Geilenkirchen: Nießen erntet für den Kreisstraßenausbau viel Kritik

Geilenkirchen: Nießen erntet für den Kreisstraßenausbau viel Kritik

Fast zwei Stunden lang drehte sich bei der 6. Sitzung des Rates der Stadt Geilenkirchen alles um die Planungen zum Ausbau der Kreisstraße 3 zwischen Gillrath und Birgden.

Der zuständige Dezernent des Kreises, Josef Nießen, stellte zunächst die vom Kreis Heinsberg favorisierte „Teil Null Variante” vor. „Es hat etwas Beruhigendes, in der Höhle des Löwen vom Löwen persönlich begrüßt zu werden”, rutschte es Nießen heraus, als er von Bürgermeister Thomas Fiedler begrüßt wurde.

„Ritt auf dem Tiger”

Nur ungern wird er sich an eine Bürgerversammlung in Hatterath erinnern, als er den „Ritt auf dem Tiger” antreten musste. So mit einem zweiten „Raubtier” in Verbindung gebracht, ging Nießen das brisante Thema gelassen an.

Die Linienabstimmung sei gelaufen und 2008 eine Entscheidung für die „Teil Null Variante” gefallen. „Für das Planfeststellungsverfahren ist aber noch eine Projektplanung en Detail notwendig, die dann in den Planfeststellungsbeschluss mündet”, erklärte Josef Nießen das Prozedere.

Zwischenzeitlich läge eine aktualisierte Verkehrsuntersuchung vor, die belege, dass man es hier nur mit Ziel- und Quellverkehren zu tun habe. Dank des neuen Abschnitts der B56 habe der Schwerlastverkehr in Wehr und Süsterseel bereits abgenommen. „Warum sollte das in Gangelt oder Gillrath anders sein”, trat der Dezernent Befürchtungen nach höherem Verkehrsaufkommen nach Fertigstellung der B56n und Ausbau der K3 entgegen.

Entlang der neuen K3 empfahl Josef Nießen einen Radweg, denn „das ist heute Standard”. Alwin Gietemann vom gleichnamigen beauftragten Planungsbüro aus Geilenkirchen ging im Detail auf die technische Planung ein.

Anhand einer Karte zeigte er den Verlauf der „Teil Null Variante” von der Einmündung B56 bis zur K13 (früher L228) zwischen Birgden und Waldenrath. Für die Strecke seien drei Kreisverkehre vorgesehen, einer in Höhe Abzweigung nach Hatterath (Bredriesch), ein weiterer nahe der scharfen Linkskurve (Höhe Baumkreuz) hinter der Mülldeponie und der dritte kurz vor Birgden als Umfahrung von Gewerbegebiet und der Ortschaft.

Über diesen dritten Kreisel soll dann auch die Mülldeponie angeschlossen werden, wobei die Planung vorsieht, die bisherige im Kurvenbereich liegende Einfahrt zu schließen. Die Diskussion war frei gegeben: Es wurde über das Für und Wider einer Ampel im Bereich B 56/Birgdener Straße gesprochen, wobei Josef Nießen anmerkte, dass auch ein Kreisverkehr in Frage käme - sofern dies gewollt sei.

Wohlwissend, dass von den meisten Gillrathern kein Kreisel gewünscht ist, favorisierte Alwin Gietemann sogar den Kreisverkehrsplatz, denn „eine Ampel ist die zweitbeste Lösung”. „Lassen wir die Straße, wie sie ist”, warb Jürgen Benden (Bündnis90/Grüne) für die wirkliche Null Variante.

Sicherheit erhöht

„Sie machen das Gegenteil, Sie machen die Straße attraktiv”, sagte Benden zu Nießen. Benden wiederholte den Vorschlag der Grünen, den auch der Petitionsausschuss befürwortet habe: „Warten, bis die B56n fertig ist und dann erst prüfen, wie die K 3 gestaltet werden soll”. Josef Nießen erklärte, dass die Sicherheit der Straße erhöht werde, weil sie entschleunigt werde und antwortete auf eine entsprechende Frage nach der Anzahl der zu fällenden Bäume im Hahnbusch: „Hier müssen 1,5 Hektar gerodet werden.” Auch Christian Kravanja (Freie Bürgerliste) sah eine Attraktivitätssteigerung durch den geplanten Ausbau der K 3: „Je unattraktiver die Straße ist, desto weniger Fahrzeuge werden sie nutzen.”

Rainer Jansen (Grüne) meldete sich zu Wort: „Ich habe den Eindruck, kein Mensch will diese Straße - nur der Kreis. Warum also zehn Millionen Steuergelder verballern?” Um eine Umgehung für Birgden zu schaffen, werde die Straße gebaut, erwiderte Nießen.

Der Ort Birgden sei durch den Verkehr übermäßig stark belastet. „Das stimmt”, warf Gabi Kals-Deußen (SPD) ein, „wir müssen auch über den Tellerrand schauen”.

Kals-Deußen weiter: „Ein Ausbau dieser Straße ab Mülldeponie bis zur K 13 macht Sinn, das Stück von der Deponie bis Gillrath kann so bleiben wie es ist.”

Wilhelm-Josef Wolff (CDU) schloss sich dieser Meinung an: „Es macht nach wie vor keinen Sinn, das Stück von Gillrath bis zur Mülldeponie zu realisieren.”

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