Übach-Palenberg: Musik des Liedermachers Funny van Dannen kommt gut an

Übach-Palenberg : Musik des Liedermachers Funny van Dannen kommt gut an

Es ist frisch, fast kühl an diesem Frühlingsabend rund ums Schloss Zweibrüggen. Dass drinnen etwas passiert, zeigt die bunt wechselnde Fassadenbeleuchtung an. Was drinnen passierte, waren die Songs von Funny van Dannen.

Nicht weit vom Konzertort, im Selfkant, stand seine Wiege, und wenn dann die „Grooovemen“ — ja, mit drei „o“ — sich auf die Fahne schreiben, die vielleicht besten Stücke des Meisters feiner wie banaler Beobachtungen des Alltags live einzuspielen, dann ist eben auch im edlen Schloss richtig was los.

Bier, Salzstangen und tiefsinnige Musik: Die Gäste hatten sichtlich Spaß am Gehörten und dem Drumherum. Foto: Bienwald

Während draußen Schwäne im dunklen Wasser des Schlossgrabens fast lautlos dahingleiten, suchen sich draußen die leicht frierenden Fans ein warmes Plätzchen. Am Anfang, während die Beschallungsanlage noch einen bunten Mix aus Stücken der letzten Jahrzehnte von den Lautsprechermembranen plätschern lässt, sind die Sitzplätze ganz nahe an den Heizkörpern noch begehrt. Später, als Heinz Quix (Gesang, Gitarre) und Jakob Schönleber (Cajon) sich in die vielfältige Liedkunst des gebürtigen Selfkänters einarbeiten, sind es eher die Stehtische, die Anklang finden.

Und während der Konzertabend um Funny van Dannens größte Hits in Fahrt kommt, kommt man sich vor wie auf einem Klassentreffen, und das obwohl das Publikum eine wirklich breite Altersspanne abdeckt. Und das Jung wie Junggeblieben so viel Spaß an der Musik des Meisters haben, liegt wohl auch an den Texten. Sie scheinen aus der Zeit gefallene Statements zu sein, die trotz einiger Jahrzehnte auf dem literarischen Buckel nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Bestes Beispiel ist der Song „Als Willy Brandt Bundeskanzler war“. Van Dannen schrieb es schon retrospektiv — die vierte Amtszeit von Altkanzler Helmut Kohl war gerade vorbei —, und das Lied hat nichts von seiner Wirkung verloren. Damals hatte „Mutti“ noch goldenes Haar, und „bei CD wusste jeder, das kann nur Seife sein“, reimte van Dannen.

Heinz Quix gelang nun das Kunststück, die Lieder nicht einfach nur runterzusingen. Er lebt die Lieder, spielt griffsicher die Gitarre, während Text um Text ins Ohr der gut 70 Gäste fließt und bei ihnen verschiedenste Reaktionen hervorruft.

Das reicht vom bloßen Wiedererkennen des vielleicht lange nicht mehr Gehörten über spontanes Mitsingen bis zu Gelächter, denn die Texte van Dannens klingen vielleicht banal, gehen aber in die Tiefe und sind zugleich einfach witzig. Aus der Schilddrüsenunterfunktion ein Lied zu machen, ist wahrscheinlich nur Funny van Dannen in den Sinn gekommen. Daraus den Grund für allerlei seltsames Verhalten abzuleiten, wahrscheinlich auch. Beim Publikum angekommen ist der Hit natürlich sofort.

Und mit nur wenig technischem Gedöns schaffen es die „Grooovemen“ — unverkennbar eine Ableitung des van Dannenschen Albumtitels „Groooveman“ —, nicht nur Gehör zu finden, sondern Fans zu vereinen. Das passt übrigens bestens zum Ambiente von Schloss Zweibrüggen. Sonst ist der Bau im klassizistischen Stil ja eher Heimstatt für Kunst und klassische Klänge. Dass von vorne bis hinten handgemachte Musik mit deutschen Texten sich mit einem Fläschchen Bier und ein paar Salzstangen in der Hand dort auch bestens genießen lässt, ist eine weitere Erkenntnis des Abends.

Dass Funny van Dannen sein Œuvre Nummer 15 zumindest plant, davon durfte auch ausgegangen werden, denn Heinz Quix spielte auch Lieder, die es so noch nicht auf einen Tonträger geschafft haben. „Im Moment malt er aber mehr“, meinte Quix noch in einer kurzen Pause dieses denkwürdigen wie wunderbaren Konzertabends.

Und es war ein langer Abend: Zugaben reihten wie Perlen auf eine Kette lyrisch-musikalischer Schaffenskraft und umschlangen die Gäste. Und spätestens als „Gib es zu, Du warst beim Nana-Mouskouri-Konzert“ als Refrain durch die ehrwürdigen Gemäuer klang und von vielen Kehlen mitgesungen wurde, war klar, dass dieser Abend ein echter Volltreffer war. Wer noch kein Fan van Dannens war, der ist es jetzt.

Dass zwei Musiker das ohne das Original schafften, ist ebenso bemerkenswert.