Gangelt: Programm Vital.NRW: „Wir im Westen laden ein“

Gangelt: Programm Vital.NRW: „Wir im Westen laden ein“

Aller Anfang ist schwer, sagt der Volksmund, und er hat natürlich recht. Beispiel: die dritte Mitgliederversammlung des noch jungen Vereins Westzipfelregion im Rathaus der Gemeinde Gangelt.

Was den Mitgliedern in der zweistündigen Versammlung an bürokratischen Finessen zum Förderprogramm Vital.NRW dargestellt wurde, erfordert bei der Umsetzung schon ganz schön kluge Köpfe. Ein solcher gehört Alexandra Jentgens, der Regionalmanagerin des Vereins.

Jentgens studierte Tourismuswirtschaft, machte ihr Praktikum beim Heinsberger Tourist-Service. Sie moderierte den Abend, der, um die rauchenden Köpfe etwas abzukühlen, von einer Pause mit Erfrischungsgetränken und Schnittchen unterbrochen wurde. „Der gemütliche Teil soll nicht zu kurz kommen. Und jeder, der heute hier war, soll schließlich gerne wiederkommen“, hatte Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen gleich vorweg in seiner Begrüßung betont.

Das „Wiederkommen“ ist ganz wichtig, setzt doch Vital.NRW, das Förderprogramm des Landes, das Projekte des Vereins Westzipfelregion auf den Weg bringen soll, auf Ideen und Tatkraft der Bürgerinnen und Bürger. Das Quartett Heinsberg, Gangelt, Selfkant und Waldfeucht ist als Westzipfelregion eine von zehn Regionen in Nordrhein-Westfalen, die über Vital.NRW flott gemacht werden sollen aufgrund der regionaltypischen Stärken.

Vital.NRW läuft als „Bottom-Up-Prozess“, also von unten nach oben, jeder kann mitmachen, und der Bürger hat eine Mehrheit im Vereinsgefüge gegenüber den Ratsvertretern und vier Bürgermeistern. „Der Vorteil des Landesprogramms Vital.NRW ist, dass die bürgerschaftlichen Prozesse auf einem intensiven Heimatgefühl basieren“, hatte der Initiator des Programms, Ex-Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel gesagt.

Bis zu 1,2 Millionen Euro möglich

Regionalmanagerin Alexandra Jentgens hatte eine umfangreiche Präsentation zu Vital.NRW erarbeitet und dargestellt, welche Pfade zu beschreiten sind, um am Ende an die Wurst zu gelangen. In Aussicht gestellt ist für den Zeitraum 2017 bis 2022 ein Förderbudget von 1,4 bis 1,7 Millionen Euro, davon könnten 960 000 Euro bis 1,2 Millionen Euro in Projekte der Westzipfelregion fließen.

Zwei Vertreter der Bezirksregierung waren bei der Mitgliederversammlung anwesend. Sie werden in Zusammenarbeit mit Alexandra Jentgens die Projekte begleiten, die aus der Region von den Bürgern angestoßen werden. Das Ganze läuft in einem Prozess ab, der genau vorgeschrieben ist. Es gibt Projektskizzen, eine Prüfung der Projektidee, eine Präzisierung der Skizzen, den Projektantrag, die Antragsprüfung, die Bewilligung und neben einigen anderen Hürden zu guter Letzt das Projektende.

Am Projektende ist aber noch nicht Schluss. Das Projekt soll schließlich nachhaltig sein und über den Zeitraum der Förderung hinaus finanziell tragbar bleiben. Ende September sollen die Arbeitsgruppen an den Start gehen. Drei wird es geben: „Der Westen — unsere Zukunft“, „Wir im Westen laden ein“ und „Der Westen verbindet“.

Nach dem Willen der Mitgliederversammlung wird „Der Westen — unsere Zukunft“ mit 44 Prozent des Förderbudgets bedacht. Hier geht es um die regionale Entwicklung und Nahversorgung. Regionale Produkte und die regionale Identität spielen in diesem Themenkomplex eine Rolle.

„Wir im Westen laden ein“ soll 40 Prozent des Budgets erhalten. Tourismus und Naherholung mit den Themen Premiumradweg, Kulturlandschaft erleben und touristische Kommunikation sind hier die Schwerpunkte.

16 Prozent des Förderbudgets sollen in Projekte des Bereiches „Der Westen verbindet“ fließen. Soziales Engagement, Mobilität für alle und Integration stehen hier mit im Mittelpunkt.

Konkrete Projektideen sollen aus den Arbeitsgruppen kommen. In diesen Arbeitsgruppen kann jeder Bürger mitwirken. Eine Mitgliedschaft im Verein „Westzipfelregion“ ist nicht erforderlich. Regionalmanagerin Alexandra Jentgens steht für weitere Informationen gerne bereit unter Telefon 02454/588588 oder per E-Mail an jentgens@westzipfelregion.de.

Recht bald soll auch die derzeit im Aufbau befindliche Homepage des Vereins unter www.westzipfelregion.de Anlaufstelle für interessierte Bürger sein.

„Cittaslow“ wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung ebenfalls kurz vorgestellt. Dieses Projekt der vier Westzipfelkommunen ist eine harmonische Ergänzung zu Vital.NRW. Der Oberbegriff lautet hier Entschleunigung. Die Zertifizierung zur Cittaslow-Region soll im Frühjahr 2018 erfolgen.

Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder: „Da passt unsere E-Mobilitätsinitiative bestens. Wer einmal mit dem E-Mobil unterwegs war und alle 200 Kilometer aufladen musste, der weiß, was Entschleunigung heißt.“ Recht hat er - Humor ist schließlich ein wesentlicher Bestandteil unseres von Ex-Minister Remmel beschworenen „Heimatgefühls“.