Muss Familie Rogahn ihr Tiergehege schließen?

Schweine, Schafe und Hühner : Sind die Tiere von Familie Rogahn in Gefahr?

Früher hatte die Familie Rogahn auf ihrem Grundstück in Niederheid Dammwild. Mittlerweile sind hier Schafe, Hühner, Enten und Schweine zu Hause. Die Nutztierhaltung der Familie dient der Eigenversorgung. Aber vor allem die Schweine stoßen bei einigen Nachbarn auf Unmut – besonders der Geruch.

Seit über 40 Jahren besteht das Tiergehege der Familie Rogahn. Frank Rogahn und seine Frau Franziska ziehen bei sich zu Hause auch Lämmer oder Katzenbabys mit der Flasche auf, wenn sie den Start ins Leben alleine nicht schaffen würden.

Schüler besuchen Tiere

Schulklassen und Kindergärten würden die Familie besuchen, um die Tiere zu füttern und zu streicheln. „Wir wollen, dass sich die Kinder mit den Tieren beschäftigen können und auch, dass Insekten und Igel bei uns Platz finden“, sagt der 44-jährige Rogahn.

Aber seit einiger Zeit gibt es Ärger um das Gehege, das teilweise der Familie selbst gehört und teilweise gepachtet ist. Der Grund: Nachbarn hatten sich über den Geruch beschwert. Der Kreis Heinsberg hatte daraufhin einen Fachmann der Emissionsschutzabteilung raus auf den Hof geschickt, der sich ein Bild von der Lage gemacht hat.

„Aber ein Gutachten war eigentlich gar nicht erst nötig, weil nur wenige Tiere in dem Gehege leben und auch nicht in Ställen gehalten werden, sondern draußen“, sagt Jennifer Grünter, Sprecherin beim Kreis Heinsberg. Es gebe bestimmte Berechnungsgrundlagen, wie es um die Geruchsbelästigung stehe, aber im Bereich rund um das Gehege der Familie würde man nicht an einen solchen Grenzwert herankommen.

Die Schafe bei Familie Rogahn sind sogenannte Haarschafe. Sie haben kurzes Fell und sind eine Mischung aus Kamerunschaf und Muflon. Foto: Anke Capellmann

Tiere werden gerecht gehalten

Auch das Veterinäramt des Kreises Heinsberg sei mit der Tierhaltung vor Ort zufrieden. „Es gab keine Beanstandungen“, sagt Grünter.

Indes würden die Nachbarn wollen, dass die beiden Hütten, die den Schweinen als Unterstellmöglichkeit dienen, abgerissen werden, erläutert Rogahn. Deswegen stehe jetzt auch das Bauamt vor der Tür. Der Grund: Für die Hütten gebe es keine Baugenehmigung. „Das sind Freilandschweine. Die haben einen eingezäunten Bereich auf unserem Grundstück und keinen Stall. Wenn ich jetzt die Hütten, die als Witterungsschutz dienen, abreißen muss, dann müssen auch die Tiere weg“, sagt der 44-Jährige, der Vollzeit in der Pflege arbeitet.

Das Amt für Stadtplanung, Umwelt, Bauordnung und Hochbau der Stadt Geilenkirchen kann aus datenschutzrechtlichen Gründen dazu auf Anfrage unserer Zeitung keine Angaben machen. „Allgemein sind wir als Bauaufsichtsbehörde dafür zuständig, dass jede Bebauung rechtlich korrekt gebaut, aber auch genutzt wird“, sagt Herbert Brunen, Erster Beigeordneter der Stadt. „Zu einzelnen Bauangelegenheiten können wir aber nichts sagen.“

Indes kämpfe die Familie mit den unterschiedlichen Arten von Müll auf ihrem Grundstück. „Die Leute schmeißen ihren Biomüll über den Zaun, ihre Grillreste und auch alte Knochen“, erzählt der Familienvater. Diese Leute seien froh, dass sie ihre Reste loswerden würden, beschwerten sich aber auf der anderen Seite: „Sogar Plastikmüll wird rübergeworfen.“ Einmal hätte jemand Gartenpflanzen – giftig für die Schafe – über den Zaun geworfen. Das sei so gerade noch einmal gut ausgegangen.

Die Familie Rogahn kämpft auf ihrem Grundstück täglich mit allerlei Müll, der über den Zaun geworfen wird. Foto: Anke Capellmann

Es droht die Schlachtung

Schlussendlich gehe es der Familie darum: „Wenn das Bauamt zu dem Schluss kommt, dass ich die Schweinehütten abreißen muss, dann müssen auch die Schweine weg. Aber niemand kauft solche Tiere“, berichtet Rogahn. Seine Frau ergänzt: „Nicht mal die Flaschenlämmer, die handzahm sind.“ Konsequenz: Die Tiere müssten geschlachtet werden. Zwar hat Rogahn die Erlaubnis selbst zu schlachten – und das tut er auch für den Eigenbedarf – er darf das Fleisch aber nicht verkaufen: „Was sollen wir mit so viel Fleisch auf einen Schlag? Das wäre so viel, das könnte man nicht mal einfrieren.“

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