Geilenkirchen: Nikolaus im Interview: „Ich brauche die Hilfe der Menschen“

Geilenkirchen: Nikolaus im Interview: „Ich brauche die Hilfe der Menschen“

Wer ist der wichtigste Mann des 6. Dezembers? Na klar, keine Frage: der Nikolaus. Jedes Jahr feiern wir am 6. Dezember seinen Ehrentag. Besonders die Kinder begrüßen ihn mit viel Vorfreude und leuchtenden Augen. Ob sich der Nikolaus wohl auch auf diesen Tag gefreut hat? Im Interview mit unserer Zeitung steht er Rede und Antwort.

Guten Tag, Herr Nikolaus. Schön, dass Sie hier sind. Ho, ho, ho...

Nikolaus: Ich wünsche Ihnen auch einen wunderschönen Tag. Allerdings mit dem ‚Ho, ho, ho‘ sind Sie bei mir an der falschen Adresse, da verwechseln Sie mich mit dem Weihnachtsmann.

Oh, entschuldigen Sie bitte. Aber Sie beide sehen sich ja schon auch ziemlich ähnlich...

Nikolaus: Finden Sie? Okay, wir haben zwar beide einen Bart, aber da hört es mit den Gemeinsamkeiten ja auch schon auf. Einen Schlapphut mit weißem Bommel hatte ich noch nie auf dem Kopf. In der Regel trage ich eine Bischofs-Mitra.

Jetzt wo Sie es sagen... Aber zumindest bringen Sie ja beide den Kindern dieser Welt ihre Geschenke.

Nikolaus: Das stimmt schon. Allerdings ist der Weihnachtsmann erst am 24. Dezember unterwegs. Er ist sozusagen das amerikanische Pendant zum Christkind. Ich selbst stamme ja aus der Türkei. Aber das wissen Sie ja bestimmt. Sie kennen ja sicherlich meine Geschichte.

Natürlich kenne ich die! Sie sind ja ein Bischof... Allerdings. Mehr bekomme ich jetzt nicht mehr wirklich zusammen.

Nikolaus: Das habe ich mir gedacht. Die Menschen meinen immer, sie würden mich kennen, dabei denken sie in Wirklichkeit nur an die Geschenke oder eben an den Weihnachtsmann.

Dann erzählen Sie uns doch bitte mal Ihre Geschichte.

Nikolaus: Nun gut. So, wie ich heute hier vor Ihnen stehe, bin ich erst im Laufe der Zeit geworden. Denn in mir, dem heiligen Niklaus, sind eigentlich zwei Personen zu einer verschmolzen: Da ist zum einen der Nikolaus von Myra, Bischof in einer Stadt in der heutigen Türkei, der im dritten Jahrhundert lebte. Der andere ist Nikolaus von Sion, einem Ort in der Nähe von Myra, aus dem sechsten Jahrhundert. Die Legenden über das Leben der beiden Männer verwoben sich zu zu mir: der mythischen Figur des Heiligen Nikolaus von Myra.

Wie sind Sie denn bekannt geworden? Man wird ja nicht einfach so zu einem Heiligen.

Nikolaus: Eigentlich bin ich ein eher bescheidener Mann. Darum will ich nicht gerne mit meinen Verdiensten prahlen. Aber ein paar Wunder werden mir tatsächlich zugeschrieben. Ich soll in einer Hungersnot mit Gottes Hilfe das Getreide vermehrt haben, und viele Menschen glauben auch, dass ich einige Toten wieder zum Leben erweckt habe. Aber wie gesagt, ich prahle nicht gerne.

Aber wie kommt es denn dann dazu, dass Sie sich nachts in die Häuser schleichen und die Geschenke bringen?

Nikolaus: Daran habe ich einfach wahnsinnigen Spaß gefunden. Es fing damit an, dass ich mitbekam, wie mein Nachbar in der Türkei darüber klagte, dass er seine drei Töchter zu fremden Herren schicken müsste, weil er zu arm war, um ihre Hochzeit zu bezahlen. Also habe ich mich in der Nacht heimlich an sein Haus geschlichen und ihm einige Goldstücke durch das Fenster geworfen. Was meinen Sie, was der sich gefreut hat. So ist der Mythos vom Nikolaus als barmherziger Helfer und Beschützer entstanden, der nachts die Kinder beschenkt. Ich finde das großartig.

Wie sind Sie denn dann eigentlich zu einem Bischof geworden?

Nikolaus: Ach, ein paar Jahre später bin ich morgens ganz früh in Myra in die Kirche gegangen. Ich wollte ein wenig beten. Als ich die Vorhalle betrag, kam mir ein alter Mann entgegen, der mir sagte: „Du sollst der neue Bischof von Myra sein. Gott sagte mir im Traum: Der Mann, der am Ende der Nacht als erster die Kirche betritt, soll der neue Bischof von Myra sein.“ Ich wollte das eigentlich gar nicht. Ich wollte zwar gerne den Armen helfen und Jesus dienen, aber Bischof sein? Nein...

Aber Sie sind es doch geworden...

Nikolaus: Na ja. Ich hörte plötzlich eine Stimme, die sagte: „Du dienst Jesus, wenn du Bischof wirst.“ Und dann bemerkte ich, dass viele Menschen in der dunklen Kirche waren, die die ganze Nacht gebetet und auf den neuen Bischof gewartet hatten, und nun ihre Kerzen anzündeten. Die Menschen führten mich zum Bischofsthron. Ich bekam meinen Mantel, den Stab und die Mitra. Und weil sich alle freuten und laut klatschten, habe ich mich schließlich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen.

Ich habe mal gelesen, dass der Heilige Nikolaus auch der Schutzpatron der Seefahrer ist. Stimmt das?

Nikolaus: Ja, das stimmt. Allerdings bin ich erst nach meinem irdischen Tod dazu geworden. In Seenot geratene Schiffsleute haben mich in ihrer gefährlichen Lage angerufen. Ich bin ihnen dann erschienen, habe das Steuer übernommen und sogar ein wenig den Sturm zum Abflauen gebracht. Die Seeleute kamen wieder sicher an Land...

Da haben Sie ja ganz schön viel erlebt in der Vergangenheit. Aber wie fühlen Sie sich eigentlich heute? Ist es nicht langweilig, wenn man nur einmal im Jahr von den Menschen wahrgenommen wird?

Nikolaus: Das stimmt nicht. Auch heute noch spiele ich eine wichtige Rolle für die Menschen. Nicht nur am 6. Dezember. Schauen Sie doch mal nach Gangelt. Dort bin ich schließlich der Namensgeber der Pfarrkirche. Die Menschen beten regelmäßig zu mir. Und so wie in Gangelt gibt es noch viele weitere Kirchen auf der ganzen Welt, die meinen Namen tragen.

Herr Nikolaus, bitte nutzen Sie dieses Interview doch auch als eine Gelegenheit. Was möchten Sie den Menschen von heute mit auf den Weg geben?

Nikolaus: Ach, da gäbe so Vieles. Meine Hilfe wird an so vielen Stellen gebraucht. So lange es Leid und Armut auf der Welt gibt, bleibt der Nikolaus aktuell. Ich fände es schön, wenn die Menschen meinem Vorbild folgen würden und sich gegenseitig helfen und unterstützen würden. Ich denke an die armen Menschen vor Ort, an die Obdachlosen, die gerade jetzt im Winter zu leiden haben, und auch an die Flüchtlinge, die vor Krieg und Zerstörung geflohen sind, und nun Hilfe brauchen, um eine neue Heimat zu finden. Es gibt noch viel zu tun. Und ganz alleine werde ich das nicht schaffen. Ich brauche die Hilfe der Menschen.

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