Prozess um Marienberger "Drogenbunker": Wer wies an, wer führte aus?

„Drogenbunker“-Prozess : Wer hatte in Marienberg das Sagen, wer führte aus?

Immer wieder Querelen, Verzögerungen, Ausreden – offenbar wird das sogar einem der Angeklagten aus dem Darmstädter Drogenprozess zu viel. „Ich sag Ihnen mal was“, richtet sich der junge Niederländer spürbar gereizt an die Kammer. „Jeder, der hier sitzt, hat auch was getan.“

Der 26-Jährige ist einer von noch drei Angeklagten, die sich seit Monaten vor dem Landgericht Darmstadt wegen bandenmäßigen Drogenhandels verantworten müssen. Außer dem Heerlener stehen eine 58 Jahre alte Frau aus Übach-Palenberg sowie ihr 78-jähriger Ex-Partner vor Gericht. Zwei weitere Angeklagte sind bereits verurteilt.

Der Niederländer gilt als einer der Drahtzieher, soll Drogennachschub aus seiner Heimat organisiert haben. Zu Prozessbeginn hatte er eingeräumt, abhängig zu sein und deswegen mit Drogen gehandelt zu haben. Seitdem schwieg der junge Mann, während sich die anderen Angeklagten gegenseitig belasteten und rausredeten. Dass der Niederländer nun das Wort ergriffen hat, könnte daran liegen, dass sich seine Situation nicht gerade verbessert. Aus abgehörten Telefonaten ergibt sich der Eindruck, dass er seine Mitangeklagten anwies und den Handel straff organisierte.

So ist in einem Telefonat zu hören, wie die Übach-Palenbergerin sich bei ihm beschwert, dass ihr Freund nun auch sonntags Kurierfahrten übernehmen solle. Aus dem Hintergrund ist die Stimme des 78-Jährigen zu hören. „Da kommen hier mitten in der Nacht die Leute und morgens soll dann schon alles da sein?“, wirft er  ein. „Denen ist alles egal, die einzige Sorge, die die haben, ist, dass ihnen das Material ausgeht“.

Seine Mitangeklagten hätten auch Geschäfte gemacht, mit denen er nichts zu tun hatte, erklärt der Niederländer, er habe nicht das Sagen gehabt. So habe der 78-Jährige aus Übach-Palenberg nicht nur Drogen für andere Auftraggeber ausgefahren. „Der hat mal in Antwerpen gewohnt und von dort noch eigene Kontakte, er hatte da ja auch ein Café und einen Puff“, sagt der Niederländer. Zu Prozessbeginn hatte es geheißen, dass der Senior Hinterzimmer seines Antwerpener Cafés Prostituierten überlassen habe, deswegen sei gegen ihn ermittelt worden. Dies bestreitet der Senior.

Doch auch, wenn sich herausstellt, dass seine Mitangeklagten mehr wissen als sie eingeräumt haben – dem Niederländer dürfte das kaum nutzen. Denn nachträglich aufgetauchte fünfeinhalb Kilo Heroin, die ihm zugerechnet werden sollen, lassen sich inzwischen nicht mehr wegdiskutieren. Zwar waren die Drogen, wie berichtet, im Marienberger Haus der Mitangeklagten entdeckt worden – mysteriöserweise erst, nachdem die Polizei dort alles durchsucht hatte. An Klebeband, mit dem ein Drogenpäckchen umwickelt war, war DNA des Niederländers gefunden worden. Er habe bei anderer Gelegenheit das Klebeband, nicht aber die Drogen angefasst, hatte er dazu erklärt. Ein Experte für forensische DNA-Analytik hat mittlerweile allerdings untersucht, wo genau am Klebeband die DNA gefunden worden war. Und dort, schlussfolgert er, könne sie unmöglich durch zufälliges Anfassen hingekommen sein.

Mit einem Urteil gegen den Niederländer wird nicht vor Mitte Januar 2019 gerechnet.

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