1. Lokales
  2. Geilenkirchen

Geilenkirchen: Neujahrsempfang zeigt Chancen auf

Geilenkirchen : Neujahrsempfang zeigt Chancen auf

„Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sollte man nach vorne und nicht zurückschauen, agieren statt reagieren, handeln statt pausieren. Denn wer nur negativ denkt, hat bereits verloren.”

Mit Optimismus und der Hoffnung, „dass die schlechteren Jahre Vergangenheit sind” begrüßte am Sonntag Manfred Goertz, Vorsitzender des Aktionskreises Geilenkirchen, rund 90 Gäste zum Neujahrsempfang in der Begegnungsstätte Haus Basten.

Neben den Mitgliedern des Aktionskreises hieß er besonders Bürgermeister Franz Beemelmanns, den CDU-Bundestagsabgeordneten Leo Dautzenberg, stellvertretenden Landrat Bernd Schumacher sowie Vertreter von Rat, Verwaltung und großer Institutionen willkommen.

Besonders herzlich begrüßte er Bernd Mathieu, Chefredakteur der Aachener Zeitung und der Aachener Nachrichten, der zum Thema „Wirtschaft und Medien” referierte.

Bürgermeister Franz Beemelmanns schlug in die gleiche Kerbe. Zwar zeigte er Verständnis für die Fragen und Sorgen der Menschen. Aber: „Es hilft nicht weiter, alles nur schwarz zu sehen. So wenig es weiter bringt, Probleme zu leugnen oder zu verschleiern, so wenig führt es weiter, sie zu übertreiben. Und deshalb sollten wir nicht vergessen, dass unser Lebensstandard immer noch einer der höchsten der Welt ist.”

Gegenwart gestalten

Die Menschen wüssten, dass Veränderungen notwendig seien. Sie seien auch bereit, sie mitzutragen, wenn ein ausgewiesenes Konzept dahinter stehe und es einigermaßen gerecht zugehe.

„Um eine Zukunft zu haben, muss man die Gegenwart gestalten, muss man etwas bewegen. Und etwas bewegen kann man nur, wenn man sich selbst bewegt. Wenn man ein Ziel vor Augen hat; wenn man nach Wegen sucht, es zu erreichen.”

Nicht nur die Redner erhielten den Beifall des Publikums. Besonderen Applaus gab es für die 17-jährige Sängerin Michaela Bertleff und für Gerd Gerards am Flügel, die mit wunderschönen Musical-Melodien die Gäste erfreuten.

Politiker und Bürger müssten lernen, dass Verantwortung zu tragen in einer Welt der Erstarrung und Anpassung auch heiße, manchmal unbequem zu sein und Unbequemes zu akzeptieren, forderte Bernd Mathieu in seinem Vortrag.

„Zu viele werden immer noch in Großunternehmen oder in Organisationen Führungskraft, weil sie nicht kreativ sind, denn sonst wären sie dort längst auf Widerstand gestoßen. An zu vielen Schaltstellen sitzen zu oft die reinen Pflichterfüller.” Allmählich ändere sich das, weil immer mehr merken würden: „Mehr selbstständige Entscheidungen, enge Zusammenarbeit, das macht Spaß.”

Wir seien in eine Welt geraten, die uns mit ihrer grenzenlosen Globalisierung zu überrennen drohe, sagte er und nannte als Stichwort „Geiz ist geil”.

Das Fernsehen, das hauptsächlich darüber informiere, dass unsere Pullover kratzen, unsere Hemden nicht porentief rein seien und das Quote mache mit Superstars, den besten und beklopptesten Deutschen, habe zuerst dafür gesorgt, dass die Welt kleiner wurde. „Längst bewirken jetzt Internetsysteme und Onlinedienste eine gigantische Revolution, eine Herausforderung an Sie als Händler und Unternehmer, an uns als Medien.”

Die Märkte seien weltweit. Beide, traditionelle Wirtschaft und traditionelle Medien, müssten sich damit abfinden, dass der E-Commerce den Umlauf von Gütern aller Art beschleunige. „Diese Geschwindigkeit verlangt Geistesgegenwart, Geschicklichkeit und Präzision.”

Wer sich diese Eigenschaften aneigne, werde Leistung bringen und erfolgreich sein. „Der elektronische Raum ist in eine gewaltige Dynamik eingebettet, die unsere gesamte Gesellschaft durchschütteln wird”, blickte Mathieu in die Zukunft.

Das Internet sei kein selbstgenügsames und neutrales, riesiges Computerspiel, es sei ein Ort der Machtverteilung. „Und da sind die Unternehmer und die Medien gefragt, die Entwicklung zu bestimmen und die Debatten zu dominieren.”

Mathieu erinnerte humorvoll daran, dass der Vorstand von IBM einmal der Meinung gewesen sei, PCs würden sich als Produkt niemals durchsetzen. Manchmal müsse man etwas wagen, die Wirtschaft und die Medien. „Wer mit beiden Beinen fest auf der Erde steht, kommt keinen Schritt voran!

Am leichtesten vorwärts kommen jene, die rasch gehen oder sogar laufen. Nur so können wir im Lauf der Zeit und der Zukunft mit dabei sein”, erklärt er. Das Festhalten an alten Regeln, an alten Strukturen, das unreflektierte Tradieren von Gewohnheiten könne gefährlich sein. Wenn Ordnung überfällige Veränderungen verhindere, werde sie lebensgefährlich.

„Wir brauchen Menschen, die sich wohl fühlen, wenn es nicht immer im alten Trott weiter geht, im Handel, in den Medien. Menschen, die trotz aller Risiken auch die Chancen des Neuen sehen, so wie ich das jetzt als Chefredakteur von zwei Zeitungen tun muss und auch tue.”

Wirtschaft und Medien könnten Beiträge zur Bewusstseinsveränderung liefern und den Menschen sagen, dass Schluss damit sein müsse, immer und ewig nach dem Staat oder den Behörden zu rufen. „Sie gehören zu den Menschen, die gar nicht anders können, als Risiken einzugehen, weil sie Verantwortung tragen.”

Bernd Mathieu bot dem Aktionskreis eine Zusammenarbeit an: „Wir wollen und werden auch die vielen kleinen Unternehmen unterstützen, die in der Addition einen großen Teil der Arbeitsplätze und auch der Lehrstellen repräsentieren.”