Geilenkirchen: „Politischer Wechsel muss kommen“: Vortrag über China

Geilenkirchen: „Politischer Wechsel muss kommen“: Vortrag über China

Dauergästen der hochkarätigen Vorträge bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/Heinsberg, dürfte der Referent bekannt vorgekommen sein: Professor Sven Bernhard Gareis war schon vor gut fünf Jahren bei einer GSP-Veranstaltung zu Gast. Nun widmete sich der stellvertretende Dekan des Europäischen Zentrums für Sicherheitsstudien in Garmisch-Partenkirchen der „fragilen Supermacht China“.

Und das Fazit des Abends im gut gefüllten Bürgersaal von Haus Basten darf durchaus vorweggenommen werden: „China ist ein schwieriger Partner, aber einigermaßen berechenbar, weil auf Kooperation angewiesen“, schloss Prof. Gareis. Dieser für manchen Gast sicherlich überraschende Schluss fußt auf der Wirtschaftskraft des Riesenreiches, das sich seit Beginn der 1980er-Jahre aufgemacht hat, sein System umzukrempeln und zu so etwas wie die „Werkbank der Welt“ zu werden.

Wirtschaftlicher Boom und gleichzeitig demografische Sorgen: Über die Lage Chinas hat Professor Sven Gareis im Haus Basten referiert. Der Vortrag war Teil der Reihe, die die GSP, Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/Heinsberg, anbietet. Foto: Markus Bienwald/dpa

Dass die Strukturen in China so anders sind, dass sie mit europäischen Maßstäben überhaupt nicht gemessen werden können, führte der Referent unter anderem auf die gewachsene Zivilisationskultur und die Stabilität des staatlichen Gebildes zurück. „Dort gibt es seit fast 2000 Jahren eine relativ kontinuierliche Staatlichkeit“, gab Gareis zu bedenken. Das bildete auch die Grundlage für die von Staatschef Deng Xiaoping schon 1979 ausgegebene Devise, sich fit für das 21. Jahrhundert zu machen.

In Asien und weltweit

In den Grenzen des Territoriums, das gut 27 Mal größer ist als Deutschland, gebe es nicht nur die weltweit größten Devisenreserven. Auch die Nachfrage nach Ressourcen sei gigantisch, und das nicht nur im lokalen asiatischen Raum, sondern auch weltweit.

So habe sich China mit einem steil auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsprinzip zum zweiten großen „Global Player“ neben den USA entwickelt. Vor allem im Hinblick auf die Handelsbeziehungen wolle China auf friedlichen Weg agieren. Gleichzeitig werten die USA den Aufstieg der Chinesen aber als Herausforderung, der an ihrem Selbstverständnis von der Weltmacht Nummer eins rütteln könnte, verdeutlichte Gareis.

Auch der mit der Wirtschaftskraft wachsende politische Einfluss der Chinesen in der Welt war für ihn ein Fakt. Aber dass China seine Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchsetzen will, war für ihn nicht sichtbar. „Die Interessen werden politisch und wirtschaftlich abgesichert“, betonte Gareis, beispielsweise durch den Kauf des Hafens von Piräus in Griechenland. Dabei wird die uralte Idee der antiken „Seidenstraße“ in moderner, globalisierter Form erneuert. Dies sei auch an chinesischen Investitionen erkennbar, die unter anderem durch die „Asian Infrastructure Investmentbank“ mit inzwischen 57 Mitgliedsstaaten gefördert werden.

So versuche China, seine sehr langen Seewege beispielsweise nach Europa als wichtigem Exportpartner über wirtschaftliche Kontrolle abzusichern. Dennoch sah Gareis auch verletzliche Ebenen, mit denen China nach innen wie außen zu kämpfen habe.

So gebe es teils ungelöste Umweltprobleme, die demografische Entwicklung mache Sorgen, und ob der immer noch herrschenden Korruption auch wirklich Einhalt geboten werden kann, sei auch noch offen. „Wie das alles ohne politische Reformen gehen soll, wird sich zeigen, aber die Erfahrung aus der Geschichte lehrt, dass auch ein politischer Wechsel kommen muss“, so Gareis.

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