Geilenkirchen: Neues Sozialzentrum: Im März ist Baubeginn

Geilenkirchen: Neues Sozialzentrum: Im März ist Baubeginn

Frohe Botschaft aus dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft: Das von der Franziskusheim gGmbH in Bauchem geplante Sozialzentrum ist als Klimaschutzsiedlung anerkannt.

Mit dem Label sollen insgesamt 100 Projekte im Land prämiert werden. Die Auszeichnung nahmen am Mittwoch Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, und Ansgar Lurweg, Mitglied des Aufsichtsrates, in Düsseldorf entgegen.

„Bei dem geplanten Sozialzentrum in Bauchem handelt es sich um ein Leuchtturmprojekt für Geilenkirchen“, freut sich Lurweg, der zuvor mit Hanno Frenken in Düsseldorf einer Kommission, bestehend aus Ministeriumsvertretern und Bauingenieuren, die Pläne erläutert hatte. „Die Kommission war von den Baustandards und von dem inhaltlichen Konzept mit der Quartiersentwicklung sehr angetan“, erklärt Lurweg.

„Die Pläne für den ersten Bauabschnitt sind fertig. Im März 2017 wird Baubeginn sein“, erläutert derweil Hanno Frenken.

In einem ersten Bauabschnitt wird die Franziskusheim gGmbH in Bauchem eine neue Tagespflege, Räume für einen ambulanten Pflegedienst und 18 Wohnungen errichten. Ergänzt wird das Vorhaben durch einen Quartierstreff mit Café, Vereins- und Sakralraum. Nachdem der erste Bauabschnitt im Herbst 2018 fertiggestellt und die neue Tagespflege in Betrieb ist, sollen Kirche, Pfarrheim und die Tagespflege abgerissen werden.

In einem zweiten Bauabschnitt werden dann etwa 36 Wohnungen entstehen. Auch für dieses Projekt rechnen die Verantwortlichen mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren.

Aufgrund des hohen energetischen Standards, der einem Passivhaus entspricht, darf sich das Unternehmen nicht nur mit einem Label schmücken. „Wir erhalten dadurch vorrangig Fördermittel für den Passivhausbau aus der Progressförderung des Landes“, freut sich Lurweg.

Derzeit hat Hanno Frenken ein weiteres großes Projekt fest im Blick, für dessen Realisierung er selbst im Oktober vergangenen Jahres den Bagger angeschmissen hat. Damit gab er symbolisch den Startschuss zu einem 12,5 Millionen Euro teuren Vorhaben: Einerseits entsteht ein sechsstöckiger Anbau an dem in den 1970er Jahren errichteten Franziskusheim, andererseits wird das alte Gebäude komplett saniert. Der Rohbau des Anbaus steht schon, parallel wird derzeit die Fassade des Altbaus erneuert. In vier Wochen ist sie fertig. „Ende Februar wird der Neubau fertig, dann können die ersten Bewohner einziehen“, sagt Hanno Frenken.

Hintergrund dieser Maßnahme ist die Forderung des Gesetzgebers, dass ab dem Jahr 2018 Altenpflegeeinrichtungen 80 Prozent Einzelzimmer vorhalten müssen. Doch Hanno Frenken will allen Bewohnern Einzelzimmer anbieten, damit auch wirklich alle Senioren ihre Privatsphäre haben.

Parterre wird im Neubau die modernisierte Wäscherei untergebracht und die im Altbau bestehende Küche bis in den Neubau hinein erweitert, in den oberen fünf Geschossen werden 35 Einzelzimmer entstehen. Dann stehen in Alt- und Neubau insgesamt 126 Einzelzimmer zur Verfügung. Wenn im Februar die ersten Bewohner umgezogen sind, wird der Altbau etagenweise saniert.

Da viele Bewohner im Rollstuhl sitzen oder sich nur mittels Rollator bewegen können, werden die ungenutzten Balkone in die Räumlichkeiten integriert, so dass den Bewohnern mehr Wohnraum zur Verfügung steht. Die im Altbau nicht barrierefreien Bäder werden rollstuhlgerecht umgebaut. Damit ist das Franziskusheim für die Zukunft gerüstet.

„Aufgrund des Pflegestärkungsgesetzes, das im nächsten Jahr in Kraft treten wird, werden die Menschen, die wir versorgen müssen, pflegebedürftiger sein“, erklärt Hanno Frenken. Der Gesetzgeber wolle die häusliche Pflege besonders unterstützen. „Es ist auch sinnvoll, dass man die Versorgung der älteren Menschen zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung unterstützt. Deshalb werden die Menschen, die in unsere stationäre Einrichtung kommen, immer pflegebedürftiger“, blickt Frenken in die Zukunft. Aus drei Pflegestufen werden künftig fünf Pflegegrade.

„Das bedeutet, dass der Einzug ins Pflegeheim im Sinne der alten Menschen nach hinten geschoben wird“, so Frenken. In den Einzelzimmern haben die Bewohner die Möglichkeit, diese ganz individuell mit eigenen Möbeln, Gardinen und Dekorationen zu gestalten.

„Zwar hat künftig jeder seine Privatsphäre, dennoch findet er bei Bedarf jederzeit Gesellschaft“, sagt Frenken. Auf jeder Etage nämlich ist ein Gesellschaftsraum mit Teeküche vorgesehen. Zwei Zimmer pro Etage sind mit einer Verbindungstüre ausgestatet. „Die sind ideal für Ehepaare geeignet“, so der Geschäftsführer.

Solch ein Projekt sei natürlich ein großer Kraftakt für das Unternehmen. „Viele Mitarbeiter engagieren sich über das normale Maß hinaus“, erklärt Frenken und weist auf die Sanierungsgruppe hin, in die jede Abteilung des Hauses, ob Pflege, Hauswirtschaft, Küche, Verwaltung oder Sozialdienst, eingebunden ist.

„Alle Abteilungen sitzen an einem Tisch, und jeder an der Planung beteiligte Mitarbeiter guckt mit seiner Brille auf die Pläne. Oft müssen nur Kleinigkeiten geändert werden, die für die Mitarbeiter aber wesentlich sind.“ Mitte 2018 soll auch der Altbau komplett saniert sein.

Mehr Plätze werden allerdings durch dieses Zwölf-Millionen-Euro-Projekt nicht geschaffen. „Es bleibt bei den derzeit 126 Plätzen. Wir möchten uns nicht vergrößern, sondern die Individualität der Bewohner stärken“, betont Frenken.

Da das Unternehmen immer stärker expandiert, setzt der Geschäftsführer verstärkt auf Ausbildung. Von den derzeit 380 Mitarbeitern sind 100 Auszubildende. In diesen Tagen hat er 45 Auszubildende, davon 36 in der Pflege, eingestellt. Von den 22 jungen Menschen, die in diesem Jahr die Ausbildung zum Altenpfleger abgeschlossen haben, wurden 14 übernommen.

„Und auch von den anderen ist keiner ohne Arbeitsplatz“, weiß Frenken. „Viele Unternehmen kämpfen darum, Pfleger zu bekommen. Wir aber haben früh angefangen, uns die Pflegekräfte von morgen selbst auszubilden.“