Geilenkirchen: Neue Veröffentlichung von Friedrich Cappel: „Mein Leben und die Juden”

Geilenkirchen: Neue Veröffentlichung von Friedrich Cappel: „Mein Leben und die Juden”

„Mein Leben und die Juden” heißt die neueste Veröffentlichung von Friedrich Cappel (Jahrgang 1919), in der sich der engagierte Historiker auf sehr persönliche Weise mit seiner Beziehung zum Judentum sowie mit seinen speziellen Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen dieses Glaubens auseinandersetzt.

Friedrich Cappel berichtet auszugsweise aus seiner Jugendzeit, in der er unbefangen und ganz unbewusst tolerant zwischen Mitschülern jüdischen oder anderen Glaubens keine Unterscheidung macht.

Repressalien

Die Gymnasialzeit während des Nazi-Regimes und die sich immer deutlicher ausdrückenden Repressalien gegen die Juden, die längst nicht von allen, aber eben doch von einigen Lehrern geduldet und sogar begrüßt werden, machen dieser Unbefangenheit ein Ende.

Während des Krieges als Soldat wird Friedrich Kappel bei einem arrangierten Besuch im KZ Buchenwald dann sehr deutlich mit der Vernichtungsmaschinerie der Nazis gegen die Juden konfrontiert.

Hätte er offen dagegen aufbegehren müssen und die Öffentlichkeit unterrichten müssen? Diese Frage steht in ungeschriebenen Lettern über dem Titel des neuesten Werkes von Cappel und war und ist sicher einer der Gründe für Cappels teils zufällige, aber doch sehr gewünschte, teils aber auch gesuchte Kontakte zu Juden in späteren Zeiten seines Lebens.

In erster Linie zur Vergangenheitsbewältigung und Gewissensauseinandersetzung, gewiss aber auch stellvertretend für viele Menschen seiner Generation stellt Friedrich Cappel sich in seinem Buch dem auch heute immer wieder aktuellen Gewissenskonflikt: Darf ich aus Angst um meine eigene Person schweigen?

Dem Buch angehängt sind die niedergeschriebenen Erlebnisse des Beecker Bauern Benedikt Thelen in der Ukraine während des Krieges bei einem Judenpogrom, die sein Sohn Willy nach dem Tod des Vaters dem Autor zur Verfügung stellte.

Die nicht leicht zu lesende, aber ungemein fesselnde Arbeit von Friedrich Cappel als einem der letzten Zeitzeugen der Nazi-Judenverfolgung kann in der Geilenkirchener Stadtbücherei, in der Katholischen öffentlichen Bücherei der Pfarre St. Marien und im Archiv der Stadt Geilenkirchen ausgeliehen werden.

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