Heinsberg: Menschen mit Behinderung schwingen mit Begeisterung den Kochlöffel

Heinsberg: Menschen mit Behinderung schwingen mit Begeisterung den Kochlöffel

Feldsalat mit Schinken-Zwiebel-Dressing, dazu panierte Schnitzel mit eigens hergestellter Jägersauce und Kartoffel-Mandel-Püree sowie als krönender Abschluss ein ebenfalls frisch zubereitetes Himbeer-Tiramisu: Dieses Menü klingt schon nach Kochkunst, war aber „nur” das Ergebnis des sogenannten Abschlusskochens in einem bisher einzigartigen Anfänger-Kochkurs.

Diesen haben die Anton-Heinen-Volkshochschule und die „KoKoBe” (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote) für Menschen mit geistiger Behinderung gemeinsam angeboten und in der Lehrküche der VHS im Gebäude an der Westpromenade 9 in Heinsberg durchgeführt.

Zwölf Menschen mit geistiger Behinderung, sowohl Frauen als auch Männer, haben daran teilgenommen. Die meisten von ihnen leben in betreuten Wohneinrichtungen oder in eigenen Wohnungen und sind darauf angewiesen, sich auch selbst ein Essen zubereiten zu können. Sicherlich gebe es in betreuten Wohneinrichtungen die Gelegenheit, „Kochkünste” zu erlernen, beschreibt KoKoBe-Mitarbeiterin Adelheid Venghaus das neue Projekt.

Aber eine solch externe Veranstaltung sei für diese Menschen doch etwas ganz anderes, Herausforderndes, bei dem sie auch weitere Alltagsfertigkeiten trainieren könnten, etwa die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zum Kurs. Die Teilnehmer hatten sogar die Möglichkeit, Bildungsurlaub zu nehmen für ihren Kurs, der sich in den Osterferien über fünf Mittage und zusätzlich am Abschlussabend nochmals über je drei Stunden erstreckte.

Auch am letzten Abend stand die Theorie am Anfang des guten Essens. So saßen auch da alle rund um einen großen Tisch neben den vier, sogenannten Kochkojen und lauschten den Erläuterungen von Kursleiterin Gabi Schütze.

Sie nahm sich sehr viel Zeit, die einzelnen Arbeitsschritte zu erläutern und auf Fragen zu antworten. Vor allem setzte sie gar nichts voraus und war auch nicht verwundert, wenn Teilnehmer noch nie zuvor Feldsalat gesehen hatten.

„Den müsst ihr behandeln wie ein rohes Ei”, lautete dann auch ihr erster Tipp. Mit viel Einfühlungsvermögen erklärte sie, wie Kartoffeln richtig abgeschüttet oder Pilze geschnitten werden. Zu jedem Menüschritt hatte sie das Rezept für die Teilnehmer vorbereitet, einige Blätter sogar in bebilderter Form.

Bei der Anfrage, wer bereit sei, einen Kochkurs für Menschen mit geistiger Behinderung anzubieten, habe sie spontan „Ja” gesagt, erinnert sich die aus Baesweiler stammende Kursleiterin, die bei der VHS seit Jahren vielfältige Kochkurse anbietet, vom Kochen für Anfänger bis hin zur exklusiven Küche. „Im selben Moment habe ich jedoch daran gedacht, worauf ich mich da einlasse”, gibt sie dann auch ihre ersten Bedenken offen zu.

Und ist jetzt, am Ende des ersten Kurses seiner Art, vollauf begeistert. „Wie eifrig hier alle bei der Sache sind, wie gerne sie kommen und wie viel Spaß sie hier haben”, freut sich Schütze. „Ich habe nie vorher erlebt, dass sich jemand über ein Lob so gefreut hat wie es diese Menschen hier tun.”

So auch Michael Maaßen aus Heinsberg. Er hat sich sogar für all die tollen Rezeptblätter schon einen Ordner angelegt, in den er sie säuberlich abheftet. Auch ihm hat der Kurs sehr gut gefallen. Nur nachkochen könne er die tollen Rezepte noch nicht, sagt er. Das Problem: Sein Herd sei kaputt, und der Ersatz dafür passe nicht in seine Küche.

Der Dank der KoKoBe-Mitarbeiterinnen Adelheid Venghaus und Denise Lison für den ersten gelungenen Kurs seiner Art ging abschließend nicht nur an die Kursleiterin und an die motivierten Teilnehmer, sondern auch an die Helfer.

Dazu zählte im Wechsel immer ein Betreuer aus den Gangelter Einrichtungen. Ehrenamtlich engagierten sich darüber hinaus im gesamten Kurs Petra Dyllus aus Wassenberg und Gertrud Schleicher aus Heinsberg, die der KoKoBe über die Lebenshilfe vermittelt worden waren.

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