Geilenkirchen-Breill: Schloss Breill: Kraft und Energie für den Neuanfang

Geilenkirchen-Breill: Schloss Breill: Kraft und Energie für den Neuanfang

Mit einem solchen Andrang hatte sicherlich auch der Hausherr Michael Graf von Hoensbroech nicht gerechnet. Es waren über eintausend Menschen aus Nah und Fern, die die Gelegenheit zur Besichtigung von Schloss Breill wahrnahmen. Bekanntlich wird aus Anlass des 250. Todestages von Johann Joseph Couven über mehrere Wochen dem Aachener Architekten gedacht.

Der Couven-Teil des an der alten Bundesstraße 221 zwischen Geilenkirchen und Übach-Palenberg gelegenen Schlosses Breill - auch Gut Breill genannt - ist das einzige Bauwerk des Aachener Architekten im Kreis Heinsberg. Der zweigeschossige barocke Couvenflügel mit dem markanten Mansarddach wurde nach seiner Zerstörung im Jahre 1947 wieder aufgebaut. Die ursprünglich von der Familie Breiloo erbaute Schlossanlage wechselte aufgrund Erbschaft und Heirat im Laufe der Jahrhunderte mehrmals ihren Besitzer.

1517 fiel sie dem Grafen Reinhard von Goltstein zu, bevor es schließlich in den Besitz der Familie von Hoensbroech überging. Michael Graf von Hoensbroech öffnete am Sonntag die Schlossanlage für Besucher und führte einige Gruppen höchstpersönlich über Haus und Hof. Dabei erfuhren die Menschen auch einiges über die 1994 in Betrieb genommene biologische Schilfkläranlage (Wurzelraumkläranlage), die sämtliche häuslichen Abwässer von Gut Breill reinigt.

Früher habe ein doppelter Wassergraben die Schlossanlage umgeben, bis dieser 1750 vom Stadtarchitekten trockengelegt worden sei. Heute sind nur noch einige Teiche übrig geblieben. „Breill ist durch Umbauten über die Jahrhunderte immer wieder stark verändert worden“, ließ der Graf die Zuhörer wissen.

Viele Generationen hätten an diesem besonderen Ort die Kraft und Energie gehabt, auf alten Gemäuern neu anzufangen, neu zu bauen oder diese zu renovieren. Einer dieser Baumeister sei Johann Joseph Couven gewesen, ein Freund von Johann Ludwig Franz Graf von Goltstein. Von Hoensbroech bezeichnete Couven als ein großes Genie seiner Zeit. „Seine heitere, menschenfreundliche, aber doch geordnete und strukturierte Architektur überträgt sich bis zum heutigen Tage auf ihre Nutzer und Betrachter“, so der Schlossherr weiter.

Menschen, die dem Gelsenkirchener Barock etwas abgewinnen könnten fühlten sich von Couvens Architektursprache angesprochen. „Diese Architektursprache hatte einen Bestand und eine Wirkung über die Landesgrenzen im Dreiländereck hinweg und dies trifft auch heute, nach 250 Jahren, noch zu.“

Bei den bei Bedarf auch mehrsprachigen Führungen durch den Michael Graf von Heonsbroech, seine Tochter Chiara, seinen Sohn Titus, Mariette von Brauchitsch und Michael Jansen von der Stadt Geilenkirchen blieben die Innenräume des Schlosses tabu. Diese wären nach der Zerstörung im Krieg ohnehin nicht nach historischen Vorgaben, sondern modern eingerichtet.

Voll des Lobes

Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler war ebenfalls voll des Lobes über die Architektur von Johann Joseph Couven und dankte der Familie von Hoensbroech für die Öffnung der Schlossanlage. Der Familientag hatte Volksfestcharakter und wartete mit viel Entertainment auf.

Das Schützenkorps Waurichen und die Original Rodebachtaler Musikanten sorgten bei dem von der Stadt Geilenkirchen in Zusammenarbeit mit der Familie von Heonsbroech und den Schützen aus Waurichen organisierten Fest für die Musik. Essen und Getränke sorgten für einen gefüllten Magen und Kinderanimation für die Unterhaltung der jüngsten Besucher. Eine Ausstellung mit historischen Bildern rundete den Besuch auf Schloss Breill ab.

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