Geilenkirchen/Berlin: „Präsidentenmaschine” auf den Schrottplatz?

Geilenkirchen/Berlin: „Präsidentenmaschine” auf den Schrottplatz?

Landet die ehemalige „Air Force One” der Bundesrepublik Deutschland auf dem Schrottplatz? Weil dies offensichtlich die billigste Lösung ist, steht die Zerlegung des Flugzeugs in seine Einzelteile kurz bevor.

Schon Anfang der Woche soll die Boeing 707-307, die heute beim Nato E-3A-Verband in Geilenkirchen als Trainer Cargo Aircraft (TCA) genutzt wird, außer Dienst gestellt werden. Derzeit bemühen sich Flugzeugliebhaber und Bundestagsabgeordnete, die Erinnerungen an die ehemalige Präsidenten- und Kanzlermaschine durch die Unterbringung in einem Museum aufrecht zu erhalten und somit die historische Bedeutung zu dokumentieren.

Besagte Boeing 707-307 wurde im Jahr 1968 unter der Registrierung „10+01” an die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung ausgeliefert und fortan unter dem Namen „Otto Lilienthal” eingesetzt. Wie die Schwestermaschine „10+02”, alias „Hans Grade”, wurde die Otto Lilienthal in ihrer VIP-Ausführung hauptsächlich für den Transport hoher Vertreter der Bundesregierung wie auch des Bundespräsidenten eingesetzt.

Dies dokumentiert die besondere Rolle des Flugzeugs, die man mit der der „Air Force One” des US-amerikanischen Präsidenten vergleichen könnte.

Beim Awacs-Verband in Geilenkirchen fliegt die „10+01” im äußeren Bild unverändert, sieht man von der Lackierung unter der Nato-Registrierung „LX-N 19997” ab.

In den Vereinigten Staaten von Amerika werden ehemalige Präsidentenmaschinen nach ihrer Außerdienststellung in einem makellosen Zustand museal für die Nachwelt erhalten. Angesichts der historischen Bedeutung der ehemaligen deutschen Präsidentenmaschine setzen sich einige bundesdeutschen Politiker dafür ein, die frühere „Otto Lilienthal”, eventuell in der Hauptstadt Berlin auszustellen und so für die deutsche Öffentlichkeit zu erhalten.

Die Befürworter einer musealer Verwendung hoffen, dass die Awacs-TCA nicht aus Unkenntnis ihrer historischen Bedeutung zur Ersatzteilgewinnung auf dem Schrottplatz landet. Der Bundestagsabgeordnete für den Kreis Heinsberg, Leo Dautzenberg, setzt sich ebenfalls für den Erhalt des Flugzeuges ein.

Auch Bundesverteidigungsminister Theodor zu Guttenberg hat Kenntnis von dem Sachverhalt. Unter der Prämisse, dass durch eine museale Verwendung keinerlei Kosten für die Bundesrepublik entstünden, würde das Ministerium den Schritt befürworten. Doch eben diese Kosten sind es, dass alle Bemühungen, die „Otto Lilienthal” der Nachwelt zu erhalten, zu scheitern drohen.

Schon in der kommenden Woche soll die „LX-N19997” zum Verschrotten in die USA geflogen werden. Ein weiteres Problem ist die Zeit, die den Befürwortern der musealen Verwendung davonläuft, denn Mitte August endet die Flugzulassung für die Transportmaschine. Ist diese Erlaubnis erst einmal erloschen, darf die Maschine nicht mehr abheben. Demnach müsste das Flugzeug zerlegt und über den Land- oder Wasserweg an seinen neuen Bestimmungsort verbracht werden, was hohe Kosten verursacht.

Das ist der Punkt. Auf Anfrage beim Bundesministerium für Verteidigung erklärte ein Sprecher am Wochenende: „Die ausgemusterte Boeing 707 der Flugbereitschaft einem Museum zukommen zu lassen, ist grundsätzlich möglich. Allerdings dürfen hier keine Kosten für den Bund entstehen.”

„Eine genaue Kostenschätzung gibt es nicht, aber die Transportausgaben könnten schnell im sechsstelligen Bereich liegen”, glaubt Abgeordneter Leo Dautzenberg (CDU) aus Heinsberg. „Das Bundesministerium der Verteidigung muss überall kürzen, aber für so was steht Geld zur Verfügung”, könnte dann Volkes Meinung sein.

„Wie soll ich das dem Bürger vermitteln?", fragt Leo Dautzenberg. Außerdem könnte schon ein Großteil der Original-Einrichtung der „Otto Lilienthal” in verschiedenen Museen zu betrachten sein. Die Teile gelte es dann wieder mit der ehemaligen Präsidentenmaschine zusammenzufügen.

Es mag aber noch einen kleinen Hoffnungsschimmer geben. Während das Deutsche Museum in Berlin den historischen Wert des Flugzeugs aufgrund der Umlackierung für die Nato in Frage stelle, ist das Technik-Museum in Speyer an der Boeing 707 interessiert und würde sie sogar äußerlich wieder in den „Otto Lilienthal”-Zustand herstellen. Dafür muss bis Mitte August die Zusage vorliegen, sonst darf die legendäre „10+01” nicht mehr fliegen.

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