Schild weist nur auf die Holzfällung hin: Rußrindenkrankheit verunsichert Bewohner

Schild weist nur auf die Holzfällung hin : Rußrindenkrankheit verunsichert Bewohner

Christina Tenner lebt in Kogenbroich gleich an der Landstraße 42, dort wo sich, wie berichtet, die Rußrindenkrankheit an Bergahornen ausgebreitet hat.

Die Bergahorne standen gleich gegenüber dem Wohnhaus von Christina Tenner auf der anderen Seite der L 42. Das kleine Waldstück sieht inzwischen ziemlich gerupft aus. Die Bäume sind in der letzten Woche gefällt worden.

Nun ist der Rückezug des beauftragten Forstbetriebs damit beschäftigt, die gefällten Bäume aus dem Waldstück abzutransportieren und einen kleinen Hügel hinauf zu fahren. Dort werden die Bäume in einer kleinen Gracht gelagert.Der Nachbar von Christina Tenner heißt Josef Helf. Er hatte die Initiative ergriffen, als er den Eindruck gewonnen hatte, dass der Gefahr durch die Rußrindenkrankheit in Bezug auf die Gesundheit der Anwohner nicht genügend Rechnung getragen würde.

Helf hatte das Ordnungsamt der Stadt Geilenkirchen und diese Zeitung angesprochen. Das Ordnungsamt  hatte Revierförster Wolfgang von der Heiden gebeten, sich mit Josef Helf in Verbindung zu setzen. Der Revierförster hatte Helf aufgesucht und die Sache besprochen.

Anwohner: keine Absperrung

Ein Schild weist zwar auf die Holzfällung bei Kogenbroich hin. Anwohner vermissen aber den Hinweis auf mögliche gesundheitliche Gefahren. Foto: defi

Irritiert waren Josef Helf und seine Nachbarin Christina Tenner darüber, dass sie nicht frühzeitig als direkte Anwohner über eine mögliche gesundheitliche Gefährdung informiert worden waren und ebenso darüber, dass keine Absperrung des Geländes stattgefunden hatte.

Christina Tenner verweist auf einen gleichgelagerten Fall in der Ortschaft Beeck, wo Schilder mit der Aufschrift „Lebensgefahr“ vor der Rußrindenkrankheit gewarnt hätten. „Lebensgefahr“ ist sicherlich eine weitaus deutlichere Warnung vor der Rußrindenkrankheit, als das vor dem kleinen Waldstück in Kogenbroich inzwischen platzierte Hinweisschild mit der Aufschrift „Holzfällung – Durchgang verboten“. Das Schild stehe nur dann am Zugang zum Wirtschaftsweg, wenn die Arbeiter vor Ort seien, hat Christina Tenner beobachtet. Auch am Wochenende sei das Gelände mit den gefällten und von dem Pilz befallenen Bäumen frei zugänglich gewesen, hatte Tenner festgestellt. Christina Tenner möchte klarstellen, dass nicht nur Josef Helf sich beschwere, sondern dass auch sie und andere Nachbarn sich nicht ausreichend geschützt sehen.

Es sei erzählt worden, so Josef Helf, die Bäume würden am Lagerplatz geschreddert. Dieses Schreddern wird tatsächlich am kommenden Montag vor Ort geschehen. Doch Revierförster Wolfgang von der Heiden stellt klar, dass die gehäckselten Bäumbestandteile sofort in geschlossene Container gelangen würden. Dann werde der Abtransport zur Verbrennungsanlage Weisweiler erfolgen.

Eine Gefahr, so von der Heiden, sei vor allem für die Arbeiter vor Ort gegeben, die beim Fällen der Bäume, Pilzsporen einatmen könnten. Doch verfüge die beauftragte Firma bereits über Erfahrungen im Umgang mit der Rußrindenkrankheit. Ein Passieren des Wirtschaftsweges entlang des Waldstückes hält von der Heiden hingegen für unbedenklich. Auch eine Gesundheitsgefahr für die Anwohner könne nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen werden. Dies habe er auch Josef Helf in einem ausführlichen Gespräch dargelegt.

Die Verbreitung der 2005 eingeschleppten Rußrindenkrankheit werde vor allem durch Trockenheit begünstigt. Die Bergahorne bei Kogenbroich stünden auf einer ehemaligen Kiesgrube deren Löslehm inzwischen ins Wurmtal abgespült sei, was die Trockenheit des Bodens begünstige.

Zu gesundheitlichen Gefahren für den Menschen gibt der stellvertretende Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Ralf Ortmanns, die Auskunft, dass bislang in Deutschland keine einzige humane Erkrankung  aufgrund der Rußrindenkrankheit bekannt geworden sei. Allerdings sei das Allergiepotential des Pilzes hoch. Schwere Lungenerkrankungen seien in den USA bei Arbeitern in Papierfabriken und Sägewerken bekannt geworden. Man sollte sich sicherlich nicht direkt in die Staubwolke begeben, wenn befallene Bäume gefällt würden, erklärt Ortmanns. Doch sei aufgrund der Sporenverwirbelung mit zunehmender Entfernung vom Baum auch eine Verdünnung der Konzentration der Sporen zu erwarten.

Fenster geschlossen halten

Um eine Ablagerung der Sporen im Haus zu vermeiden, sei zu empfehlen, in der Umgebung Türen und Fenster während der Fällarbeiten geschlossen zu halten. Das regnerische Wetter der letzten Tage habe aber sicherlich dazu beigetragen, dass sich eine Verbreitung der Sporen in Grenzen gehalten habe.