Ruhe und Gelassenheit finden : Osterzeit ist Pflanzzeit der Gartenfreunde

Ruhe und Gelassenheit finden : Osterzeit ist Pflanzzeit der Gartenfreunde

Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken in diesen Tagen unzählige Hobbygärtner in ihre Anlagen. Rechtzeitig vor dem Osterfest wurden Rasenflächen gemäht, vertikutiert und gedüngt. Pflanzen wurden in Töpfe und Blumenkästen gesetzt.

Nach langen Wintermonaten wurden Beete gesäubert und gepflegt. Die Menschen freuen sich auf Farbenvielfalt vor und hinter dem Haus. Gartenwege wurden von Moss befreit, kleine Geräte- und größere Gartenhäuser benötigten dringend einen neuen Anstrich. Die Osterzeit ist Pflanzzeit. Für denjenigen, der seinen Garten strukturiert mag und für den jedes Wildkraut ein Dorn im Auge ist, bedeutet die Gartenpflege nun viel Arbeit, für denjenigen, der es etwas wilder mag, weniger Einsatz.

„Schön, endlich mal zu sitzen“, sagt Karin Thieves aus Kraudorf und sinkt ein wenig erschöpft in den Gartenstuhl. Erschöpft, aber glücklich. Stundenlang hat sie an diesem herrlichen Frühlingstag wieder mit ihrem Mann Eduard Jöris in der heimischen Gartenanlage gearbeitet. Nicht weil sie müssen, sondern weil beide ihre helle Freude daran haben. „Wir lieben unseren Garten und verbringen beide unsere Freizeit in ihm. Hier finde ich Ruhe und Gelassenheit. Die Gartenarbeit ist für mich Meditation“, sagt Karin Thieves.  Eduard Jöris ergänzt: „Ich zupfe bei klassischer Musik Unkraut. Dabei schaue ich allerdings nicht nach vorne, weil ich da kein Ende sehe. Ich schaue nach hinten, um die Erfolge zu sehen, und freue mich.“

Um sein persönliches Paradies zu schaffen, benötigt der Hobbygärtner nicht nur den Willen zur Arbeit, der sprichwörtliche „Grüne Daumen“ und die Bereitschaft, ständig Neues zu lernen, sind ebenfalls erforderlich. So ist es nicht verwunderlich, dass Hobbygärtner den Kontakt und den Austausch mit Gleichgesinnten suchen. Eine willkommene Gelegenheit ist die „Offene Gartenpforte“:  An mehreren Wochenenden laden im ganzen Rheinland Gartenbesitzer gleichgesinnte Pflanzenfreunde in ihr privates Gartenreich ein und präsentieren moderne Themengärten, große Parks mit altem Baumbestand oder üppige Staudenparadiese.

Sie findet bei der Gartenarbeit Ruhe und Gelassenheit: Karin Thieves ist fast täglich in der Anlage. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Auch Karin Thieves und Eduard Jöris beteiligen sich an der „Offenen Gartenpforte“ und laden an den Sonntagen 15. Mai und 16. Juni jeweils zwischen 11 und 17 Uhr zu einer persönlichen Gartenreise auf ihr Grundstück, Kraudorf 20, ein. „Diese Tage sind eine Informationsbörse, es geht um den Austausch von Wissen und Erfahrung“, sagt Thieves. Und auch wenn sein Garten eine wahre Augenweide ist, sagt Jöris: „Wenn wir einladen, profitieren nicht nur unsere Gäste von unseren Idee und unserem Wissen. Auch wir lernen noch. Es ist ein Geben und Nehmen.“

4000 Quadratmeter groß

Wer die Anlage der beiden Kraudorfer entdecken will, trifft auf eine 2500 Quadratmeter große Parkanlage, der sich eine 1500 Quadratmeter große Streuobst- und Blumenwiese anschließt. Rasenstücke werden von Gehwegen durchzogen.  „Nach unserem Konzept kann man durch den Garten lustwandeln“, sagt Karin Thieves. Und: „Die Kinder aus der Familie konnten mit Roller und Fahrrad durch die Gartenanlage fahren.“ Entlang der Wege und Rasenflächen befinden sich Beete. 150 verschiedene Pflanzenarten haben die Hobbygärtner in den Boden gebracht, von jeder Art sind es etwa 50 bis 80 Pflanzen, so dass rund 10.000 Pflanzen eingepflanzt wurden.

Die Beete sind farblich sortiert, alle Pflanzen sind gekennzeichnet. Auch die kleinen Schildchen wurden selbst angefertigt. . Foto: ZVA/Udo Stüßer

Manche mögen es vielleicht recht bunt, das Kraudorfer Paar liebt die Farbenvielfalt im Garten, aber auch die Struktur: Alle Beete sind farblich sortiert angelegt. Ein blau-weißes Beet beherbergt blaues Vergissmeinnicht und weiße Schleifenblumen, im gelben Beet befinden sich Schafgarben, Johanniskraut und Taglilie. Und im roten Beet erfreuen Steinnelken, Chrysanthemen, Phlox und japanisches Blutgras das Auge des Betrachters. Thieves und Jöris lieben Hortensien, besonders Bauernhortensien. Die drei Meter hohe weiße Steinmagnolie, den persischen Eisenholzbaum, den Honigbaum und die hängende Wildbirne, auch „die Olive des Nordens genannt“, findet man sicherlich nicht in jedem Garten.

Alle Pflanzen sind mit kleinen Schildchen versehen, selbstverständlich alle selbst liebevoll angefertigt: „The Bride“ heißt die weiße Hortsensie, „Endless Summer“ die rosa blühende. Und „Pinky Winky“ treibt unten rosa und oben weiße Blüten. „Und alles haben wir selbst angelegt: die Rasenflächen, die Beete, die Bewässerung und die Beleuchtung“, sagt Jöris nicht ohne Stolz.

Idyllisch gelegen ist dieses kleine Haus aus Glas. Bereits jetzt ist ein Aufenthalt zu warm. Es ist ideal für kühlere Tage. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Seit 1996 bewohnt das Paar sein Haus Kraudorf 20.  Anfangs war sein Grundstück 1300 Quadratmeter groß. Vor drei Jahren kaufte es ein angrenzendes Grundstück mit zwei alten Wohnhäusern. Diese ließen sie kurzerhand abreißen und verwandelten das ganze Areal in eine Blumen- und Streuobstwiese. Apfel- und Birnbäume, Kirsch- und Pflaumenbäume stehen in dieser Blumenwiese. Auch ein Insektenhotel und ein Bienenstock findet der Naturfreund hier.

Während Karin Thieves und Eduard Jöris von der Arbeit im Garten schwärmen, kontrolliert Imker Florian Heinrich das etwa 20.000 Bienen zählende Volk. Einmal in der Woche schaut er in Kraudorf 20 vorbei, beurteilt die Vermehrung, die Qualität des Honigs und die Gesundheit der Tiere.

Imker Florian Heinrich schaut einmal in der Woche nach den Bienen. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Etwa 14 Kubikmeter grünen Abfall haben Thieves und Jöris im Jahr, einen großen Anteil verursacht der Schnitt der Liguster- und Kirschlorbeerhecken. „Alleine der Kirchlorbeer wächst 40 bis 60 Zentimeter im Jahr“, weiß Jöris, der mit seiner Frau immer die erste Oktoberwoche komplett für Gartenarbeit einplant. „Dann wird der  Garten winterfest gemacht, dann sind wir täglich zehn bis elf Stunden im Garten aktiv“, sagt Jöris.

Idyllische Sitzgelegenheiten

Für die wenigen Stunden, die die Eheleute nicht arbeitend, sondern zur Entspannung im Garten verbringen, gibt es ausreichend Sitzgelegenheiten. Eine idyllischer gelegen als die andere.

Das Gartenhaus, ein ehemaliger etwa 100 Jahre alter Hühnerstall, ist ein Abbild ihres Wohnhauses: die gleiche Fassade, die gleichen Dachziegeln. Zwischen farbenprächtigen Beeten befindet sich ein kleines Glashaus mit einer Sitzgruppe. Dieser herrliche Ort kann allerdings nur an kühlen Tagen aufgesucht werden.

Um Umweltpreis beworben

Wie sollte man seinen Garten anlegen? Welche Tipps geben die beiden Hobbygärtner Anfängern? „Allgemeine Tipps kann man nicht geben, ein Garten muss ganz individuell gestaltet werden.  Der eine mag lieber einen Bauerngarten, der andere liebt es strukturiert. Sind Kinder da? Oder Tiere? Wie viel Zeit kann investiert werden? Alle diese Fragen muss man vor dem Anlegen eines Gartens bedenken“, sagt Karin Thieves, die sich mit ihrem Mann um den Umweltpreis der Geilenkirchener Grünen beworben hat.

Das war mal ein 100 Jahre altes Hühnerhaus, heute ist es ein Gartenhaus, das ganz in Blau-Weiß dem Wohnhaus ähnelt. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 1. Mai, im Sportpark Loherhof statt. Man darf gespannt sein, ob Karin Thieves und Eduard Jöris hier auf dem Siegertreppchen stehen.

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