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Geilenkirchen: Menschliche Geschichten vom Grandseigneur

Geilenkirchen : Menschliche Geschichten vom Grandseigneur

Er begrüßt die Damen mit Handkuss, und sie sind hingerissen. Der Österreicher Wolf-Egon Baron von Schilgen-Arnsberg ist ein Grandseigneur, ein eleganter Herr der alten Schule und ein hinreißend witzig-ironisch-satirischer Schriftsteller.

Aus seinen letzten Werken las er in der Geilenkirchener Stadtbücherei und begeisterte sein Publikum, was er nonchalant zur Kenntnis nahm. Er ist es gewohnt.

Der 1917 in Münster/Westfalen geborene Literat ist seit 1923 in Großgmain/Österreich ansässig und seit 1946 österreichischer Staatsbürger. Er lebt mit seiner attraktiven Gattin, der promovierten Kunstexpertin Eva-Maria Schilgen, teilweise auch in London.

Der 87-jährige Tausendsassa studierte Germanistik, war ausgebildeter Schauspieler, ehe ihn die Sucht des Schreibens packte. Im Krieg Kunstflieger und Flugzeugführer fand er in mehr als 40 Berufen Erfüllung und eine Fülle von Erzählenswertem, das sich zum Teil in seinen neun satirischen Werken niederschlug.

Er führte einen Kunstsalon, war Vizepräsident des Steiermärkischen Schriftsteller- und Journalistenverbandes, Vizepräsident der Liga der Vereinten Nationen, Chef von Mundus-Weltpressedienst, He-rausgeber und Chefredakteur verschiedener Zeitschriften und vieles mehr.

Handstand

Als Österreichs Loriot bezeichnet ihn die Presse. Kulturamtsleiterin Ingrid Oeben begrüßte die vielen Zuhörer im Rahmen der Österreich-Präsentation und dankte vor allem Marlene Mühlbauer, die diesen Abend finanziell ermöglichte.

Wolf von Schilgen ist ein chronischer Optimist. Geistig und körperlich topfit absolviert er täglich ein zehnstündiges Schreibpensum am Computer und dreimal wöchentlich ein strenges Fitnessprogramm. Sein Handstand auf dem Stuhl ist berühmt. „Man(n) glaubt es nicht”, heißt sein neuestes Werk, das anlässlich der Österreichischen Buchwoche im November in Salzburg erscheint.

Eine politische große Arbeit ist fast fertig. Aus den „Bekenntnissen eines gestressten Ehemannes” las er die Satire auf „Die Beifahrerin. Das ist natürlich seine Frau, die bereits lange vor ihm bremst, wenn sie eine Ampel sieht, „rot” ruft, obwohl er durchaus nicht farbenblind ist, ihn ärgert, wenn sie wieder einmal schneller „grün” ankündigt, ehe er ihr mit einem Kavaliersstart zuvorkommen kann. Seit Jahren versucht er, schneller zu sein als ihre Warnungen.

Ganz herrlich von Schilgens hintergündiger Bericht über die Entstehung des „Gerüchts”, das aus der Tante von der Caritas die kriminelle Tante Karla machte. „Es ist nicht leicht, ein Gast zu sein” stöhnt der humoristische Satiriker und gibt Intimes preis. Hat doch eine Freundin ihnen das Geschenk wieder zurückgeschenkt, dass sie selbst von jemand bekommen haben: „Und die Pralinen darin waren bereits ungenießbar”.

Als „Strohwitwer” für eine Woche erlebt er ohne treusorgende Gattin die Tücken der Selbstversorgung mit Tee aus der Wasserleitung und gefrorener Butter im Backofen. Dass die Waschmaschine auch Wäsche färben kann, erstaunte ihn sehr. Fein, die rosa Unterhosen! Der Ausflug „Sich in die Wellnesseln zu setzen” war eine herrliche Parodie auf den Schönheits- und Gesundheitswahn der Konsumgesellschaft: „Wie lange müssen wir denn noch entspannen?”

Menschliche Geschichten, penibel beobachtet und amüsant in Worte verpackt, machen Wolf von Schil-gens zauberhafte Bücher aus. Sein Geilenkirchener Publikum war begeistert.