Geilenkirchen: Neuer Datenschutz bereitet in Geilenkirchen viel Arbeit

Geilenkirchen : Neuer Datenschutz bereitet in Geilenkirchen viel Arbeit

DLRG-Ortsgruppenleiter Dietmar Schiffers hat einen klaren Standpunkt, wenn die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zur Sprache kommt: „Meiner Meinung nach ist das Ganze nur Verwaltungskram, der nichts bringt und nur Unkosten verursacht.“

Am 25. Mai ist die neue Verordnung in Kraft getreten. Sie gilt für alle europäischen Unternehmen, Selbstständige, Vereine oder Vereinigungen und Blogger, die personenbezogene Daten automatisiert verarbeiten. Gemeint sind zum Beispiel Name, Adresse, Geburtsdatum und Kontoverbindung von Nutzern, Mitgliedern und Patienten. Doch wie sehen die ersten Erfahrungen mit der neuen Grundverordnung in Geilenkirchen und Umgebung aus? Wie gut lässt sich die neu eingeführte Informationspflicht umsetzen, und wie gehen Patienten, Mitglieder oder Kunden damit um? Die Meinungen fallen unterschiedlich aus.

Mehr Arbeit für Vereine

Für DLRG-Ortsgruppenleiter Dietmar Schiffers bedeutet sie vor allem mehr Arbeit: Der Verein müsse jetzt die rund 230 Mitglieder einzeln kontaktieren, um von ihnen die konkrete Erlaubnis zur Verfügung über ihre Daten erneut einzuholen.

Zudem habe man sich dazu entschlossen, nur noch den Geschäftsführer und die Kasse mit den persönlichen Mitgliederdaten arbeiten zu lassen, denn: Jeder, der Zugriff auf empfindliche Daten habe, müsse sich extra dafür einen eigenen Rechner anschaffen, der bestimmte Sicherheitsstandards erfülle. Dafür reiche aber das Budget nicht aus. Die Anschaffung eines gesonderten Rechners ist zwar keine Pflicht, wie Nils Schröder von den Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit NRW (LDI) betont, es müsse jedoch sichergestellt sein, dass nur ausgewählte Personen Zugriff auf beispielsweise Mitgliederrechner haben. Die neue Grundverordnung gebe allerdings keine Vorschriften, wie das konkret im Vereinsalltag umzusetzen sei. Mitunter könne die Umsetzung „technisch aufwendig“ sein, räumt Schröder ein.

Ein weiterer Aspekt sei der interne Datenschutzbeauftragte, der ernannt werden muss, sobald zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung von personenbezogenen Daten beschäftigt sind. Dieser Beauftragte muss nun der zuständigen Aufsichtsbehörde gemeldet werden. Zuerst habe man sich bei der DLRG überlegt, ob zur besseren Handhabung mit der neuen Datenschutzgrundverordnung ein externer Datenschutzbeauftragter sinnvoll sei, um in nicht eindeutigen Fällen eine Beratungsperson zur Seite zu haben. Der Verein entschloss sich jedoch wegen zu hoher Kosten dagegen. „Alles in allem ist sehr viel mehr Arbeit auf uns zugekommen“, resümiert Schiffers.

In der Praxis von Dr. Christa Schirdewahn in Gangelt sind neben der Ärztin sechs Mitarbeiter beschäftigt, ein Datenschutzbeauftragter ist also nicht nötig. Schirdewahn hat allerdings vorgesorgt: „Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und haben jeden Patienten einen Zettel ausfüllen lassen, wo festgehalten wird, wer zum Beispiel Rezepte für den jeweiligen Patienten abholen darf“, erklärt sie. Außerdem sei darauf unter anderem festgehalten, dass bestimmte gesundheitliche Daten im Fall der Fälle an spezialisierte Labore weitergeleitet werden dürfen. Die Informationspflicht habe sie also erfüllt. Die Unterschrift der Patienten sei zwar nicht zwingend notwendig, sagt Nils Schröder von der LDI, sei aber gut, um zu dokumentieren, dass alle Patienten auf dem neusten Stand seien. „Unsere Patienten sind super damit umgegangen, es gab keine Beschwerden, und alle waren vorher schon gut informiert“, erklärt Schirdewahn.

Angelsportverein schließt Webseite

Zu drastischeren Maßnahmen hat der Angelsportverein Petri Heil gegriffen. Vorsitzender Rudolf Odekerken: „Wir haben fürs Erste unsere Website still gelegt.“ Der Verein, der 50 aktive Mitglieder zählt, habe sich zu diesem Schritt entschlossen, um vorerst datenschutzrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen. „Das ist schade für Interessierte, die sich über unsere Homepage informieren wollen“, sagt Odekerken.

Papierlose Formulare zu teuer

Mit Unmut wurde auch in der Tierarztpraxis von Sabine Wagner auf die neuen Bestimmungen reagiert. „Für uns ist das viel mehr Aufwand“, sagt Wagner. Bis sie die Informationspflicht habe erfüllen können, habe sie sich längere Zeit in das Thema einarbeiten müssen, um herauszufinden, wie das Formular, das sie ihre Kunden unterschreiben lasse, auszusehen habe. „Ich wollte immer eine papierlose Praxis haben, mittlerweile weiß ich nicht mehr, wo ich die ganzen Unterlagen unterbringen soll“, erklärt sie. Eine elektronische Lösung, wie zum Beispiel die Unterschriften auf einem Tablet einzusammeln, sei für die Praxis unerschwinglich, und sie bezweifele, dass die Menschen bereit wären, ihre Unterschrift digital erfassen zu lassen.

Bürger reagieren gelassen

Auf Geilenkirchens Straßen nehmen die Menschen die neuen Bestimmungen anscheinend entspannt hin. „Ich musste bisher noch nichts unterschreiben. Im Internet kaufe ich nicht ein, das macht mein Sohn für mich, und beim Arzt war ich bisher noch nicht“, sagt die 74-jährige Marlis Mertens. Martha Wapelhorst hingegen hat bereits bei ihrem Arzt der neuen Verordnung per Unterschrift zugestimmt, fühlt sich dadurch aber nicht gestört: „Was muss, das muss. Es nützt ja nichts, wenn sich der Einzelne darüber aufregt.“

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