„Pfingstdampf“: Mit jeder Mutter und jeder Schraube per Du

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Lärm und Dreck können gewaltigen Spaß machen – Voraussetzung ist, das eine alte Lokomotive sie verursacht. Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Walter Finger (Mitte) präsentiert zu Pfingsten seit 36 Jahren Dampfmaschinen Marke Eigenbau. Sein Rezept: Können, Leidenschaft – und Geduld.
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Peter Krings aus Schierwaldenrath rollte mit seinen Enkeln auf einem Traktor der Marke Deutz von 1950 an.

Gangelt-Schierwaldenrath. „Man muss Geduld haben“, mahnte Walter Finger immer wieder einige Besucher beim Pfingstdampf der Selfkantbahn. Der 73-jährige ist seit 36 Jahren bei der Pfingstveranstaltung dabei und präsentiert Dampfmaschinen Marke Eigenbau. Und vom Aufbauen bis zum ersten Dampf dauert es nun einmal bekanntlich ein Weilchen.

Die Zeit vergessen hatte wohl auch ein Fahrgast aus Heinsberg. Der zweite Zug des Tages hatte sich gerade mit Lokführer Jan Kommans in Bewegung gesetzt, als er die Fahrkarte schwenkend auf den Bahnsteig rannte. Bei der Selfkantbahn wird so ein kleines Malheur nicht übel genommen. Stoppen, einsteigen, weiterfahren. Da mag der Kaffee in der Tasse von Helmut Kommans, Bahnhofsvorsteher und zusammen mit Günther Steinhauer Urgestein bei der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr, leicht geschwappt haben.

Für Kommans, der ansonsten immer uniformiert im Bahnhofbereich zu finden ist, war es in 40 Jahren Selfkantbahn die erste Frühstücksfahrt, an der er als Gast teilnahm. Anderthalb Stunden war er unterwegs, und als er wieder in Schierwaldenrath ankam, hatte sich die Welt ein kleines bisschen weiter gedreht, aber der Bahnhof stand noch. Inzwischen schnaufte und dampfte es bei den Maschinen von Walter Finger.

Endlich auf die Schiene

Das Ölkännchen immer griffbereit, beantwortete er geduldig die immer gleichen Fragen, wenn es darum geht, wie denn das Karussell oder die Stanze – natürlich alles selbst gebaut – funktionieren. Während Mechanik bei den Dampfmaschinen ebenso wie bei den Loks Haspe und Schwarzach die Hauptrolle spielen, stand die Digitalisierung bei den Modelleisenbahnen in der Museumshalle im Vordergrund.

Draußen war alles wie frisch geölt, drinnen wurde immer wieder der Experte ans Laptop gerufen, weil nicht jeder Zug mit den verworrenen Kombinationen aus Nullen und Einsern klar kam. Aber spätestens als ein Regenschauer am frühen Nachmittag die Gäste, die nicht gerade im Zug saßen, in die Halle trieb, funktionierte alles einwandfrei. Während Helmut Kommans sein Frühstücksei köpfte, freute sich Günther Steinhauer, berichten zu können, dass man „mit Macht“ daran arbeitet, die Lok Nummer 5 endlich auf die Schiene zu bekommen.

„Der Transport ist kein Problem“

Große Hilfe erfahren die Schmalspur-Eisenbahner hier wieder einmal von der Firma Stahlbau Trepels aus Gangelt, wo das Gerüst der Lok im Moment steht. 2018 soll die „5er“ dann in Schierwaldenrath stehen und fahren. In die andere Richtung, weg von Schierwaldenrath, ging es vor Kurzem für die Lok 46 und den Wagen 45. Die Städte Kehl und Straßburg hatten eingeladen, denn sie feierten das große „Tramfest“. Im August wird der Triebwagen 13 an seiner alten Wirkungsstätte bei der Brohltalbahn unterwegs sein. „Der Transport ist kein Problem“, so Steinhauer. Dafür gibt es Tieflader.

Peter Krings aus Schierwaldenrath musste kurz überlegen, als er gefragt wurde, wie denn seine beiden Enkel (es waren Marvin und Felix) heißen. Das Baujahr seines Deutz kam aber wie aus der Pistole geschossen. „1950“, sagte er stolz und machte den Eindruck, als wenn er mit jeder Schraube an seinem herrlichen Traktor per Du wäre.

Karl-Marx-Stadt gibt’s nicht mehr, die VEB Barkas-Werke auch nicht. Ein Barkas B1000, umgebaut als Feuerwehrauto, gehörte ebenso zu den Prunkstücken beim Oldtimer-Treffen wie DKW aus der Schmiede von Auto-Union, Trabis, oder Citroëns, wie man sie aus Gangsterfilmen kennt. Diese Autos, ebenso wie ein Lloyd 600, der nicht nur über 19 PS verfügt, sondern zu dessen Extras ein versenkbares Kurbelfenster zählt, erinnerten an die Zeiten, als Karosseriebauer noch Künstler waren.

Das älteste Fahrzeug am Platz war ein Ford-T von 1914, dessen 3-Liter-Motor ganze 20 PS erzeugt und somit unkaputtbar sein sollte. Ein Hingucker, alleine von der Optik her, war ein Airstream Wohnwagen. Das Ganzmetallmodell von Elfi und Walter Schales hat 1949 stolze 2100 Dollar gekostet. Wer dann glaubte, bei der Selfkantbahn alles gesehen zu haben, der konnte im Mercedes-Oldtimerbus aus dem Jahre 1953 nehmen und zur traditionellen Mühlentour aufbrechen.

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