Übach-Palenberg: Peter Speckens mit Gold, Silber und Bronze aus Brasilien zurück

Übach-Palenberg: Peter Speckens mit Gold, Silber und Bronze aus Brasilien zurück

Peter Speckens kann aus sportlicher Sicht niemand so schnell das Wasser reichen. Jedenfalls wenn es um sogenannte Wurfdisziplinen geht. Der Senior-Athlet aus Übach-Palenberg ist zwar schon 78 Jahre alt, Rost setzt er aber noch lange nicht an. Auch 2013 war für den Senior wieder ein erfolgreiches Jahr, und so kam er vor wenigen Tagen mit einem weiteren Weltmeistertitel im Diskuswurf, einer Silbermedaille im Gewichtwurf und einer Bronzemedaille im Hammerwurf von den Leichathletikweltmeisterschaften aus Brasilien zurück.

Begeistert erzählt Peter Speckens von seinen Erlebnissen am Rande der WM, die vom 16. bis 27. Oktober in Porto Alegre stattfand. Bis in den November hinein blieb er mit seiner Ehefrau Irmgard in Brasilien, nutzte die Zeit zum Eintauchen in eine andere Kultur.

„Wir haben fantastische Eindrücke mitgebracht“, ist er noch Feuer und Flamme für das südamerikanische Land. „Meine Frau hat mich dazu bewegt, noch einmal an der Senioren-Leichtathletik-WM teilzunehmen“, sagt er wie nebenbei. Er hat es auf keinen Fall bereut, weder aus sportlicher noch aus privater Sicht.

Ein Jahr lang hatte sich Peter Speckens zu Hause und auf der Wurfanlage vom SV Schlafhorst auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Der Name dieses Unternehmens hat den 78-Jährigen lange begleitet. In Mönchengladbach wurde Peter Speckens geboren. Dass er seiner Borussia vom Nordpark, früher Bökelberg, die Fahne hält, ist so erklärt; „das wird auch immer so bleiben“, schmunzelt er und erzählt von seiner Maschinenschlosserlehre bei Schlafhorst in Mönchengladbach und seinem späteren Maschinenbaustudium in Aachen.

Im Jahr 1962 bekam Peter Speckens den Auftrag, das Schlafhorst-Werk in Übach-Palenberg aufzubauen, und das schaffte er mit Bravour. 1963 ließ er sich in der ehemaligen Zechenstadt nieder und war bis zum Antritt seines Ruhestand im Jahr 1996 Werksleiter von Schlafhorst in Übach-Palenberg. „Jetzt wohne ich schon 50 Jahre hier“, rechnet der begeisterte Sportler kurz und sieht nach einer derart langen Zeitspanne Übach-Palenberg natürlich als seine Heimat an. „Ich bin ganz komisch zur Leichtathletik gekommen“, denkt er auch an die Anfänge zurück. Eigentlich habe er als Jugendlicher nur Fußball gespielt.

Viktoria Menrath habe 1951 einmal ein Sportfest ausgerichtet, bei dem auch Kugelstoßen auf dem Plan stand. „Ich machte mit, und auf Anhieb warf ich elf Meter weit“, erinnert sich Speckens. Da habe ihm seine Mutter empfohlen, weiterhin die Leichathletik zu betreiben, denn da käme es nicht so oft zu Verletzungen wie beim Fußballspiel. „Mit 17 war ich schon in der deutschen Bestenliste im Kugelstoßen“, so Speckens. Da habe er auch erstmals den Diskus in die Hand genommen und aus dem Stand 35,64 Meter geschleudert. Ein Reporter habe damals geschrieben, dass sich die Spitze in den Wurf­disziplinen wohl nicht mehr verbessern werde.

„Von wegen“, dem hat es Peter Speckens aber gezeigt. Dieser Satz war Ansporn und Motivation für ihn, und er warf eine Bestmarke nach der anderen. 1961 wurde er in Mönchengladbach zum „Sportler des Jahres“ gewählt. Fünf Jahre startete er für Bayer Leverkusen, und in diesen Jahren wurde er mit der Mannschaft fünf mal Deutscher Meister. Parallel neben dem Kugelstoßen begann er mit dem Diskuswurf, und erst im Alter von 60 Jahren folgte der Hammerwurf.

Peter Speckens lebt noch heute für den Sport und war schon auf allen Kontinenten unterwegs. „Wenn ich den Sport nicht hätte, müsste ich ihn erfinden“, schmunzelt er und blickt auf seine Erfolge zurück. Auf 36 Weltmeistertitel, 32 Europameistertitel und 75 Deutsche Meistertitel kann er heute verweisen. Seine Devise: „Auch im Alter muss man aktiv sein.“

Wie lange will er den Sport noch betreiben? „Ewig, so lange mir der Herrgott das erlaubt“, kommt die schnelle Antwort. Derzeit tritt er noch in der Kategorie M 75 (bis 79 Jahre) an. Für März 2014 hat er schon die Senioren-WM in Budapest fest im Auge. Nicht nur die Übach-Palenberger dürfen gespannt sein, mit wie vielen Medaillen er dann zurückkehren wird.

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