Übach-Palenberg: Pfarrei nimmt ihre Gebäude unter die Lupe

Übach-Palenberg: Pfarrei nimmt ihre Gebäude unter die Lupe

Am Anfang war die Sorge. Jene Sorge, dass die Fusion die sechs Kirchengemeinden in Übach-Palenberg völlig ihrer Eigenständigkeit berauben würde. Ein Jahr ist vorbei. Und die Bilanz?

Winfried Müller, der kommissarische Pfarrer in der Großpfarrei St. Petrus, Pastoralreferent Norbert Franzen und Hubert Pöttgens, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, sind zufrieden, relativ zufrieden. Pöttgens formuliert es so: „Natürlich lässt sich eine Fusion nicht mit einem Federstrich abhaken, aber wir sind auf einem konstruktiven Weg zu einer Einheit.”

Eine Einheit, die ein gewisses Maß an Vielfalt zulässt - wie Norbert Franzen meint: „Die Merkmale, die die einzelnen Gemeinden auszeichnen, müssen erhalten bleiben. Jede Gemeinde bringt sich mit ihrer Besonderheit ein - die eine etwa mit ihrer traditionellen Kevelaerfahrt, die andere mit einer Maiandacht. Die Summe dieses Einzelangebote macht ein Stück pastoraler Lebendigkeit.”

Allein: Das gesamte pastorale Angebot wird St. Petrus nicht mehr leisten können, daran lässt Pfarrer Winfried Müller keinen Zweifel: „Gegenwärtig sind wir noch in der komfortablen Lage, über 3,1-Priesterstellen zu verfügen. Aber spätestens ab 2017 wird St. Petrus nur noch mit den für diese Pfarreigröße üblichen 1,5 Stellen rechnen müssen.” Der aktuelle „Idealzustand” wird nicht nur durch diese Perspektive getrübt, es sind auch die zunehmenden Finanznöte, die vieles zunichte zu machen drohen, beklagt der Seelsorger. So habe man bislang für die Angestellten 100.000 Euro mehr ausgegeben, als die Personalkostensäule des Bistums Aachen vorsehe.

Trotz aller Sparzwänge dürfen die Verantwortlichen, sprich Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, nach Ansicht Franzens eines nicht aus den Augen verlieren: „Wir müssen immer darauf achten, dass da Menschen sind, die in ihrer Existenz von der Anstellung bei der Pfarrei abhängig sind.” „Wir müssen prüfen, was pastoral noch machbar ist und ob wir uns dies oder jenes noch leisten können oder wollen”, erklärt Pöttgens. Diese Überlegungen werden im so genannten Pastoralkonzept gebündelt, das bereits 2005 auf den Weg gebracht wurde. „Wir brauchen nicht mehr bei Adam und Eva anzufangen, sondern können das Konzept nach der Fusion aktualisieren”, sagt Franzen.

Wo ist was nötig und möglich? - das ist nicht allein die Kardinalfrage im Personalbereich, auch die Immobilien von St. Petrus werden unter die Lupe genommen. Sie sind ein erheblicher Kostenfaktor, immerhin fehlen dem Bistum pro Jahr ein Drittel der Mittel, um Gotteshäuser, Pfarrheime und Pfarrhäuser zu sanieren. „Jede Pfarrei muss eine Instandhaltungsrücklage bilden, das wären für eine Pfarrei in der Größe von St. Petrus jährlich etwa 166.000 Euro, das fehlende Drittel würde mit 55.000 Euro zu Buche schlagen”, rechnet Franzen vor. Ein Weg aus diesem Dilemma soll das Kirchliche Immobilienmanagement (KIM) weisen, das vom Bistum initiiert wird.

„Die Gebäude werden von Fachleuten in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht bewertet, mit diesem Ergebnis befasst sich dann eine Arbeitsgruppe, die sich zusammensetzt aus Pastoralteam, Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand und einer KIM-Projektgruppe des Bistums”, sagt Norbert Franzen. Das letzte Wort allerdings haben Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat.

Fällt das Votum für ein Gebäude aus, erhält dies das KIM-Siegel, diese Auszeichnung hat die praktisch bedeutsame Konsequenz, dass eine etwaige Sanierung der Immobilie vom Bistum zu 60 Prozent bezuschusst wird. „Wichtig ist hier die Feststellung, dass die Pfarrei selbst darüber entscheidet, was mit den Gebäuden passiert”, betont Müller, „wir werden also nicht vom Bistum gezwungen, Kirchen zu schließen.” Bei der Entscheidungsfindung fließt das Pastoralkonzept mit ein.

„Es kann durchaus sein, dass sich die Pfarrei irgendwann einmal fragen muss, ob sie eine Kirche abreißt, stilllegt oder verkauft”, malt Pastoralreferent Franzen die schlimmsten Alternativen aus. Ein Denkmodell könne auch die Nutzungsänderung des kirchlichen Gebäudes sein, das an mehrere Dienstleister vermietet würde. Im Moment jedoch stellt sich diese Frage nicht, denn auch die letzte Kirche ist soeben durchsaniert.

Die Zeiten werden härter, auch für St. Petrus. „Schuld daran ist nicht die Fusion, sondern der immer enger werdende finanzielle Rahmen”, konstatiert Pfarrgemeinderatsvorsitzender Pöttgens. Die Verschmelzung erweist sich nach Einschätzung Franzens sogar als Vorteil: „Es ist christliche Solidarität, wenn möglichst viele gut leben können und man auf individuellen Reichtum verzichtet.”

Territorium, Immobilien - das sind für Pfarrer Müller nicht die maßgeblichen Kriterien in der pastoralen Arbeit: „Wir brauchen Menschen, die uns in der Not helfen, die das Evangelium weitertragen. Und den Rahmen dafür müssen wir schaffen - mit einem vernünftigen Pastoralkonzept und Immobilienmanagement.”