Übach-Palenberg/Darmstadt: Marienberger „Drogenbunker“: Nasenbluten und ein Prozess, der zu platzen droht

Übach-Palenberg/Darmstadt : Marienberger „Drogenbunker“: Nasenbluten und ein Prozess, der zu platzen droht

Es kann auch schnell gehen im „Drogenbunkerprozess“ vor dem Landgericht im hessischen Darmstadt: Für eine Angeklagte aus Übach-Palenberg und ihren Exfreund ist der zehnte Verhandlungstag nach anderthalb Stunden vorbei — wovon eine Stunde pausiert wurde. Der Frau gehe es schlecht, sie könne der Verhandlung an jenem Tag nicht folgen, so eine Ärztin.

Vier Männer und die Frau stehen vor Gericht, ihnen wird bandenmäßiger, unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Darunter: die 58-Jährige aus Marienberg, ihr 78 Jahre alter Ex-Freund und ein Niederländer (26).

Das Verfahren hatte zuletzt durch Absprachen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinter verschlossenen Türen einen merkwürdigen Beigeschmack erhalten. Die Kammer ist angesichts Pannen, Termindrucks und der nunmehr drohenden eingeschränkten Verhandlungsfähigkeit der 58-Jährigen unter Druck geraten. Eine Absprache dürfte letztes Mittel sein, den Prozess zu retten, bevor er womöglich platzt.

Übelkeit und Epilepsie

Die Übach-Palenbergerin wirkte schon seit Prozessbeginn gesundheitlich angeschlagen, sie leidet unter Übelkeit und Epilepsie. Nach einem Sturz wird sie im Rollstuhl in den Saal gefahren, nimmt laut Ärztin unter anderem Beruhigungsmittel. Sie habe Schwierigkeiten, der Verhandlung zu folgen, „und wenn sie viel überlegen muss, habe sie anschließend Nasenbluten“, berichtet die Ärztin. Außerdem sei die Frau, die auf Mitschnitten abgehörter Telefongespräche locker, selbstbewusst und mit dem Niederländer schäkernd zu hören ist, „sehr emotional“, weine viel.

„Bereit, ein Angebot zu machen“

Doch reicht das, um eingeschränkt verhandlungsfähig zu sein? Das Gericht jedenfalls trennt das Verfahren gegen die Frau und ihren Ex — „die beiden passen ja zusammen, also thematisch“, so die Richterin — von dem gegen die anderen Angeklagten ab. Bis 24. September hat die Ärztin Zeit, die 58-Jährige auf Verhandlungsfähigkeit zu untersuchen. Wie es dann weitergeht, ist offen.

Sicher ist jedoch, dass dies für den Angeklagten aus Hessen und wohl auch für den Niederländer der letzte Verhandlungstag sein wird. Zwar hatte die Kammer mehrfach betont, mit dem, was Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgehandelt hatten, nichts zu tun zu haben.

Am jüngsten Sitzungstag aber ist sie „nun doch bereit, ein Angebot zu machen“. Die Strafen, die dabei genannt werden, gleichen denen, die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen wurden. Für einige der Anwälte kommt dieser Einwurf der Kammer allerdings nicht überraschend, sie hatten sich bereits auf Plädoyers eingestellt. Diese dürfen sie beim nächsten Termin halten.

Den Südhessen erwarten demnach zwischen fünf und sechs, einen Mannheimer, der im Oktober abgeurteilt werden soll, zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Jahren Haft. Der niederländische Angeklagte bekäme neun bis zehn Jahre, was angesichts der Tatsache, dass er als Organisator gilt und ihm mit zehn Kilo voraussichtlich die größte Menge an Heroin zugerechnet werden wird, noch eher moderat ist. Zu Prozessbeginn hatte das Gericht betont, nur „umfangreiche Geständnisse“ könnten einige Angeklagte vor Strafen „im zweistelligen Bereich“ bewahren.

Das Geständnis des Niederländers war dann eine vom Verteidiger verlesene Erklärung, in der er sich vor allem auf seine eigene Abhängigkeit berief. Nachfragen ließ er keine zu.