Ordnungsamt kennt Problem mit verbalen Angriffen

Mit der Politesse auf Streife : Im Kampf gegen das Abzocker-Klischee

Beleidigungen, Beschimpfungen und sogar Tätlichkeiten – Immer häufiger sind Mitarbeiter des Ordnungsamts während ihrer Arbeit Konfliktsituationen ausgesetzt. Jüngst machte ein Fall in Aachen Schlagzeilen. Bei einem Einsatz wegen Ruhestörung wurde dort ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes angegriffen und verletzt. Ein Partygast hatte ihm die Hand gebrochen.

Auch in Geilenkirchen sind zumindest verbale Attacken gegen Mitarbeiter des Ordnungsamtes kein unbekanntes Problem. „Das kam in der Vergangenheit schon vor“, sagt Armin Kaumanns, Amtsleitung vom Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung in Geilenkirchen. Genau Buch werde darüber nicht geführt, aber die Bandbreite reiche von Begriffen wie „Abzocker“ und „Halsabschneider“ bis zu übelsten Beleidigungen:  „Pro Jahr haben wir fünf bis zehn Fälle, wo die Beleidigungen so massiv waren, dass wir Strafantrag stellten.“

Auch zu einer Handgreiflichkeit sei es in der Vergangenheit bereits gekommen. „Dabei wurde ein Kollege geschubst, aber das war ein absoluter Einzelfall und liegt bereits eine Weile zurück“, erklärt Armin Kaumanns. Trotzdem stellt er eine sinkende Akzeptanz in der Bevölkerung gegen die städtischen Mitarbeiter fest. „Das Rechtsbewusstsein hat im Vergleich zu vor zehn Jahren deutlich nachgelassen, aber auch in allen anderen Bereichen.“ Überlegungen, die Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf ihrem Rundgang mit Sicherheitswesten und Pfefferspray auszustatten, wie in einigen Städten, gibt es derzeit nicht. So schlimm sei die Situation in Geilenkirchen zum Glück nicht. „Ich finde diese Entwicklung auch bedenklich und nicht sinnvoll“, so der Leiter des Ordnungsamtes. „Die städtischen Mitarbeiter sind keine Polizisten und auch nicht entsprechend geschult.“

Dialog zu Parksündern suchen

Sylvia Streubel ist seit drei Monaten bei Regen und Sonne für das Ordnungsamt Geilenkirchen in der Innenstadt und den Ortsteilen unterwegs. „Massive Beschimpfungen habe ich hier noch nicht erlebt“, erzählt die 50-Jährige.

Allerdings musste sie in ihrem Berufsleben bereits Erfahrungen in diese Richtung machen. „Ich habe vorher in Aachen beim Ordnungsamt gearbeitet“, verrät sie. Ihr Gebiet sei rund um den Kaiserplatz gewesen: „Dort gibt es Probleme mit Drogen und Alkohol.“ Dementsprechend sei auch häufig der Ton gewesen. „Im Vergleich dazu  ist es hier entspannt“, findet Sylvia Streubel. Aber auch in Geilenkirchen wurde sie bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs schon als „Abzockerin“ betitelt. „In solchen Situationen suche ich immer den Dialog“, erklärt die Politesse. Ruhig probiere sie dann, den Leuten klar zu machen, warum sie ein Knöllchen bekommen haben.

„Im Gespräch beruhigt sich so mancher zunächst wütender Autofahrer schnell“, weiß sie aus Erfahrung. Wer ein Knöllchen bekommt, sollte ihrer Meinung nach dabei einmal nicht nur an die eigene Situation denken, schließlich gebe es die Strafe nie ohne Grund.

Für eine belebte Innenstadt

„Ich mache meine Arbeit für die Stadt Geilenkirchen, die Gewerbetreibenden, die Ärzte und alle, die sich ordnungsgemäß verhalten“, erklärt Sylvia Streubel. Wer für seinen Einkauf keinen Parkplatz finde, weil die Kurzzeitparkplätze dauerhaft blockiert werden, der bestelle beim nächsten Mal vielleicht doch lieber online. „Und das macht dann die Innenstadt kaputt“, führt sie aus.

„In Geilenkirchen gilt außerdem der Grundsatz: Vor Sanktion steht die Prävention“, ergänzt Armin Kaumanns. Sylvia Streubel hat in ihrer Arbeit also einen gewissen Ermessensspielraum. „Und den nutze ich auch aus“, betont sie. „Ich bekomme da von der Stadt keinen Druck und habe auch keine Vorgaben, wie viele Bescheide ich schreiben muss.“ Parkt also beispielsweise ein Lieferfahrzeug in zweiter Reihe, weil die Lieferzone durch ein anderes Fahrzeug blockiert ist, bekomme der Fahrer kein Knöllchen. „Das hätte keinen Sinn, er hat schließlich keine andere Wahl“, so die Ordnungsamtmitarbeiterin. Keinen Spaß versteht sie hingegen, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden, beispielweise durch das Blockieren einer Feuerwehrausfahrt, Parken im absoluten Haltverbot oder auf der Busspur.

130.000 Euro durch Knöllchen

Pro Jahr schreibt das Ordnungsamt Geilenkirchen zwischen 9.000 und 10.000 Verfahren. „Überwiegend handelt es sich dabei um Verwarn- und Bußgeldverfahren“, erklärt Armin Kaumanns. In Summe hat die Stadt im vergangenen Jahr auf diese Weise rund 130.000 Euro eingenommen. „Davon werden die Mitarbeiter des Ordnungsamts finanziert“, erklärt Armin Kaumanns.

„Die Einnahmen sind aber nur ein angenehmer Nebeneffekt, damit soll nicht der Haushalt aufgebessert werden“, betont weiterhin Herbert Brunen, der erste Beigeordnete der Stadt Geilenkirchen. „In erster Linie geht es uns darum, eine geregelte Verkehrssituation in der Innenstadt zu haben, und dafür muss regelmäßig kontrolliert werden.“

Trotz des ein oder anderen bösen Blicks: Sylvia Streubel geht mit einem Lächeln zur Arbeit. „Ich rede gerne mit den Leuten, mir gefällt die Bürgernähe“, sagt sie. „Außerdem bin ich viel an der frischen Luft und bekomme Bewegung.“ Sie würde sich für die Zukunft allerdings wünschen, dass die Fahrschulen mehr Wert auf die Verkehrsschilder legen. „Ein Schild wird in Geilenkirchen dabei besonders gerne übersehen“, weiß Syliva Streubel. „Es ist das Parkscheibenpflicht-Schild zu Beginn der Innenstadt.“

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