Übach-Palenberg: Neujahrsempfang: „Zeit der Entbehrungen ist nicht vorbei“

Übach-Palenberg: Neujahrsempfang: „Zeit der Entbehrungen ist nicht vorbei“

Ob er nun im Volksmund Neujahrsempfang heißt, oder im offiziellen Veranstaltungskalender als Bürgerempfang geführt wird, ist eigentlich nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass die große Zusammenkunft aller Entscheider, Verwalter, Ehrenamtler und Bürger immer am zweiten Januar-Wochenende ein Moment ist, an dem Rückschau und Vorschau ineinanderfließen.

Im Pädagogischen Zentrum der Stadt kamen am Samstag zwar weit weniger Menschen als beispielsweise noch im Vorjahr zusammen, aber dennoch dürften es über 350 Besucher gewesen sein, die sich auf das musikalisch von der Privat-Musikkapelle Scherpenseel und inhaltlich von der Stadtverwaltung getragene Programm einließen.

Die Bürgermeister Claude Capillon aus Rosny-sous-Bois (l.), Wolfgang Jungnitsch und Raymond Vlecken aus Landgraaf (r.) stoßen an auf das neue Jahr 2018. Foto: Markus Bienwald

Ansprachen der Bürgermeister

Die Musiker aus Scherpenseel, die gewohnt souverän von einem bestens aufgelegten Günter Preuth dirigiert wurden, bildeten dabei den Rahmen nicht nur für die Verleihung der Ehrennadeln, sondern auch für vier Ansprachen.

Neben den Gästen aus der französischen Partnerstadt Rosny-sous-Bois mit Bürgermeister Claude Capillon an der Spitze sowie aus der niederländischen Partnergemeinde Landgraaf mit deren Bürgermeister Raymond Vlecken, war es Gastgeber und Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der neben seiner offiziellen Begrüßung auch ein vielseitiges Redemanuskript dabei hatte.

„Die Stadt Übach-Palenberg hat sich in 2017 gut weiterentwickelt, aber die Zeit der Entbehrungen ist noch nicht ganz vorbei“, sagte Jungnitsch zu Beginn der etwas mehr als 13 DIN-A4-Seiten umfassenden Ansprache. Die von ihm zitierten „schmerzhaften Einschnitte“ hätten aber die Aussicht auf einen dauerhaft sanierten Haushalt geschaffen.

„Voraussetzung, um diesen eingeschlagenen Weg auch erfolgreich zu Ende zu gehen, ist, die Tugenden der letzten Jahre nicht zu vergessen, und das Anspruchsdenken und —fordern über die Möglichkeiten unseres Gemeinwesens hinaus zurückzustellen“, betonte der Verwaltungschef. Schließlich befände sich die Stadt noch bis 2021 im Stärkungspakt.

Trotz der vom Bürgermeister genannten „restriktiven Sparpolitik“ seien aber viele Maßnahmen umgesetzt und realisiert worden, auch im Bereich der Schulen. Erklärtes Ziel sei es hier, ein Lernumfeld zu schaffen, in dem es Freude macht, zu lernen. Die in 2017 vollzogene Schließung der Stadtbücherei nannte Jungnitsch eine „schmerzliche Stärkungspaktmaßnahme“, die private Initiative der „Bücherkiste“ begrüßte er ausdrücklich.

Einen Haken durfte die Stadt hinter das Thema „Klangbrücke“ setzen, das neue Baugebiet „Beyelsfeld“ habe sich in Rekordzeit gefüllt. „Ähnlich soll es in wenigen Jahren auch im Baugebiet Mariental sein“, wünschte sich der Bürgermeister.

„Selbstverständlich müssen noch weitere Baumöglichkeiten ausgewiesen werden, um der Nachfrage gerecht werden zu können“, betonte er, hier gelte es, Abwanderungen zu verhindern.

Neue Straßen und Kanäle

Die Infrastruktur der Stadt auf den aktuellen Stand zu bringen, war auch sein Thema, spitze sei Übach-Palenberg schon in Sachen Breitbandversorgung im Intranet, aber Straßen und Kanäle müssten teilweise erneuert werden. Als „erfolgreich eingestielt“ bewertete Jungnitsch die künftige Ortsumgehung Scherpenseel, die ab 2030 für weniger Durchgangsverkehr sorgen dürfte. Eine weitere Kita, viele Investitionen in die Freiwillige Feuerwehr sowie ein umfassendes Veranstaltungsprogramm standen bei seiner Bestandsaufnahme auch auf der Positivseite der Stadt.

Vor dem Hintergrund des Stärkungspaktes habe sich die Verwaltung aber auch einigen Herausforderungen stellen müssen, Jungnitsch rechnete vor, dass seit 2012 die Zahl der städtischen Mitarbeiter um 27 Stellen gesunken sei. „Anhand dieser Zahlen ist leicht auszumachen, welche Herausforderungen und welche Leistungsbereitschaft des Personals hiermit verbunden ist“, betonte er. Ein Lob für die eigene Arbeit sprach sich Wolfgang Jungnitsch dann auch aus. „Die Entwicklung der Stadt und der Wirtschaftsförderung ist ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit“, sagte er, „hier zeigt sich, dass Maßnahmen im breitesten Sinne gegriffen haben“.

So sei die Arbeitslosigkeit seit 2009 um 43 Prozent zurückgegangen, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen im gleichen Maße gestiegen. Und vor den abschließenden Dankesworten, in die der Erste Bürger alle Mitarbeiter, alle ehrenamtlich Tätigen und all jene einschloss, die sich gegen Hass und Zwietracht einsetzten, wünschte er sich für das kommende Jahr eine faire Berichterstattung über die gute Arbeit von Politik und Verwaltung. Als Vorsatz für 2018 nannte er dann auch, „ein besseres Verhältnis zur Tagespresse zu entwickeln, in der Hoffnung, dass es von dort auch entspannter heraushallt.“

Gewohnt entspannt ging Raymond Vlecken als Bürgermeister von Landgraaf seinen Redebeitrag an. Wobei er sich wünschte, dass die gute Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg fortgesetzt werde. „Wir müssen den Zusammenhalt und das Miteinander fördern“, wünschte er sich.

Auf dieser Linie war auch sein Amtskollege Claude Capillon aus Rosny-sous-Bois. „Ich glaube, wir sind ein europäisches Ideal: Unabhängig, aber zusammen, souverän, aber verbunden, getrennt, aber vereint“, schloss er unter dem Applaus der Anwesenden.

Mehr von Aachener Zeitung