Übach-Palenberg: Muslimischer Friedhof dient der Integration

Übach-Palenberg: Muslimischer Friedhof dient der Integration

Sogar Vizekonsul Utko Atahan und dem stellvertretenden Attacheé für religiöse Angelegenheiten, Saban Kondi, war es eine Reise nach Übach-Palenberg wert. Die türkische Prominenz aus Köln erlebte auf dem christlichen Friedhof an der Boschelner Friedensstraße eine Premiere.

Dort wurde am Freitag in feierlicher Zeremonie ein muslimisches Gräberfeld eingeweiht; es ist bislang das einzige seiner Art im Kreis Heinsberg, und in der weiteren Region verfügen nur Herzogenrath und Aachen über einen Friedhof für Muslime.

Auch Vertreter der christlichen Kirchen und der Kommunalpolitik waren der Einladung der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Übach-Palenberg gefolgt. Und so war es für manche der zahlreichen Gäste sicherlich auch ein neuartiges Empfinden, erstmals in der Trauerhalle an der Friedensstraße Verse aus dem Koran - gelesen von Iman Ibrahim Gökce - zu hören.

Auch das ist ein Stück gelebten Miteinanders, von dem Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in seiner anschließenden Rede sprach: „Das muslimische Grabfeld ist ein Bestandteil zur Integration und ein Bekenntnis zu Deutschland, denn nur der, der seine Heimat auch in Deutschland sieht, der wird auch seine Verstorbenen hier bestatten.”

Integration heiße, so der Bürgermeister weiter, weder Anpassung noch Gleichmacherei. „Im Gegenteil: Integration gelingt nur, wenn wir Unterschiede anerkennen und Vielfalt als Bereicherung annehmen können und einander respektieren - unter den Vorzeichen der Gegebenheiten unseres Landes und dessen Möglichkeiten.”

Jungnitsch beleuchtete den historischen Migrationshintergrund, weshalb vor allem türkische Muslime den Weg in die westliche, in die christliche Welt wählten: „Sie kamen als Gastarbeiter, wie es im Volksmund hieß; immer mehr von ihnen entschlossen sich, hier in Deutschland eine neue Heimat zu finden und zu gestalten.”

Und dennoch sei es bislang für viele gläubige Muslime nötig und üblich gewesen, ihre Toten in die Türkei zu überführen, um sie dort nach islamischen Regeln zu bestatten. „Um eine Beerdigung auch in dem Land zu ermöglichen, das für die zweite und dritte Generation der Muslime zur neuen Heimat geworden ist, hat die Stadt Übach-Palenberg das Grabfeld angelegt”, erklärte Jungnitsch.

Er erinnerte an den einstimmigen Beschluss des Stadtrates im März 2009, der den Weg für die Errichtung eines Grabfeldes auf einer Fläche von 540 Quadratmetern - im Übrigen mit 110 Reihen- und Wahlgräbern - gebahnt habe. Sein besonderer Dank galt auch namentlich Hüseyin Salin, dem Sprecher der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Übach-Palenberg: „Mit dessen Unterstützung wurde die Planung der Anlage vorgenommen und verwirklicht.”

Attacheé Saban Kondi lobte das Engagement der Stadt Übach-Palenberg und hofft, dass auch andere Kommunen diesem Beispiel folgen mögen. Der Respekt vor Religion und Kultur der jeweils Anderen sei ein probates Mittel, „Differenzen und Vorurteile abzubauen”.

Hüseyin Salin unterstrich im Gespräch mit unserer Zeitung ebenfalls die Sinnhaftigkeit des muslimischen Friedhofes in der Ex-Zechenstadt: „In Übach-Palenberg leben rund 2500 Moslems, die aus Europa, aus Afrika und aus Asien kommen. Darunter sind 1600 Türken, von denen wiederum die Hälfte einen deutschen Pass besitzt.”

Auf dem Friedhof, betont er, sollen nicht allein Türken die letzte Ruhe finden: „Hier können auch muslimische Gläubige anderer Herkunft auch ihre Toten beisetzen. Da der Boschelner Friedhof die einzige islamische Grabstätte im Kreis Heinsberg besitzt, können dort auch Muslime, die nicht in Übach-Palenberg gelebt haben, ihre letzte Ruhe finden.”

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