Geilenkirchen-Tripsrath: Sankt Martin fährt mit der Kutsche ans Feuer

Geilenkirchen-Tripsrath: Sankt Martin fährt mit der Kutsche ans Feuer

Seit Tagen reitet „Sankt Martin” hoch zu Ross durch die Lande, in der Region wird der Brauch hoch gehalten. Zum 50. Mal wird Alfred Jung am Samstag im Martinsornat in Tripsrath die uralte Geschichte aufleben lassen.

Die vom Soldaten, der im Winter einem Bettler begegnet, seinen warmen Mantel mit einem Schwert teilt und mit dem Tuch den armen Mann vor frostigen Temperaturen bewahrt.

Theresa und Alfred Jung feierten in diesem Jahr auch ihre Goldhochzeit. Das rundet ein bislang ereignisreiches 2009 für das Ehepaar ab. Der 74-Jährige weiß noch, wie alles begann. Die Feuerwehr in Tripsrath hatte seit vielen Jahren die Organisation des Martinszuges in der Pfarre St. Anna, und schon früher habe ein Kamerad das Gewand des St. Martin getragen.

„Vor 50 Jahren war aber keiner bereit, auf das Pferd zu steigen. Die hatten alle Angst”, erinnert sich Alfred Jung. Weil er auf seinem landwirtschaftlichen Anwesen in Hochheid seit jeher mit Pferden zu tun hatte, konnte er mit den Tieren problemlos umgehen. So kam es, dass ihm das Spiel des St. Martin angetragen wurde.

Mit einen von der Stadt geliehenen Umhang. Später fertigte Näherin Johanna Hutmacher aus Tripsrath ein wunderschönes Gewand für Alfred Jung. Oberteil und weiter Mantel aus rotem Samt mit Goldstickereien und goldenen Knöpfen. Natürlich trägt St. Martin einen Bart und auch einen Helm. Schwert und Gürtel gehören weiterhin zur Ausstattung.

Es wurde als selbstverständlich angesehen, dass Alfred Jung nach seinem ersten Ritt weiterhin den „Heiligen Mann” in Tripsrath darstellen wird. Es kam so. In seiner Zeit in dieser Rolle ritt der über 40 Jahre lang im aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr tätige Alfred Jung insgesamt zehn verschiedene Pferde.

Eines davon allerdings nur ein einziges Mal, denn: Das Pferd mit Namen „Blitz” ging während eines Martinszugs Ende der 70er Jahre auch ab wie ein solcher. Zum ersten Mal wurde „Blitz” bei einem Martinszug eingesetzt, und Alfred Jung saß im Umhang oben im Sattel. „Als dann hinter mir plötzlich die Musikkapelle anfing zu spielen, bäumte sich der Wallach auf und warf mich ab”, fühlt der 74-Jährige diesen Vorfall noch nach. Das Martins-Double landete unversehrt in einer Wiese. Nachdem man „Blitz” beruhigt hatte, stieg Alfred Jung wieder auf und setzte den Weg zu Ross fort.

Im vergangenen Jahr ließ Stute „Doreen” den Heiligen Mann unbehelligt auf ihrem Rücken sitzen.

Am Samstag gegen 18 Uhr wird St. Martin erstmals in einer Kutsche durch Tripsrath bis zum Martinsfeuer auf dem Sportplatz fahren. Das hat seinen Grund in einem Schlaganfall, den Alfred Jung vorigen Winter erlitten hat. Inzwischen aber hat sich der Senior erholt und steht wieder als St. Martin zur Verfügung - aber nicht mehr auf dem Pferderücken.

Auf dem Sportplatz angekommen, wird St. Martin die Tüten mit Weckmann, Süßigkeiten und Obst verteilen. „Es macht mir Spaß, den Kindern eine Freude zu bereiten”, sagt Alfred Jung. Ein „Martin”, der selbst vier Kinder und acht Enkel als Behüter traditionellen Brauchtums in der Familie hat.