Tel Aviv/Geilenkirchen: Schüleraustausch: In der Wüste auf Kamelen reiten

Tel Aviv/Geilenkirchen: Schüleraustausch: In der Wüste auf Kamelen reiten

Vor wenigen Tagen ist die Israel-Projektgruppe der Geilenkirchener Anita-Lichtenstein-Gesamtschule mit vielen neuen Eindrücken vom Austausch mit der Yohanna-Jabotinsky-School in Be’er Ya’kov, nahe Tel Aviv, zurückgekehrt.

Die 17-köpfige Gruppe mit Schülern der achten und neunten Klassen, ihren Lehrerinnen Gabriele Czech und Vicky Meeus sowie dem ehemaligen Lehrer Walter Scheufen erwiderte damit den Besuch der Israelis vom vergangenen Herbst.

Exkursion in den Norden Israels

Am Flughafen Ben Gurion war die Geilenkirchener Reisegruppe mit Plakaten, Blumen und Luftballons lautstark empfangen worden — und das mitten in der Nacht. Nach einer Panoramafahrt mit Sonnenaufgang am Mittelmeer entlang empfing der Schulleiter die Gäste in Be’er Ya’kov.

Das eigentliche Austauschprogramm begann mit einer Exkursion in den Norden Israels, mit Zwischenübernachtung in der Kreuzritterstadt Akko. Dort kamen die Schüler in unmittelbarer Nähe der muslimischen Altstadt unter.

In Nazareth, einer heute arabischen Stadt, besuchte die Gruppe die Verkündigungskirche. Am See Genezareth gelangten die Besucher zunächst zur Taufstelle am Jordan. Einige Schüler nutzten die Gelegenheit, sich mit Jordanwasser taufen zu lassen, andere füllten das Wasser für die nächste Taufe im Familienkreis ab.

Eindrücke werden festgehalten

Da das Thema Kibbutz ein Projekt der Schüler war, besuchten sie einen Kibbutz in der Nähe der Taufstelle, der sich der Milchproduktion verschrieben hat. Hier wurden die Erklärungen zur Nacharbeitung tontechnisch aufgezeichnet und die Eindrücke fotografisch festgehalten. Kibbutzim wurden Ende des 19. Jahrhunderts meist von russischen Siedlern gegründet, um als sozialistische Kommune den Lebensunterhalt und die Sicherheit in einer feindlich gesonnen Umgebung zu gewährleisten — lange vor der Gründung des Staates Israel.

Die nächste, zweitägige Tour mit Zwischenübernachtung führte nach Jerusalem und in die Wüste. Nach einer Führung im Holocaust-Museum ging es durch alte Gassen zur Kreuzigungs- und Grabeskirche, dem höchsten Heiligtum der Christenheit. Weiter führte der Weg zur Klagemauer ins jüdische Viertel. Zettel mit Wünschen und Gebeten wurden ausgefüllt, gefaltet und in die Fugen gesteckt. Von Jerusalem fuhr die Gruppe in der Abenddämmerung zum Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde.

Um den Sonnenaufgang zu fotografieren, standen einige schon um 6.30 Uhr auf. Über den Bergen Jordaniens zeigte die Sonne sich pünktlich über dem Ostufer des Toten Meeres in voller Pracht. Vom Hostel „En Gedi“ startete die Gruppe eine landschaftlich berauschende Wanderung zum David’s Stream. In diesem Tal soll sich David in einer Höhle vor König Saul versteckt haben.

Baden im Toten Meer

Endlich war jetzt Baden im extrem salzhaltigen Toten Meer angesagt. Bei dem hohen Salzgehalt ist kein Leben möglich.

Ein Ritt auf einem echten Kamel durch die Wüste war ein weiterer Höhepunkt. Ein echter Beduine erzählte den Schülern vom Leben der muslimischen Nomaden, ihren Sitten und Gebräuchen. Er ist 70 Jahre alt, hat drei Ehefrauen und 23 Kinder. Durch die abendliche Wüste ging die Fahrt zurück zum Schulort. Bis spät in den Abend wurden die Erlebnisse noch lang diskutiert.

Am Freitagmorgen wurde in einem Englischprojekt das Erlernte der vergangenen Tage in Form eines Quiz auf spannende Weise mit modernster Technik gesichert. Es war wieder Shabatt-Shalom-Wochenende. In der Nacht zum Sonntag musste die Gruppe den Heimflug antreten. Am Nachmittag konnten die Eltern ihre Kinder wieder wohlbehalten in Geilenkirchen in die Arme nehmen.

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