Übach-Palenberg: Radikale Pläne und eine Menge Intrigen

Übach-Palenberg: Radikale Pläne und eine Menge Intrigen

„Unser Weg ist Rebellion!” oder „Wir beugen uns nie! Anarchie!” - so schallte es durch das fast voll besetzte Pädagogische Zentrum (PZ). Aber das war nicht etwa der Beginn einer Schülerrevolte, sondern der Auftakt des Theaterstückes „Rebellion - Gewalt ist auch (k)eine Lösung”.

Das Stück wurde vom Literaturkurs des Carolus-Magnus-Gymnasiums unter der Leitung von Friederike Färber-Messerer schwungvoll und gekonnt auf die Bühne gebracht.

Sehr frei nach Schiller

Das Stück, sehr frei nach Schillers „Räubern” interpretiert, sowie einer weiteren Vorlage und vielen eigenen Ideen gestaltet, zeigte einen Ausschnitt aus dem Leben der sehr gegensätzlichen Schwestern Charlotte und Franziska Moor. Vorbilder dieser Figuren sind natürlich Schillers Karl und Franz Moor, aber aus den Räubern von damals sind Rebellinnen von heute geworden. Die Themen Freiheit und Rebellion bleiben allerdings tonangebend.

Charlotte (herausragend gespielt von Paula Fröschen), die Tochter des Schriftstellers Maximilian Moor (Bastian Roesich), hat mit sieben anderen jungen Frauen eine Fabrikhalle besetzt und führt ein antibürgerliches, ausschweifendes Leben. Aber die Position am Rande der Gesellschaft erscheint ihr schließlich doch sinnlos, so dass sie eigentlich nach Hause zurückkehren will.

Bevor sie dies jedoch realisieren kann, erhält sie einen Brief, der besagt, dass sie Zuhause nicht mehr erwünscht sei. Charlotte ahnt nicht, dass das Schreiben von ihrer intriganten Schwester Franziska (überzeugend und wunderbar boshaft von Anja Kroll verkörpert) kommt, die Charlotte nicht nur beim Vater, sondern auch bei deren Ex-Verlobten Volker (Tim Katz) ausbooten möchte.

Franziska schreckt nicht davor zurück die vom Vater angeheuerte Detektivin (Lara Wilke) zu falschen Angaben zu bestechen. Trotzig und am Rande der Verzweiflung stürzt sich Charlotte nun erst recht in radikale Pläne, die die Welt verändern sollen.

Mit ihren sieben WG-Mitbewohnerinnen gründet sie eine gefährliche Bande, deren Feinde die Konsumgesellschaft, kapitalistische Firmen und unfähige Politiker sind.

Mit Hymne gefeiert

Dieser Zusammenschluss wird auf der Bühne ausgelassen mit einer Hymne gefeiert. Doch die Ansichten darüber, wie man vorgehen sollte, gehen bald auseinander. Spiegel (Celine Maass), eine eiskalte Materialistin mit krimineller Ambition, trägt zwar ein „Che-Guevara”-T-Shirt, will aber nur das große Geld machen. Alice (Sina Leitmeier), eine frustrierte Sozialarbeiterin, möchte soziale Projekte unterstützen und einfach nur gut sein. Sam, auf der Straße groß geworden und nun Gelegenheitsdiebin, sucht einen Familienersatz. Schwarz (Carina Howitz) hat als Feministin der männerdominierten Gesellschaft den Kampf angesagt und ist wie die ideologisch fanatische Grimm (Michelle Gabler) bereit, Gewalt anzuwenden. Den Weg in die Illegalität kann sich auch die abgedrehte Computerexpertin E.T. (Pauline Czerkowska) vorstellen.

Wechsel der Schauplätze

Die energiegeladenen, leidenschaftlichen, aber auch witzigen Dialoge werden regelmäßig unterbrochen von Nell (Susanna Backes), einer verkrachten Schauspielerinnen, die die aktuellen Meinungen und Ereignisse stets mit originalen Schiller-Zitaten kommentiert.

Aus diesem Kontrast entstand eine reizvolle Spannung, wozu auch der Wechsel der Schauplätze beitrug. Das zweigeteilte Bühnenbild stellte gekonnt die typische Atmosphäre der (spieß-)bürgerlichen Welt einerseits und der anti-bürgerlichen Out-Law-Szene andererseits dar.

Die Begeisterung des Publikums über dieses energiegeladene, aber auch nachdenkliche Stück war so groß, das noch eine Zugabe gefordert und gegeben wurde - bei einem Theaterstück nicht gerade üblich.

Der Dance-Battle zeigte zudem ein weiteres Mal die hervorragende Kooperation zwischen dem Literaturkurs und der Technik-AG. Die stehenden Ovationen waren der verdiente Lohn für alle Akteure, die einen wundervollen Abend voll geistreicher Unterhaltung geboten hatten.