Zwischen Arbeit und Rente: Neues Netzwerk in Geilenkirchen führt Menschen ab 55 Jahren zusammen

Zwischen Arbeit und Rente : Neues Netzwerk in Geilenkirchen führt Menschen ab 55 Jahren zusammen

Der Eintritt in die Rente und der Zeitpunkt, an dem die Kinder das Haus verlassen, sind oftmals tiefe Einschnitte im Leben. Ein neues Netzwerk in Geilenkirchen führt daher Menschen ab 55 Jahren zusammen.

Trotz Schnee und Kälte waren am Dienstagabend rund 80 interessierte Bürger zum Gründungstreffen des ZWAR Netzwerkes in die Aula der Realschule Geilenkirchen gekommen. „Ihre Lebenswege mögen bis hierhin sehr unterschiedlich gewesen sein, doch Sie alle eint die Tatsache, dass Sie sich gerade in einer Phase ihres Lebens befinden, in der sich grundlegend etwas ändert“, so Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz zur Begrüßung. Die Abkürzung ZWAR steht nämlich für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ und ist ein soziales Netzwerk für Menschen ab 55 Jahren.

Für die Errichtung eines solchen Netzwerkes hat die Stadt Geilenkirchen bereits im November mit dem Caritasverband für die Region Heinsberg und der Franziskusheim gGmbH einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

„Die einen suchen vielleicht eine sinnvolle ehrenamtliche Tätigkeit, der nächste möchte einfach gerne seine Freizeit aktiv mit anderen gestalten, ein anderer hat ein bestimmtes Projekt für dessen Umsetzung er Gleichgesinnte sucht. Egal was es auch ist – ein ZWAR-Netzwerk ist dafür offen“, umreißt Georg Schmitz die Möglichkeiten. „Nichts muss, aber alles kann“, fügt Nicole Abels von der Gemeindesozialarbeit im Caritasverband hinzu. Sie wird das Projekt im ersten Jahr begleiten. „Das Netzwerk wird das, was sie daraus machen.“

Das Besondere an den ZWAR-Gruppen ist nämlich, dass sie basisdemokratisch und selbstorganisiert sind. Das heißt, es gibt keine vorgegebene Struktur oder Hierarchie – auch einen Animateur oder eine Satzung sucht man hier vergeblich, von Mitgliedsbeiträgen ganz zu schweigen.

Bürgermeister Georg Schmitz, Nicole Abels, Melanie Hafers-Weinberg, Christa Butenschön und Anne Remme (v.l.) sind gespannt, welche Gruppen sich in Geilenkirchen bilden. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Aus diesem Grund wurden, nach einer kurzen Vorstellung des Projekts, vier Gruppe gebildet. Im Sitzkreis kamen dann die verschiedenen Lebensphasen zusammen. Während die einen schon mit einem ausgedehnten Frühstück ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, klingt bei den anderen noch jeden Morgen der Wecker. Sie haben ihren Eintritt ins Rentnerdasein noch vor sich. Die Erwartungen an die Zeit nach der Arbeit sind bei allen jedoch ähnlich: endlich mehr Zeit.

Doch was tun mit dieser neuen Freiheit? Einige haben Angst vor den fehlenden Strukturen und Kontakten. Daher würde sie gerne neue Menschen kennenlernen und andere Aktivitäten ausprobieren. Bei vielen ZWARlern sind einige Träume und Wünsche während ihrer 40-bis-50-Stunden-Woche und neben der Familie auch einfach auf der Strecke geblieben. Sei es die ausgiebige Fahrradtour oder die langerträumte Fernreise. Auch das soll sich nun ändern.

Die Ideen für gemeinsame Unternehmungen mit der neuen Gruppe sind daher zahlreich, angefangen bei gemeinsamen Wanderungen oder Fahrradtouren über Treffen von Handarbeitsinteressierten und Kochfreunden bis hin zur Gründung einer Reisegruppe. Auch Buchbesprechungen, Singen, Tanzen, gemeinsame Besuche im Museum, Kino oder Theater werden vorgeschlagen. Außerdem sind die Teilnehmer offen für neue Sprachen, wollen ein Instrument erlernen oder einen Gesprächskreis ins Leben rufen.

Viele ZWARler wollen sich außerdem gerne in der Stadt einbringen. Immer wieder fällt das Stichwort Ehrenamt. „Ich will mehr hinterlassen, als eine Kuhle in der Couch“, zitiert ein Teilnehmer einen Werbespruch von ZWAR. Ideen dafür gibt es ebenfalls genug. Eine Gruppe möchte gerne die Grünanlagen der Stadt verschönern und eine Boulebahn im Wurmpark bauen. 

Auch Kinder- und Jugendarbeit ist den angehenden Senioren wichtig. Sie wollen ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen, sei es in einer Hausaufgabenhilfe oder durch wechselseitige Kurse zu bestimmten Themen in der Schule. Von einigen männlichen Vertretern wird ferner der Wunsch nach einer Spielgruppe für Skat und Doppelkopf sowie dem Bau einer Modelleisenbahn laut.

Nicole Abels ist nach der Präsentation der Ergebnisse begeistert von dieser Fülle an Ideen. „Ich sehe hier viel Potenzial, viele Wünsche, Träume und verborgene Interessen“, so die ZWAR-Gruppenbegleiterin. Beim nächsten Treffen der Basisgruppe am 6. Februar gehe es dann an die Umsetzung und die Gründung der einzelnen Gruppen. Auch zu diesem Treffen seien alle Menschen über 55 Jahren eingeladen. „Jeder kann mitmachen, auch von außerhalb“, betont sie.

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