Geilenkirchen: Schätze im Archiv: 125 Jahre Geilenkirchener Wehr

Geilenkirchen: Schätze im Archiv: 125 Jahre Geilenkirchener Wehr

Natürlich wird viel erzählt werden, wenn die Freiwillige Feuerwehr kommende Woche ihr Jubiläum feiert, darauf darf man sich verlassen. Viele Kameraden rund um Brandoberinspektor Volker Reichardt haben, werden sich noch gut an an die Einweihung des neuen Feuerwehrgebäudes am Theodor-Heuss-Ring 1985 erinnern, als man die Drehleiter ausfuhr, um eine Panoramaaufnahme zu schießen.

Oder aber an den Absturz des US-Tankflugzeugs 1999, der wohl schlimmsten Katastrophe im Geilenkirchener Land der vergangenen Jahrzehnte.

Wichtiger sind aber sicherlich die vielen kleinen Anekdoten, die nicht an die Öffentlichkeit dringen, die aber Freundschaft und Kameradschaft ausmachen und so den Kitt bilden, der eine Institution wie die Freiwillige Feuerwehr erst möglich macht.

Wir sprechen hier von 125 Jahren, einer stolzen Zahl also, die ein Menschenleben weit übersteigt. Niemand, der die Gründung und die Jahre danach mitgemacht hat, ist mehr auf dieser Welt. Dass die Geschehnisse dennoch überliefert sind, ist einem üppigen und — wichtiger noch — gut gepflegten und sortierten Archiv zu verdanken, um das Herbert Laumen und Matthias Heiligers sich kümmern.

Wenn die beiden ordnerweise Fotos, Zeitungsberichte und Sitzungsunterlagen über die Tische ausbreiten, schwingen sie lokale Geschichte und Geschichten auf wie einen Fächer. Lediglich von 1896 bis 1926 sowie von 1933 bis 1945 klaffen große Lücken im Archiv. Diese wurden allerdings bereits vor Jahrzehnten gestopft, und zwar durch die Erinnerungen des Ehrenhauptbrandmeisters Leo Schmidt und des Ehrenoberbrandmeisters Wilhelm Deckers.

Die Gründung der Feuerwehr datiert auf das Jahr 1890, damals hatte das Ursulinenkloster gebrannt, wo Landrat, Gericht und Kreisverwaltung ihren Sitz hatten. Für die Löscharbeiten am Morgen des 11. Juni war die sogenannte Amtswehr zuständig. Die Feuerordnung im Regierungsbezirk Aachen sah vor, dass alle arbeitsfähigen Einwohner anpacken mussten. Tatkräftig mitgeholfen haben soll ein gewisser Heinrich Walther Blancke, ein Offizier außer Dienst aus dem Dürener Raum, der zu jener Zeit im Hause seiner Tochter in Hünshoven lebte. „Kurz entschlossen ließ er die tadellose, bisher nur zur Gartensprengung benutzte Haus-Brandspritze auf einen Schubkarren stellen und eilte mit seinem bewährten Helfer bei Haus- und Gartenarbeiten, Josef Mehlkopf, zur Brandstätte“, heißt es in der Chronik der Feuerwehr.

Zwar gelang es, den Schaden in Grenzen zu halten, aber doch soll Blancke erschüttert gewesen sein ob der Machtlosigkeit der Bevölkerung. Nur einen guten Monat später, am 16. Juli 1890, kam es in der Gaststätte Tetz zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr für Geilenkirchen und Hünshoven, ein Akt, gegen den der amtierende Bürgermeister Wirth sich der Überlieferung nach sehr gewehrt haben soll. Der erste Vorsitzende hieß Heinrich-Walther Blancke, die Feierlichkeiten der kommenden Woche sind also eine späte, aber doch direkte Konsequenz seines Engegaments und des Brandes im Ursulinenkloster.

Dass es nun eine Feuerwehr gab, war keine Selbstverständlichkeit. „Die wurden damals eigentlich immer dann gegründet, wenn etwas Größeres passiert war“, sagt Matthias Heiligers.

Die erste Bewährungsprobe für die noch junge Wehr folgte 1891, als die Wurm über die Ufer trat, im Jahr 1893 dann mussten gleich fünf Brände gelöscht werden. Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs ist überliefert, dass die jungen Feuerwehrleute an die Front mussten und die älteren den Feuerschutz aufrecht erhielten. Im Jahre 1926 hielt echte Technik Einzug: Der Kreis Geilenkirchen übergab eine motorgetriebene Spritze, ein wahres Wunderwerk auf Vollgummirädern, zu bewegen natürlich weiterhin mit Muskelkraft, sei es die von Pferden oder die von Menschen. Das erste „echte“ Feuerwehrauto folgte 1934, Marke Adler.

Im Zweiten Weltkrieg dann waren es auch Frauen, die einsprangen, als ihre Männer und Söhne in den Krieg zogen. Die Herausforderung war dieses Mal ungleich größer, denn anders als im großen Krieg von 1914 bis 1918 war Geilenkirchen ab 1940 Luftangriffen ausgesetzt. Bei Kriegsende lag Geilenkirchen in Schutt und Asche. Obwohl der Wiederaufbau längst nicht abgeschlossen war, rückte die Wehr schon 1946 wieder zu Einsätzen aus, etwa in die Teverener Heide.

Erst die folgenden Jahrzehnte des Friedens brachten die Technik und die Kontinuität, die die heutigen Feuerwehrleute, aller Widernisse des Alltags zum Trotz, gar nicht anders kennen. Sicherlich wird bei den Feierlichkeiten auch daran gedacht, wie sehr die Gründungsväter dies zu schätzen gewusst hätten. Und dass doch nichts davon ohne ihre Tatkraft möglich geworden wäre.

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