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Übach-Palenberg: Schulleiter Berkemeier: In einem Jahrzehnt viele Akzente gesetzt

Übach-Palenberg : Schulleiter Berkemeier: In einem Jahrzehnt viele Akzente gesetzt

Das hölzerne Stopp-Schildchen auf seinem Bürotisch kann Erwin Berkemeier auch wegpacken. Lange Jahre hat es dem Schulleiter des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) als symbolische Mahnung gedient. Es sollte eine ständiges Zeichen dafür sein, dass man nicht alle Probleme dieser Welt lösen kann, das es eine Grenze gibt.

Zum Ende des Schuljahres, offiziell zum 31. Juli, geht der 65-Jährige von Bord. Nach 37 Jahren als Lehrer am CMG - in den Fächern Mathematik und Geografie -, zehn Jahre davon war Oberstudiendirektor und damit Chef des CMG. „Und dabei habe ich manches Mal das Stopp-Schild missachtet”, räumt er ein. Denn: „Die Präsenz als Ansprechpartner, Vermittler und Organisator in der Schule und das Engagement für die Schule sind ebenso wichtig wie fordernd.”

Berkemeier blickt dabei zufrieden auf die zurückliegende Dekade als Schulchef. Da war vor allem jenes Kapitel, das immer an ihn erinnern dürfte: Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die städtische neusprachliche Einrichtung an der Comeniusstraße „in einem demokratischen Findungsprozess” endlich einen Namen erhielt: Carolus-Magnus-Gymnasium, wegen der historischen Wurzeln zu Karl dem Großen.

Dass die Schule neue Wurzeln schlagen konnte, dafür hat Berkemeier den Boden geschaffen - vor allem im kreativen Bereich: „Wir verfügen über hervorragende Theater- und Literaturkurse. Eine zweite wichtige Säule ist der Musikunterricht mit einem von den Eltern anerkannten Förderprogramm. Auch im Kunstbereich konnten wir uns personell und materiell verbessern.”

Seit 1972 ist Erwin Berkemeier Pädagoge, seitdem hat sich viel gewandelt. „Heute wird den Schülern anderes abverlangt. Nicht nur das Pauken allein steht auf dem Stundenplan, sondern auch das Bestreben der Schule, den jungen Menschen Selbstständigkeit, Lernbereitschaft und vor allem Motivation zu vermitteln”, skizziert der scheidende Schulleiter die Zielsetzung in seinem Haus.

Die Schule stehe hierbei in harter Konkurrenz mit Computer und Fernsehen: „Die facettenreiche und vielfältige Lebenswelt heutzutage stößt bei den Kindern auf mehr Attraktivität als die Schule. Dieser Konkurrenz müssen wir uns stellen.” Der Unterricht sei deshalb „medienintensiver” geworden - durchaus mit der positiven Folge, dass der Lernstoff für die Pennäler interessanter verpackt werden könne. Laptops, PC und Beamer sowieso, gehören zu den Unterrichts-Utensilien, um den verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien zu fördern.

Weiterhin blickt Berkemeier zufrieden auf den Ausbau der erfolgreichen Partnerschaft mit einer Schule im französischen Rimogne, die mit dem inzwischen 34. Schüleraustausch auf stabilem Fundament steht. Wichtig war Berkemeier, bilanziert er, dass seine Gymnasiasten nicht nur die Geheimnisse in Mathe und Bio verinnerlichen, sondern auch soziales Verhalten aufsaugen. „Schauen Sie sich gewisse Manager an, die haben ungeheures Fachwissen, aber zu wenig Moral”, stützt er seine Aussage mit dem aktuellen Desaster.

Faszinierender Umgang

Berkemeier nimmt Abschied in der altersweisen Erkenntnis, dass „der faszinierende Umgang mit jungen Menschen, engagierten Kolleginnen und Kollegen sowie Eltern den Alterungsprozess verlangsamt”. Wehmut? Nein, die hat ihn nicht beschlichen, sagt Berkemeier. „Ich werde mit einem Gefühl von Freiheit und Erwartung in meinen dritten Lebensabschnitt gehen. Ein Programm habe ich nicht”, will der 65-Jährige sich nur treiben lassen. Und es bremst ihn kein Stopp-Schild.