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Hückelhoven: Mit kuscheligen Kissen zu den 33. Filmtagen

Hückelhoven : Mit kuscheligen Kissen zu den 33. Filmtagen

Wenn kleine Karawanen mit kuscheligen Kissen ausgestatteter junger Menschen im Minutentakt die Aula des Gymnasiums entern, kann das nur eins bedeuten.

Es ist Herbst, der Fernseher bleibt vorübergehend aus und dafür werden die altehrwürdigen Filmprojektoren angeschmissen.

Warum? Weil die Belgisch-Niederländisch-Deutschen Filmtage die ehemalige Zechenstadt wieder einmal in ein Zentrum internationaler Filmkunst und die Aula in einen Kinosaal verwandelt haben.

So geschehen von Freitag bis Sonntag, als die 33. Auflage des cineastischen Leckerbissens rund 250 Teilnehmer aus den drei Titel gebenden Ländern nach Hückelhoven lockte. In bewährter Kooperation verantwortlich zeichneten der Bundesverband Jugend und Film sowie das städtische Kulturamt.

Nicht allein Polster für Kopf und Gesäß gehörten zum unbedingten Equipment während des ebenso spannenden wie allgemein bildenden Movie-Marathons. Manch besonders wärmebedürftiger Film-Fan hatte sich sogar eine Decke mitgebracht.

Trotz dieser Schlafzimmer-Ausstattung war an tiefen Schlummer selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt zu denken - dafür sorgte schon die kluge Filmauswahl und der verbesserte Ton. In diesem Jahr nämlich griff das Helferteam um Organisatorin Gisela Münzenberg-Wiers auf eine eigens mitgebrachte Tonanlage zurück, statt auf die Klangqualität der stationären Apparate zu bauen. Das Ergebnis: zufrieden stellend.

Huldigung

Filme faszinieren, so viel steht fest. Vornehmlich die Guten natürlich, wie bei den Filmtagen, und vor allem dann, wenn ihrer Huldigung gleich ein ganzes Wochenende gewidmet wird.

Die Zusammenstellung überzeugte: Szenen aus dem beschädigten bundesdeutschen Leben vereinte etwa Christian Petzolds „Wolfsburg”; ein tragisches Liebesepos erzählt märchenhaft „The Emperor´s Wife” von Julien Vrebos; „Minoes” von Vincent Bal ist die entzückende Geschichte einer Katze, die sich auf wundersame Weise in eine junge Frau verwandelt.

Die Rezeption der Lichtspiele stellte nur ein Aspekt des Filmfestes dar. Wesentliches Merkmal war zudem die aktive Diskussion über die gesehenen Beiträge. „Die Teilnehmer sind also besonders gefordert”, hatte Bürgermeister Bernd Jansen in seiner Begrüßung hervorgehoben. „Und das ist gut so.”

Vornehmlich richtet sich die Veranstaltung an ein jüngeres Publikum, doch sind treue Teilnehmer wie Bep Berbers immer wieder gerne gesehene Gäste. Die 70-jährige Dame aus den Niederlanden ist von Anfang an dabei - früher als Lehrerin mit ihren Klassen eines Roermonder Gymnasiums, heute als Rentnerin mit ihrem Lebenspartner. „Ich liebe gute Filme”, gibt sie gerne Auskunft. „Aber auch das Zusammensein mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern.”

Die Umgebung sei sehr entspannend, so die Filmfreundin, und die Organisation sehr gut. Plötzlich drängt die Zeit: Das nächste Kinowerk beginnt, und die Konversation ist vorbei. Etwas verpassen möchte sie auf gar keinen Fall. Verständlich.