Geilenkirchen: Räuber wird verurteilt, muss aber nicht ins Gefängnis

Geilenkirchen : Räuber wird verurteilt, muss aber nicht ins Gefängnis

Das Geilenkirchener Schöffengericht hat einen 38-Jährigen wegen Raubs zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Wie knapp Alexander A. daran vorbeischrammte, die Strafe anzutreten, machte Richterin Corinna Waßmuth nach Verkündung des Urteils deutlich, auf das sie sich mit ihren Schöffen geeinigt hatte.

„Ich habe extrem große Bauchschmerzen, verdient haben Sie es eigentlich nicht“ sagte die Richterin.

A. musste sich für eine Tat verantworten, die er, wie er gestand, am Abend des 15. September 2017 begangen hat. Seine Lebensgefährtin war damals hochschwanger und stand kurz vor der Entbindung, das Paar hatte sich an jenem Tag wegen eines Rollers, den A. erworben hatte, heftig gestritten.

Auf diesem Roller war A. nun auf der Gangolfusstraße in Heinsberg unterwegs, als er die Eheleute Z. erblickte, die gerade auswärts gegessen hatten. Er machte einen Schwenk, fuhr zurück und entriss Herrn Z., einem betagten und sichtbar gebrechlichen Mann, die Handtasche, die dieser für seine Frau trug. Darin befanden sich 160 Euro. A. raste davon. Was ihn geritten hatte, wurde vor dem Schöffengericht nicht wirklich deutlich. Er saß da wie ein geprügelter Hund.

Als sein großes Glück erwies sich rückblickend jedenfalls, dass sein Opfer nicht stürzte, denn dabei hätte der Senior sich mit einiger Sicherheit zumindest schwere Verletzungen zugezogen. So aber stuften Schöffengericht und Staatsanwaltschaft die Tat einvernehmlich als minderschwer ein.

Eigentlich hätte es so wohl keiner großen Diskussion darum bedurft, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Allerdings war da noch das umfangreiche Vorstrafenregister, das A. sich seit seiner Jugend erarbeitet hat. Von Diebstahl über Fahrerflucht, gefährliche Körperverletzung, Hehlerei, Bedrohung, Betrug bis hin zu schwerer räuberischer Erpressung ist er schon mit so ziemlich allen Delikten in Verbindung gebracht worden, die im Verlauf einer Drogenkarriere, die auch A. hinter sich hat, üblicherweise so anfallen.

Die letzten schwerwiegenden Straftaten wiederum lagen allerdings schon viele Jahre zurück. Dies und die Tatsache, dass A. die Eheleuten Z. mit Tränen in den Augen um Entschuldigung bat, waren letztlich ausschlaggebend dafür, dass er vom Gerichtssaal aus nicht ins Gefängnis musste, sondern den Heimweg antreten durfte. Er beschritt ihn auf dünnem Eis.