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Geilenkirchen: Nur einem Phantom nachgejagt

Geilenkirchen : Nur einem Phantom nachgejagt

Zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Anselm Pütz einen 36-jährigen Angeklagten.

„Wir sind in fünf Sitzungen einem Phantom nachgejagt. Dem Phantom nämlich, dass eine Reisegruppe einen mordsmäßigen Umsatz gemacht haben soll. Wir sind aber zur Überzeugung gekommen, dass es eine solche Reisegruppe überhaupt nicht gegeben hat”, begründete Richter Anselm Pütz das Urteil.

Es habe nur gefälschte Kreditkarten gegeben, die nach Überzeugung des Gerichts eingesetzt worden seien. Die Gutschriften seien nicht erfolgt, deshalb sei auch kein Schaden entstanden. Die Zahlungen hätten aber auch in keiner Form dem entsprochen, was verlangt worden sei. Begründet werde eine Abbuchung von 904,50 Euro damit, dass die Reisegruppe zu einem Barbesuch Bargeld verlangt habe.

„Es wären dann aber 900 oder 1000 Euro gefordert worden, niemals ein solcher Betrag”, erklärte der Richter. Dass am Sonntag um 18 Uhr mit der gleichen Karte eine Abbuchung versucht worden sei, spreche ebenfalls nicht für den Angeklagten. Und dass am Montag, dem üblicherweise freien Tag im Restaurant, um 15.05 Uhr eine Abbuchung von 1250 Euro und später eine in Höhe von 550 Euro versucht worden sei, spreche ebenfalls nicht für den Angeklagten.

„Ob seine mit angeklagte Frau in die Sache involviert war, ist offen geblieben. Sie war deshalb freizusprechen.” Ein von der Verteidigung benannter Zeuge war zur Verhandlung nicht erschienen. Zudem lehnte das Gericht sämtliche Beweisanträge der beiden Verteidiger ab.

Staatsanwältin Silvia Janser: „Ich habe keine Zweifel daran, dass die Kreditkarten gefälscht waren.” Alle Erklärungen des Angeklagten, auch zur immer wieder auftauchenden Reisegruppe, entbehrten jeglicher Grundlage.

„Die Vielzahl der Ungereimtheiten, die vielen Versuche der Abbuchungen mit den gefälschten Karten sprechen eine deutliche Sprache. Es ist nur meine Vermutung, die nicht beweisbar ist: In Wuppertal scheint es jemand zu geben, der die gefälschten Karten in Umlauf gebracht hat.” Die Staatsanwältin forderte für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und für seine Ehefrau eine solche von sechs Monaten.

Hans-Friedrich Beckmann, Strafverteidiger des Angeklagten: „Es sind inzwischen 18 Monate vergangen. Dass man sich dann nicht mehr an alle Einzelheiten erinnert, ist menschlich.” Bei verschiedenen Durchsuchungen durch die Polizeibeamten sei nichts gefunden worden, es handele sich ausschließlich um unbewiesene Vermutungen. Die Atmosphäre sei durch die Vorverurteilung durch die Staatsanwaltschaft vergiftet gewesen. „Es gibt erhebliche Zweifel an der Schuld meines Mandanten. Ich fordere Freispruch.”

Ähnlich äußerte sich Strafverteidiger Elmar Joeris für die mit angeklagte Ehefrau: „Die Staatsanwaltschaft spricht jetzt nur noch von psychischer Beihilfe.” Die zunächst ermittelnden Polizeibeamten seien abgesetzt worden, wodurch die neu eingesetzten Beamten erheblich unter Druck geraten seien.

„Es steht fest, dass gefälschte Karten eingesetzt worden sind. Wer die aber ins Spiel gebracht hat, konnte nie ermittelt werden.” Er sehe nicht den Hauch einer Beteiligung seiner Mandantin und fordere deshalb Freispruch.