Übach-Palenberg: Pläne der Evangelischen Kirchengemeinde sorgen für Unruhe

Übach-Palenberg: Pläne der Evangelischen Kirchengemeinde sorgen für Unruhe

Das Vorhaben der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg wird von Teilen der Marienberger Bevölkerung mit Argwohn betrachtet.

„Uns liegt daran, die Gerüchte zu zerstreuen, die in Unkenntnis der wahren Inhalte und Ziele öffentlich, bis hin in die politischen Kreise hinein, herumgeistern”, geht Pfarrer Thomas Fresia zusammen mit den Kollegen Jens Sannig, zugleich Superintendent der Evangelischen Kirchenkreises Jülich, und Thomas Reppich in die Offensive.

Der Grund: Die Kirchengemeinde möchte, in Kooperation mit der evangelischen Diakoniestiftung Hephata, eine Wohngruppe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche in der Hütte der Begegnung einrichten - ein Projekt, das, ehe es in trockenen Tüchern ist, Irritationen und Ängste hervorruft. Die Sorge macht sich im Ortsteil breit, dass es sich bei der Klientel um Kriminelle handeln könnte, die in der Hütte resozialisiert werden sollen.

Dieter Köllner heißt der Mann, der eine Antwort auf die bohrende Frage haben muss. Er ist Leiter der Hephata-Jugendhilfe und er war am Dienstag, gemeinsam mit Vertretern des Landesjugendamtes und der hiesigen Jugendämter in der Hütte, um die räumlichen und rechtlichen Voraussetzungen abzuklären.

Köllner betont, dass es sich um Zwölf- bis 15-Jährige handele, die in Marienberg ein vorübergehendes Domizil - Verweildauer etwa zwei Jahre - finden würden. „Das sind Kinder und Jugendliche, die als Opfer Erfahrungen mit Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung gemacht haben. Sie sind keine Delinquenten, sie sind seelisch verletzt, behindert.”

Diese Botschaft, schaltet sich Pfarrer Jens Sannig ein, sei wichtig. Wichtig sei es, diesen jungen Menschen am Rande unserer Gesellschaft die Chance zur Integration zu bieten: „Sonst werden sie ihr Leben in irgendwelchen Heimen fristen. Wir dürfen sie nicht einfach wegsperren. Die Jugendlichen müssen Vertrauen zu sich selbst und ihrer Umwelt fassen”, plädiert Pfarrer Sannig für das Hephata-Konzept.

Damit diese Menschen mit schlimmen Grenzerfahrungen Tritt fassen, wird ihnen, auch in der Hütte, eine „superintensive, nämlich eine 1:1-Betreuung” zuteil, konkretisiert Dieter Köllner. Die Sorge der Marienberger Bevölkerung sei unbegründet, sagt er. „Wir haben ähnliche Projekte, auch in Stadtlage, dort hat es bislang keine negativen Vorkommnisse gegeben.”

Die Zeichen für eine Wohngruppe in der Hütte stehen nach den bisherigen Vorgesprächen mit den zuständigen Instanzen nicht schlecht, doch entschieden ist nichts. „Es gibt lediglich einen Tendenzbeschluss des Presbyteriums für das Betreuungskonzept. Ein Beschluss oder gar ein Vertrag zwischen Evangelischer Kirchengemeinde als Vermieter der Räume und Hephata als Mieter und Betreiber des Projektes ist noch gar nicht geschlossen”, erläutert Pfarrer Fresia den Status Quo.

Bei einer Realisierung des Projektes müsste der neuere Teil der Hütte großzügig umgebaut werden, um Wohn- und Lebensraum für die sechs Klienten zu schaffen.

Zur Zeit sondiere man das schwierige Terrain. „Und in dieser frühen Phase wollte die Kirchengemeinde eigentlich nicht mit Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Doch durch Indiskretionen wurden Interna laut, die die Gerüchteküche mächtig brodeln ließen”, bedauert Fresia. Die Bevölkerung werde noch in geeigneter Form über das Thema informiert; wie und wann, darüber müsse letztendlich noch das Presbyterium befinden.

Auch die hier und da rüberschwappende Kritik aus der Kommunalpolitik, die bei der innerkirchlichen Entscheidung außen vor bleibt, bringt die Übach-Palenberger Kirchengemeinde nicht von ihrem Kurs ab, Pfarrer Fresia: „Wir sind als Kirche Gottes Wort gegenüber verpflichtet. Und wir können uns bei Entscheidungen, die für den Menschen gut sind, nicht von politischen Strömungen abhängig machen.”

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