Schloss Zweibrüggen: Für das Mekka der Kunst reicht es nicht ganz

Ausstellung des Künstler-Forums : Für das „Mekka der Kunst“ reicht es auf Zweibrüggen nicht

Es ist ein hehres Ziel, das Künstler-Forum Schloss Zweibrüggen von einem Künstlerverein zu einem „Mekka der Kunst“ umzugestalten. Professor Dieter Crumbiegel, Vorsitzender des Künstler-Forums, bemüht sich darum. Ob ihm seine Vereinsmitglieder weiterhin auf diesem steinigen Weg folgen werden, wird sich im Dezember bei den Neuwahlen zeigen.

Die Jahresausstellung des Künstler-Forums wurde nun eröffnet. Sie ist das Aushängeschild des Vereins. Sie soll das Schloss Zweibrüggen als Veranstaltungsort viel beachteter Kunstausstellungen über die Region hinaus bekannt und zu eben diesem „Mekka der Kunst“ machen.

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, sei mitgeteilt, das nach subjektiver Betrachtung die Jahresausstellung 2018 keineswegs Kunst zeigt, die man so noch nicht in Region gesehen hat. Der Anspruch, „Mekka der Kunst“, sein zu wollen, wird mit dieser Ausstellung sicherlich nicht eingelöst. Es ist eine nette und durchaus sehenswerte Ausstellung geworden.

Wer die Reden bei der Vernissage zur Jahresausstellung im Schloss Zweibrüggen nicht wahrnahm, hatte Muße, im Kaminzimmer in Ruhe die Kunst zu betrachten. Foto: Dettmar Fischer

Und wäre da nicht dieser verklärende Anspruch, würde man die Worte des Vorsitzenden, der Laudatorin Helga Scholl, des Bürgermeisters Wolfgang Jungnitsch und die stets inspirierende Musik von Frank Ollertz (Klavier) und Paul Gerhard (Gitarre) sowie das ein oder andere Werk zitieren oder lobend hervorheben.

Etwa die schöne Arbeit von Hermann-Josef Mispelbaum, die ein wenig an einen Beagle mit Schlappohren erinnert, aber auch viele andere Assoziationen zulässt, wäre einen Bericht wert. Mispelbaum geht scheinbar spielerisch ans Werk, gestaltet aus allem, was ihm in die Finger kommt, seine Sicht der Welt. Das macht er so poetisch in die Tiefe gehend, dass er einen der begehrten 52 Ausstellungsplätze der aktuellen Schau verdient hat.

Mispelbaum ist einer von nur fünf Künstlern aus dem Kreis Heinsberg, die Gnade vor den gestrengen Augen der laut Dieter Crumbiegel „hochqualifizierten Juroren“ gefunden haben. Helga Scholl (Raum für Kunst, Aachen), Professor Dr. Fritz Rohde (Kunstforum Herzogenrath) und Horst Kurth (Kurator des Kulturpunktes Friedenskirche Krefeld) hatten sich der sportlichen Aufgabe angenommen, aus den 270 aus dem Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland eingegangenen Bewerbungen, die 52 Teilnehmer der Jahresausstellung auszuwählen. Professor Crumbiegel schreibt in seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog: „Dabei folgte die Jury einem Konzept, dessen Art und Umfang erst die Ausstellung zeigen wird.“

„Erdharmonie“ lautet der Titel einer Arbeit des Übach-Palenberger Künstlers Hermann-Josef Mispelbaum, die als eine der wenigen Kunstwerke regionaler Künstler Eingang in die Jahresausstellung des Künstler-Forums fand. Foto: Dettmar Fischer

Auf dieses Ausstellungskonzept angesprochen, verwies Professor Dr. Fritz Rohde darauf, dass die Jury bei der Auswahl der Werke keinem Konzept gefolgt sei, da es ja auch kein Ausstellungsthema gegeben habe. Auf die Frage, wie denn die Juroren die Aufgabe gemeistert hätten, aus 270 Bewerbungen zu selektieren, meinte Rohde, man habe sich ja schließlich einen ganzen Nachmittag, fünf Stunden, Zeit genommen. Und das geht, ohne dass die Augen überlaufen? Rohde: „Das habe ich schon öfter gemacht.“

Da kann man die Tollkühnheit, mit der die Juroren ihre Werk vollbrachten, nicht hoch genug schätzen: 270 Künstler mit je drei Arbeiten in fünf Stunden zu bewerten, da bleiben für jedes Werk 22 Sekunden, ohne Kaffeetrinken. Dies mag eine durchaus übliche Praxis bei Kunstauswahlverfahren sein, doch mehrt sie den Unmut derer, die zum „Mekka der Kunst“ nicht zugelassen wurden.

Auch Dieter Crumbiegel räumte ein, dass das Auswahlverfahren für manchen aus den eigenen Reihen oder der Gruppe derer, die 2017 noch ausgewählt worden waren, sicherlich schmerzhaft gewesen sei. Lag im vergangenen Jahr der Fokus der Jahresausstellung noch auf dem Werk regionaler Künstler, setzt das Künstler-Forum nun auf die Schaffenskraft überregional tätiger Kunstproduzenten.

„Tischlein deck dich“ hat Celia Mehnert aus Berlin ihre Zeichnung betitelt, die sie auf ein Trennblatt ohne Ösen skizzierte. Foto: Dettmar Fischer

So erhält der Besucher beim Rundgang den erhellenden Eindruck, dass auch überregional nur mit Wasser gekocht und die Künstler der Regionalligen der übrigen Republik auch nicht Bundesliga spielen. Denn die „großen“ Künstler gehen nach wie vor dahin, wo das „große“ Geld verdient wird. Sie wandten sich früher an die Fürstenhöfe, heute an die global agierenden Galerien und internationalen Kunstmessen. Dort investieren die Nachfolger der Fürsten und Könige ihr Geld – nicht im Schloss Zweibrüggen, obwohl das schön ins Bild der Fürstenhöfe passen würde. Dass sich beispielsweise ein weltligaspielender Künstler wie Günther Uecker, den der Kunstverein Region Heinsberg einmal zu einer Ausstellung in Unterbruch bewegen konnte, der Jury der Jahresausstellung des Künstler-Forums Zweibrüggen stellen würde, dürfte wohl niemand glauben.

Bei aller Kritik sollte man nicht verkennen, dass die Jahresausstellung durchaus sehenswert ist, auch wenn das „Mekka der Kunst“ nicht im Schatten der Übacher Halde liegt. Neben Hermann-Josef Mispelbaum (Übach-Palenberg, Skulptur) sind im Schloss Zweibrüggen mit einer Arbeit vertreten: Professor Dieter Crumbiegel (Heinsberg, Malerei), Erika Giegla (Geilenkirchen, Malerei), Christa Walters (Heinsberg, Malerei) und Gertrud Schaefer (Heinsberg, Keramik). Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit bei freiem Zugang sonntags von 11 bis 18 und montags von 16 bis 19.30 Uhr geöffnet.