Gangelt: Schützenbrüder feiern die Inklusion

Gangelt: Schützenbrüder feiern die Inklusion

„Come together“: Wer kennt nicht das Eröffnungslied des Albums Abbey Road aus dem Jahr 1969 der britischen Rockband The Beatles? „Come together — kommt zusammen“ heißt es aber auch, wenn die St.-Johanni-Schützenbruderschaft Gangelt im Mai ihre Pfingstkirmes feiert.

Am Eröffnungsabend nämlich, am Freitag, 13. Mai, sollen bei der Musik der Band „Paint my horse green“ behinderte Menschen der ViaNobis GmbH und die Bevölkerung gemeinsam feiern. Um diesen Festabend für die Bevölkerung und Gäste aus der Umgebung zu gestalten, ziehen die Schützen, die Stiftung „Mit gleichen Chancen leben“ und der Förderverein Maria Hilf an einem Strang.

„Vor dem Hintergrund des Inklusionsgedankens wollen wir einen Freitagabend mit Menschen, die in unserer Einrichtung zu Hause sind, und der Bevölkerung gestalten. Schließlich sind wir alle in Gangelt zu Hause“, erklärt Diakon Thomas Hoff, Geschäftsführer des Fördervereins und Ordensvertreter der Katharina Kasper ViaNobis GmbH in Gangelt.

An diesem Abend soll bei Interesse aber auch vermittelt werden, was es bedeutet, mit einer körperlichen Behinderung zu leben. Mit Hilfe der Stiftung wurden zwei Fahrräder gekauft, mit denen jeweils ein Rollstuhl und dessen Fahrer transportiert werden können. Jeder kann einmal eines dieser Räder ausprobieren. Und wer von den Gästen zur vorgerückten Stunde nach ein paar kühlen Bierchen den Heimweg nicht mehr zu Fuß antreten will, kann sich mit einem dieser Räder nach Hause fahren lassen. Eine Spende ist dann gerne gesehen. „Dieses Angebot gilt natürlich nur für den Gangelter Ortskern“, schmunzelt Hoff.

Sebastian Erfurth, Schützenmeister der rund 60 Mitglieder zählenden Bruderschaft, freut sich bereits auf den geselligen Freitag, der zusätzlich ins Kirmesprogramm aufgenommen und von der Kreissparkasse gesponsert wird. Und er versichert: „Wenn die Besucher Spaß haben, wird er im nächsten Jahr wiederholt. Der wirtschaftliche Erfolg steht nicht im Vordergrund.“

Bei der Gelegenheit macht Leo Wennmacher, Geschäftsführer der Stiftung „Mit gleichen Chancen leben“, auf die Arbeit der rund 50 Mitglieder aufmerksam. „Wir wollen den Bewohnern Teilhabe ermöglichen und Freude bereiten.“ So werden von der Stiftung Urlaubs- und Freizeitmaßnahmen oder auch der Kauf von pädagogischem Material finanziert. Stiftungsgelder fließen in die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter, neue pädagogische Konzepte werden mit deren Geldern verwirklicht.

Ständig Mitglieder gesucht

„Dazu zählt auch die Ausbildung eines Therapiehundes“, sagt Wennmacher. Mit den Bikern und Trikern hat die Stiftung auch schon ein Konzert veranstaltet. Eine ähnliche Zielsetzung hat der etwa 400 Mitglieder zählende Förderverein. Für einen Jahresbeitrag von zwölf Euro kann hier jeder beitreten. „Wir suchen ständig neue Mitglieder, um unseren Bewohnern sozusagen das Sahnehäubchen zu ermöglichen. Wir finanzieren Dinge, die sonst nicht möglich wären“, erklärt Thomas Hoff.

So hat der Förderverein, der ebenfalls Urlaubs- und Freizeitmaßnahmen unterstützt, kürzlich einem Bewohner ermöglicht, den Traktorführerschein zu machen. Für ihn ging dann ein Traum in Erfüllung: Er darf heute auf dem Bauernhof arbeiten.

Tatkräftig anpacken können die 100 Mitglieder, die dem Forum Ehrenamt angehören, nicht nur bei Urlaubs- und Freizeitmaßnahmen. Ein Teil von ihnen ist auch am Kirmesfreitag im Einsatz, um die Bewohner von ViaNobis zum Festzelt zu bringen.

Begeistert von dem Engagement zeigt sich auch Gangelts Ortsvorsteher Gerd Schütz: „„Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg“, zitiert er passenderweise den amerikanischen Manager Henry Ford. Und Hoff betont: „Hier in Gangelt sitzen wir alle in einem Boot.“ Das soll am Freitag vor Pfingsten ganz deutlich werden, wenn es heißt: „Come together“.

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