Gangelt: Naturschützer mit Kettensägen

Gangelt: Naturschützer mit Kettensägen

„Weg da“, ruft Thomas Henkens, „die Äste fallen gleich!“ Trotz des deutlich hörbaren Ausrufezeichens ist er dabei sehr freundlich im Ton. Das kann man von den an diesem Samstagmorgen im Dauereinsatz tätigen Kettensägen nicht unbedingt sagen.

Zumindest legt sich ein wenig mehr Stille in den Naturpark Rodebach, als eine der Sägen keinen Tropfen Benzin mehr im Tank hat. Und während manche Passanten beim morgendlichen Hundeauslassen noch mit dem Kopf schütteln, warum so viel Krach gemacht wird, ist Thomas Henkens, übrigens kein wilder Säger, sondern ein Vertreter des Nabu Selfkant, dabei, einer Weide den „Kopf“ zu scheren.

„Höhenspezialist“ Thomas Henkens sorgt vom „zweiten Stock“ aus für den fachmännischen Beschnitt der Kopfweiden. Foto: Markus Bienwald

Weich und zerbrechlich

Und er erklärt, warum das die Bäume in dem Biotop letztendlich schützt: „Weideholz ist relativ weich, kann also schnell brechen“, so Henkens. Das gilt erst recht, wenn die Äste eine bestimmte Dicke und Höhe erreicht haben und die Bäume damit stark kopflastig geworden sind. „Dann reicht mitunter eine Windböe, um sie auseinanderbrechen zu lassen“, weiß Henkens. Beispiele aus anderen Gebieten, wo die charakteristischen Kopfweiden mit ihrem kräftig-kurzen Stamm und den wie ein weichhaariger Pinsel aufgesetzten, staksigen Ästen, ebenfalls zu Hause sind, gibt es genug.

Damit dieses Schicksal den ansehnlichen Bäumen im grenzüberschreitenden Naturschutzgebiet erspart bleibt, rückt der Nabu immer im Herbst mit versammelter Mannschaft an. Schweres Gerät wie ein Traktor, ein Geländewagen samt Anhänger und besagte Kettensägen sind dabei ein Muss, um zügig und gründlich arbeiten zu können. So lässt sich beispielsweise „Höhenspezialist“ Thomas Henkens von einem Kollegen per „Traktorlift“ in den gedachten zweiten Stock heben, um die langen Äste erst zu kürzen und dann zu kappen. Wieder und wieder sinken die Äste mit rauschendem Blattwerk nieder.

Am Boden geht dann die Arbeit weiter: Hier werden die dickeren Auswüchse der Kopfweiden nicht nur fachmännisch von zarterem Geäst befreit, sondern auch in handliche Stücke geschnitten. Ist die Krone gefallen, sieht der Baum natürlich kahl aus, „aber wie gesagt, das hält ihn gesund“, so Henkens, der damit auch denjenigen, die sich vielleicht wundern, warum Naturschützer auch mit der Säge ans Werk gehen, einen Grund für das Tun der Nabu-Jungs gibt.

Das Biotop mit seinem morastigen Boden hat sich derweil nach den ausgiebigen Regenfällen der letzten Tage in ein schweres Geläuf verwandelt. Doch die Männer mit den orangefarbenen Schutzwesten stapfen tapfer durch den Matsch, um den Bäumen so zu helfen. Und nach der langen Sommerpause scheinen die Nabu-Vertreter noch eine gute Portion Energie mehr übrig zu haben, denn Baum um Baum bekommt im Handumdrehen seine charakteristische Krone.

Pflanzen allein reicht nicht aus

Und schon kurze Zeit später sehen die praktisch nach ihrem früheren Erscheinungsbild benannten Biotope „ehemaliges Maisfeld“ und „ehemaliger Bolzplatz“, ganz in der Nähe zum Eingang des Wildparks in Gangelt, wieder fachmännisch gepflegt aus. „Denn zum einen wäre das Rodebachtal ohne uns nicht das, was es heute ist“, gibt Thomas Henkens zu bedenken. Und im Dank an die freiwilligen und fleißigen Helfer merkt er noch an, dass es nicht ausreicht, nur Biotope anzulegen und Kopfweiden zu pflanzen. „Wer das tut, muss schließlich auch dafür sorgen, dass diese gepflegt werden“, sagt er.