Übach-Palenberg: Marodes Carolus-Magnus-Gymnasium bleibt ein Millionengrab

Übach-Palenberg: Marodes Carolus-Magnus-Gymnasium bleibt ein Millionengrab

Es mag ein bisschen grausam sein, aber um zu verdeutlichen, von was für einer Summe man spricht, machen ein paar kleine Rechenbeispiele Sinn. Für 1,5 Millionen Euro hätte die Stadt Übach-Palenberg 15 Jahre lang ihre Stadtbücherei finanzieren können. Sie könnte auch 100 Jahre lang ihren Eigenanteil an einer Schulsozialarbeiterstelle stemmen oder 7,5 Mal monatelange archäologische Grabungen in zukünftigen Lidl-Industriegebieten bezahlen können.

Und auch ein ganz aktuelles Rechenbeispiel bietet sich an: Die 1,31 Millionen Euro, die die Stadt zum 1. Oktober aus dem Stärkungspakt erhalten wird, würden nicht ausreichen für die Sanierungsmaßnahme, die der Stadt ins Haus steht.

Kurz gesagt: Für Übach-Palenberg sind 1,5 Millionen Euro eine ordentliche Stange Geld. Dieser Betrag muss nun aufgewendet werden, um nur eine einzige Fassade des Carolus-Magnus-Gymnasiums zu sanieren. Und das, nachdem in den vergangenen Jahren bereits teils siebenstellige Summen für das ziemlich genau 50 Jahre alte Gebäude im Haushalt gestanden haben. Es zeigt sich: Das reicht offenbar noch immer nicht.

Dass die Südwest-Fassade ihre besten Tage hinter sich hat, ist auch für das Auge des Laien gut zu erkennen. In viele der Scheiben, die zu einem großen Teil ebenso alt sind wie das Gebäude, ist Wasser eingedrungen, so dass man sie fast für Milchglasscheiben halten könnte. Heutige Scheiben seien jedoch zu schwer für die Fensterflügel, erklärt die Stadtverwaltung. Und die kompletten Fenster auszutauschen, sei ebenfalls nicht möglich, da sie „im Verbund mit den alten Waschbetonfassadenelementen eingebaut wurden.“

Die kostspielige Folge: Die komplette Fassade muss ausgetauscht werden. Die in den politischen Gremien Übach-Palenbergs vertretenen Fraktionen winkten den Antrag der Verwaltung geschlossen durch. Keiner von ihnen dürfte das besonders leicht gefallen sein. Niemandem fliegen die Herzen der Wähler zu, bloß weil die Fensterscheiben des städtischen Gymnasiums durchsichtig sind.

Schritt für Schritt

Die Sanierung der Fassade ist nur ein Zwischenschritt hin zum eigentlichen Ziel, der Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume. Diese soll ab 2019 erfolgen, und zwar Schritt für Schritt, geordnet nach Fächern. Weil bei der Sanierung von Fassaden nach Ausführung der Stadt immer die Gefahr bestehe, die dahinter liegenden Räume zu beschädigen, wollte man dieses Risiko tunlichst nur für die Räume in ihrem aktuellen Zustand eingehen.

Bei dem kommunizierten Betrag von 1,5 Millionen Euro für die Fassade handelt es sich übrigens nur um das Ergebnis einer vorläufigen Kalkulation. Vielleicht wird es also auch zumindest etwas billiger. Hoffen darf man ja.