Neues Dorfgemeinschaftshaus für Stahe

Stahe-Niederbusch-Hohenbusch : Eine Million Euro für Dorfgemeinschaftshaus

Ganz frisch liegt die Baugenehmigung des Kreises Heinsberg für das neue Dorfgemeinschaftshaus Stahe-Niederbusch-Hohenbusch vor, da wird auch schon zur Tat geschritten. Die Damen der Frauengemeinschaft rückten im alten Pfarrheim in Stahe an, um klar Schiff zu machen.

Das alte Pfarrheim wie auch das angegliederte Jugendheim am Kirchweg werden abgerissen, um Platz für den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses zu schaffen. Erhalten bleibt das benachbarte Schützenheim, das über einen verglasten Gang mit dem Dorfgemeinschaftshaus verbunden wird. Neben etlichen Gläsern, größeren und kleineren für Hochprozentiges, packten die fleißigen Helferinnen der Frauengemeinschaft alles ein, was sich in den Schränken des alten Pfarrheims angesammelt hatte.

Von den Fenstern und Türen bis zu den Dachziegeln ist derzeit so manches Baumaterial oder Interieur im Angebot, das noch einen dankbaren Abnehmer finden wird.

Rainer Mansel ist nicht nur der Ortsvorsteher der Dreidörfergemeinschaft, sondern vor rund drei Wochen hatte er von Jo Herings auch den Vorsitz im Dorfverein übernommen. Gemeinsam mit dem Architekten Josef Kofferath und der Bauingenieurin Julia Rabben, die auch im Dorfvereinsvorstand ist, stellte er die Planungen zum Dorfgemeinschaftshaus vor.

Eine Million Euro sind für das neue Gebäude veranschlagt. Der Gemeinderat Gangelt hatte sich wie bei ähnlichen Projekten in anderen Ortschaften bereit erklärt, die Materialkosten in Höhe von 600.000 Euro zu übernehmen. Den restlichen Anteil an den Baukosten werden die Bürger der Dreidörfergemeinschaft in ehrenamtlicher Eigenleistung erbringen.

Heim für Hitlerjugend

Das heutige Pfarrheim war noch in der Zeit des Nationalsozialismus als Heim für die Hitlerjugend erbaut worden. In den 1960er Jahren war das Gebäude an die Kirche gegangen und zum Pfarrheim geworden. In den 1980ern war das Jugendheim angebaut worden.

Der Impuls etwas Neues mit einem großen Veranstaltungsraum zu schaffen, war von den Schützen und Karnevalisten ausgegangen, die bislang für ihre Großveranstaltungen Zelte gesetzt hatten. Es traf sich, dass vor einigen Jahren das Pfarrheim in Stahe auf die Liste der Gebäude des Bistums gesetzt wurde, die finanziell nicht mehr tragbar sind. Der Wechsel von der Kirchen- zur Zivilgemeinde konnte erfolgen. Die Sanierung des Pfarrheims oder ein Neubau wurden im Dorfverein diskutiert. Die Damen im Ort hatten schließlich für ihre Auffassung, dass das alte Pfarrheim marode und ein Neubau vernünftiger sei, Zustimmung gefunden.

Hellhörig waren schließlich einige Anwohner geworden, die eine Belästigung durch das neue Dorfgemeinschafthaus und dessen Vermietung befürchteten. Heftiger Widerstand wurde laut, Unterschriftenlisten gingen rund, und Gespräche mit Bürgermeister Bernhard Tholen wurden geführt. Die nun vorliegende Baugenehmigung, der auch ein Emissionsgutachten vorangegangen war, sehe, so Rainer Mansel, aber sehr restriktive Nutzungsbedingungen vor. Mansel: „Ich denke, die meisten Anwohner sind nun zufriedengestellt.“ Und er fügt hinzu: „Solch ein Haus gehört ins Zentrum.“

Das Jugendheim kann laut Baugenehmigung täglich bis 0 Uhr betrieben werden, das übrige Dorfgemeinschaftshaus täglich bis 22 Uhr. Die Gemeinde könne an 18 Tagen im Jahr Ausnahmegenehmigungen für Veranstaltungen der Brauchtumspflege erteilen. Hochzeiten würden nicht zur Brauchtumspflege zählen, erklärt Mansel mit Blick auf die Befürchtungen der Nachbarschaft.

Auch bei der Aufteilung der Räume im Dorfgemeinschaftshaus wurde darauf geachtet, dass der Lärm auf dem Grundstück verbleibt. So ist der Aussenbereich für die Jugendlichen in einem abgeschlossenen Innenhof platziert.

Die 280 Quadratmeter große Halle mit 196 Sitzplätzen wird mit einer Bühne und Theke ausgestattet. Der Jugendbereich mit eigener Toilettenanlage wird 95 Quadratmeter umfassen. An Nebenräumen stehen 175 Quadratmeter zur Verfügung. 670 Quadratmeter groß wird die bebaute Fläche sein. Wenn die Frauengemeinschaft alle Gläser eingepackt und der Abriss vollzogen sein wird, kann laut Plan im Sommer mit dem Bau begonnen werden.

Rund anderthalb Jahre Bauzeit sind vorgesehen. Die ortsansässigen Unternehmen haben trotz Höchstkonjunktur ihre Unterstützung zugesagt.

In den drei Orten gibt es zudem gut ausgebildete Handwerker. Jeder, der mithilft, darf sich auf die frisch geschmierten Brötchen freuen, die die Frauengemeinschaft für die Bauphase zugesagt hat.

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