Drogenfund vor Gericht: Marihuana als Backzutat für Muffins?

Drogenfund vor Gericht : Marihuana als Backzutat für Muffins?

Er könne doch mal Schokoladen-Muffins backen, schlug daraufhin Richterin Corinna Waßmuth dem Angeklagten vor. Die seien auch in Deutschland nicht strafbar. Diese Bemerkung aus der Schublade „Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen“ war durchaus angemessen.

Schließlich hatte der Angeklagte zuvor Geschichten erzählt, die es den beiden Schöffen und der Richterin am Amtsgericht Geilenkirchen durchaus erlaubt hätten, sich auf den Arm genommen zu fühlen.

Allein die Fakten sprachen für sich: 77,19 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 13,6 Gramm Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Das Rauschgift, das der Angeklagte angeblich zum Backen von Muffins gekauft haben wollte, war bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Angeklagten in Waldfeucht gefunden worden. Der 36-Jährige, der zuletzt versucht hatte, seine Brötchen als Pferdehändler zu verdienen, steht nach eigenen Angaben kurz davor, in seinem Heimatland, den Niederlanden, eine Anstellung in seinem erlernten Beruf in der Flugzeugbranche zu erhalten. Er habe lediglich noch den Ausgang der Verhandlung abwarten wollen, bevor er die Stelle antritt.

Das Gerichtsverfahren habe ihm sehr zugesetzt, die Hausdurchsuchung durch die Polizei sei für ihn ein heilsamer Schock gewesen, seitdem habe er nichts mehr mit Drogen zu tun. Die Polizei hatte bei der Hausdurchsuchung eigentlich gar kein Rauschgift im Visier gehabt, sondern ein Handy, das der Angeklagte angeblich gestohlen haben sollte. Im Keller zwischen Fitnessgeräten auf dem Boden liegend hatten die Beamten das Marihuana in einer Klarsichtverpackung gefunden und sichergestellt.

Bessere Qualität

Vor dem Schöffengericht Geilenkirchen nahm der Angeklagte seine Schutzbehauptung, die Drogen lediglich für einen Bekannten gelagert zu haben, zurück. Er gestand, das Rauschgift in Duisburg gekauft zu haben.

Richterin Waßmuth zeigte sich verblüfft. Da fährt ein Niederländer, der direkt an der Grenze wohnt, nach Duisburg, um Marihuana zu kaufen, das habe sie auch noch nicht gehört. Doch, meinte der Angeklagte, das Marihuana, das er in Amsterdam oder Roermond schon mal gekauft habe, sei viel zu stark, um damit Muffins zu backen.

Die Staatsanwältin war angesichts dieser Einlassung des Angeklagten nicht weniger irritiert, zumal doch der Wirkstoffgehalt mit 13,6 Gramm THC nicht schlecht sei und man hier an der Grenze durchaus schlechtere Qualität bekäme. 400 Euro wollte der Angeklagte in Duisburg für die 77 Gramm bezahlt haben. Gekauft habe er das Rauschgift auf einer Party von einem Ausländer auf der Toilette.

Irritation löste auch der Aufbewahrungsort der Drogen aus. Richterin Waßmuth fragte nach: „Bewahren Sie ihre Backzutaten immer im Keller zwischen den Fitnessgeräten auf?“ Doch auch auf diese Frage hatte der Angeklagte eine Antwort. Das Marihuana habe etwas gestunken, darum habe er es einfach in den Keller geworfen. Da der Angeklagte Niederländer ist, im Nachbarland andere Regeln im Umgang mit weichen Drogen gelten und der Angeklagte angegeben hatte, dass seine Freunde öfter Plätzchen und Muffins mit Marihuana backen würden, war nicht ganz klar, ob ihm ein Unrechtsbewusstsein unterstellt werden konnte. Doch der Angeklagte räumte ein, schon mal was davon gehört zu haben, dass die Grünen in Deutschland weiche Drogen freigeben wollten.

Mit dem Urteilsspruch, sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, beendete das Schöffengericht die Backkarriere des Angeklagten — zumindest, was den Zusatz von Marihuana zu den kleinen Törtchen betrifft.

(defi)
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