Übach-Palenberg: Neuman & Esser wächst auch in der Krise

Übach-Palenberg: Neuman & Esser wächst auch in der Krise

Kaum eine Branche ist durch die Wirtschaftskrise so heftig gebeutelt worden wie der Maschinenbau. Umsatzeinbrüche und Kurzarbeit gehörten in der wichtigsten deutschen Industriebranche im vergangenen Jahr zum Alltag. Anders sah es beim Anlagenbauer für Kompressor- und Mahlanlagen Neuman & Esser in Übach-Palenberg aus.

Das Vorkrisenjahr 2008 galt als das beste in der über 175-jährigen Firmengeschichte. Der Auftragsbestand war zum Jahreswechsel 2008/2009 fast doppelt so hoch wie der Umsatz in 2008, und die geschäftsführenden Gesellschafter der Holding der Neuman & Esser-Gruppe (NEA), die Geschwister Alexander und Stefanie Peters, waren damals zuversichtlich, gut durch die Krise zu steuern.

„Das hat sich bewahrheitet”, stellen sie jetzt beide in einem Gespräch fest. Selbst im Krisenjahr 2009 konnte die NEA-Gruppe den Umsatz von 247 auf 260 Millionen Euro steigern. Kurzarbeit war an den drei deutschen Standorten kein Thema.

Allerdings brach auch bei NEA der Auftragseingang um die Hälfte ein, was sich allerdings durch den hohen Auftragsbestand aus dem Vorjahr gut verkraften ließ. „Als Rückkehr zur Normalität”, charakterisiert Alexander Peters das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit einem Auftragsbestand von 226 Millionen Euro sei auch das laufende Geschäftsjahr gesichert. „Wir arbeiten jetzt daran, 2011 zu füllen”, ergänzt Stefanie Peters.

Wachstumsimpulse kommen dabei neben dem klassischen Raffineriegeschäft vor allem aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und der Umwelt-Technologie. Vom „grünen Maschinenbau” spricht Alexander Peters deshalb gerne, wenn er auf den Beitrag seines Unternehmens bei der Herstellung von Polysilizium in China für Photovoltaik-Anlagen hinweist. Die NEA-Kompressoren sind in diesem Bereich Marktführer.

Neu ist auch der Einsatz der Verdichter bei der Einspeisung von Biogas, das bisher verstromt wurde, in das Erdgasnetz. Sollten die Prognosen aufgehen, wonach bis 2015 rund 1250 Biogasstationen in Deutschland errichtet werden, eröffne sich für NEA ein riesiger neuer Markt. Auch bei der Erweiterung des Erdgasspeichers auf dem größten Kavernenfeld Europas im westfälischen Epe sorgen die NEA-Kompressoren für den richtigen Druck.

Ökologische Überlegungen spielen auch in der traditionellen Öl-Förderung eine Rolle. Im Persischen Golf wurden für eine Bohrstation spezielle mehrstöckige Kompressorenanlagen entwickelt, die das Sauergas bei der Förderung verdichten und in den Prozess zurückführen. Damit entfällt das umweltbelastende Abfackeln in die Atmosphäre. Dieses Projekt wurde in Teamarbeit zwischen den einzelnen Firmen der NEA-Gruppe in Deutschland, Thailand, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgewickelt.

Für Stefanie Peters ist das ein Beleg für die effiziente internationale Zusammenarbeit in der Gruppe. Aufgrund der dezentralen Aufstellung der Unternehmensgruppe können so Konjunkturflauten in Europa und USA durch Investitionen in boomenden Märkten anderer Kontinente ausgeglichen werden. Das führt auch zu dem hohen Exportanteil von über 90 Prozent der deutschen Produktionsstandorte Übach-Palenberg, Staßfurt und Wurzen (Sachsen) haben einen Exportanteil von über 90 Prozent.

Exportlastig ist auch ein zweites Standbein der NEA-Gruppe, die Mahl und Sichttechnik. Mittelfristig sollen dieser Bereich einmal ein Fünftel des NEA-Geschäfts ausmachen. Auch hier spielt der Bereich Ökologie bei den Kompressoren spielt der Bereich der Ökologie eine immer größere Rolle.

Die letzten beiden Jahre wurden genutzt, um durch patentierte Innovationen in geringeren Energieverbrauch und höheren Schallschutz auch neue Anwendungen zu erschließen. So ist NEA mit der neu entwickelten Prallsichtermühle nunmehr auch bei der Herstellung von Holz-Pellets gefragter Lieferant in diesem Segment. „Auch beim modernen Einsatz fossiler Energien ist die Zerkleinerungstechnik unerlässlich”, sagt Stefanie Peters.

Trotz der globalen Aufstellung der NEA-Gruppe mit weltweit 19 operativen Unternehmen wurde auch an den deutschen Standorten in den letzten fünf Jahren kräftig investiert. Zehn Millionen Euro flossen nach Wurzen und 42 Millionen Euro nach Übach-Palenberg, davon allein zehn Millionen Euro in diesem Jahr. „Die getätigten Investitionen in die deutschen Standorte sind auf die Zeit nach der Krise ausgerichtet”, betont Alexander Peters.

Die Kenndaten des Unternehmens 2009: Der Firmensitz des Maschinenbauer Neuman & Esser ist Übach-Palenberg. Der Umsatz des Familienunternehmens belief sich 2009 auf 260 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es 247 Millionen Euro. Die Gruppe beschäft weltweit 828 Mitarbeiter, in Deutschland 557, davon in Übach-Palenberg 388, in Wurzen 121, in Staßfurt 48.

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