Heinsberg-Waldenrath: Ost und West begegnen sich in der Kirche

Heinsberg-Waldenrath: Ost und West begegnen sich in der Kirche

Die Abendmusik in St. Nikolaus ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert gewesen. Dass evangelische Kirchenmusiker in einer katholischen Kirche musizieren, ist nicht alltäglich, wo die Ökumene stagniert.

Ein Posaunenchor, der seit Jahrhunderten zur Ausschmückung des Chorals in der evangelischen Kirche eine dominante Stellung innehat, hat heute auch Seltenheitswert.

Erstklassiger Organist

Nicht zuletzt begegneten sich hierbei Ost und West. Da soll noch einer sagen, Ossis und Wessis können es nicht miteinander. Der Posaunenchor aus Gangelt arbeitet intensiv mit Posaunisten, Trompetern und Flügelhornspielern aus dem Spreewald zusammen. Man besucht sich regelmäßig und konzertiert miteinander.

Aus Eupen stieß ein erstklassiger Organist dazu, so dass die Besucher gleichzeitig in den Genuss eines versteckten Orgelkonzertes kamen. Johannes Fleu, Kantor aus Ostbelgien, trumpfte solistisch auf und ergänzte das Ensemblespiel mit den Musikern aus Gangelt, Neu Zauche, Straupitz und Werben unter der Leitung von Hans Stenzel.

Sie tischten ein ebenso seltenes wie erlesenes Programm auf, beginnend mit Paul Peuerl und Nikolaus Bruhns, heute vergessen, obwohl der Peuerl Erfinder der Variations-Suite war, und Bruhns ein nicht unbedeutender Buxtehude-Schüler.

Die Partita zu vier Stimmen (Bläser) bzw. das Präludium in e-Moll (Orgel) waren fulminante Auftakte.

In der Folge wechselten Vergangenheit (16./17. Jahrhundert) und Gegenwart mit klingenden Namen. Dabei tauchte eine weitere Rarität auf: Caude (Claudin) Le Jeune.

Entgegen der Ankündigung verbarg sich hinter Schütz nicht der berühmte Dresdener „Sagittarius”, sondern der Zeitgenosse Michael. Schein und Scheidt, die beiden anderen der berühmten „S”, waren dagegen vertreten mit glänzenden Beispielen für Bläser bzw. Orgel. Im Abendgebet der Kirche ist die Friedensbitte fest verankert. Hannes Mück und Michael Schütz griffen diesen Brauch auf und gossen sie in Shalom-Stücke.

„Großer Gott” ist der feierliche Hymnus beim Festgottesdienst. Eine Instrumentalverarbeitung für Bläser und Orgel von Lothar Graap wurde dem Choral gegenübergestellt.

Reichlich befremdlich wirkte dabei das Zitat der dritten Strophe: „Herr der Kriegsheere!”. Im „Oremus” lautet die Stelle: „Herr der Himmelsheere!”Wie schon gesagt konnten sich nicht nur die Posaunenchöre den Lorbeer an den Hut stecken für ihre teils überbordendes und verbindendes Gotteslob, auch der Organist Fleu punktete kräftig für sich mit Cancona et Sortie von Marcel Dupré, einem einzigartigen Werk.

Rendant Heinz Cleef war froh, dass dieses ungewöhnliche, mit Zugabe versehene Kirchenkonzert so gut angekommen war, und Günter Schmitz vom Kirchenvorstand hob in seinem Dankeswort hervor, dass die Musikanten gern gesehene und noch lieber gehörte Gäste gewesen seien.

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