfehlung ab: „Warum eine neue Schule gründen, wenn die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen alle Voraussetzungen erfüllt?”, fragte er. Das Gymnasium St. Ursula habe eine lange Tradition, seine Verdienste für die Bildung in der Stadt seien unbestritten.

Die Gesamtschule habe 20 Jahre Erfahrung gesammelt, „und hat mit den schulischen Ergebnissen ihrer Schülerinnen und Schüler bewiesen, dass sie sich bewährt hat”.

Und auch das Berufskolleg für Ernährung, Sozialwesen, Technik und das Berufskolleg Wirtschaft lieferten wesentliche Anteile zum Bildungsstandard in der Stadt Geilenkirchen. „Warum noch eine weitere integrative Schule mit dem Ansatz des gemeinsamen Lernens, aber ohne die Möglichkeit einer eigenen Oberstufe neu gründen, wenn alle Ansätze dieser neuen Schulform in einer bereits vor Ort bestehenden Schule erfüllt werden?”, sprach er sich für eine Erweiterung der Gesamtschule aus. Aktuellen Berechnungen zufolge müsste die bisher vierzügige Gesamtschule um zwei Züge erweitert werden. Nach Ansicht vieler Beteiligter werde dies unter Einbeziehung der Räumlichkeiten der bisherigen Realschule am Gillesweg als Dependance der Gesamtschule möglich sein. Damit komme man auch dem dortigen Lehrerkollegium stark entgegen.

„Die Realschullehrer haben gute Arbeit gemacht, die dürfen wir nicht im Regen stehen lassen”, forderte Klaus Lange. Dies gelte aber auch für Gesamtschullehrer, „die auf eine Beförderung gewartet haben und diese Stellen jetzt von Kollegen der Haupt- oder Realschule eingenommen werden”. Für die Lehrer forderte er Fortbildungsmaßnahmen, was Sylvia Löhrmann an diesem Abend zusagte. „Außerdem wollen wir Zwangsversetzungen vermeiden, Lehrer müssen an eine Schule wollen.”

Vor einer weiteren Diskussion in den nächsten Tagen und Wochen forderte Landrat Stephan Pusch: „Es wäre falsch, Schule ideologisch zu sehen. Kooperieren Sie mit den Nachbarstädten”, wandte er sich gegen Kirchturmsdenken in der Schulpolitik.